Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-27 · Heft 5 (27.1.1863) · p. Seite III

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 5 (27.1.1863)
Date
1863-01-27
Page
Seite III (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226364-3226370--20970-3300833
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in Besprechung einer Verständigung näher zu kommen. Die naive Frage nun, was ich mit der Veröffentlichung meines Berichts beabsichtigte, glaube ich dem einsichtigen Leser nicht beantworten zu dürfen. Mir erschien die Veröffentlichung eine unabweisbare Pflicht, wie daS Publicum auf Kenntniß der Angelegenheiten deS Jnstitus ein unbestreitbares Recht hat. ES kommen sodann noch einige thatsächliche Berichtigungen, und zwar „daß das Gebäude nicht ein Schloß, sondern ein stattliches Haus mit hohen luftigen Räumen" sei. Run, ich will auf meine Bezeichnung nicht gerade bestehen, aber den Repräsentanten der Gemeinden beider Provinzen, die auf den Ruf des Fräulein Nathan nächstens nach Paderborn kommen werden, das „stattliche HauS mit den hohen, luftigen Räumen" zu besichtigen, das Urtheil darüber überlassen, ob meine Bezeichnung „Schloß" nicht mindestens ebenso zutreffend ist, als Wohnung für arme Waisenkinder, welche zu Handwerkern und Dienstboten erzogen werden sollen, insbesondere wenn man mit in Betracht zieht, daß die innere Einrichtung (Bade-Anstalt rc. rc.), für welche Fräulein Nathan fortwährend Gaben der Milde in Ansvruch nimmt, dem stattlichen Aeußern wird entsprechen müssen. Wenn Fräulein Nathan mich dahin berichtigt, daß nicht 13,00V, sondern 16,000 Thaler von ihr beschafft seien, so trägt sie selbst die Schuld dieses Irrthums, indem in ihrem Berichte die Einnahme nicht addirt und die Ausgaben nicht specialifirt find. Zch weiß nun, daß nicht 13,000, sondern 16,000 Thaler auf die unsinnigste Weise vergeudet find, daß für diese Summe nichts als ein „stattliches Haus mit hohen luftigen Räumen" da, das Institut dagegen bankerott ist. Jawohl', bankerott! ich muß das wohl mit Zahlen beweisen. ES find nicht 3, sondern 4000 Thaler anzuleihen und betragen die Zinsen jährlich . . . Thlr. 2OO Grundsteuer, Feuer-Versicherung, Reparaturen, Instandhaltung des Inventars vom Kostenpreis — 20,000 Thaler le/o . . „200 Eine Person zur Beauffichttgung von Haus und Garten.. . . ,, 100 macht jährlich Thlr. 500 Wo find die Fonds, aus welchen diese Summe bestritten werden soll? Fräulein Nathan wiederholt zwar an verschiedenen Stellen, daß sie stets fortfahren werde, „die Fonds der Anstalt zu vermehren". Dieser Satz erscheint mir ganz unverständlich, denn Vermehren heißt doch wohl: zu vorhandenem noch hinzufügen, wo aber gar Nichts vorhanden ist, kann unmöglich von Vermehren die Rede sein. Wie darf das Curatorium, dem die Beschaffung der erwähnten 500 Thaler schon schwere Sorge macht, eS wagen, auch nur ein einziges Kind zur Erziehung anzunehmen, da es blos auf milde Beittäge, die doch auch einmal spärlicher fließen können, hingewiesen ist? Und doch hat Fräulein Nathan den „hohen Muth", mit 20 Kindern in das Haus cinzuziehcn. DaS würde ja wohl, pro Kind für Kost, Bekleidung und Unterricht ä 100 Thlr. . Thlr. 2000 ausmachen; addiren wir vorbenannte . . „ 5OO und die Kosten eines Lehrers, den Fräulein Nathan „will" mit. „ 300 hierzu, so ergibt sich die Summe von Thlr. =- 2800 welche, wenn sie aus den durch Fräulein Nathan „vermehrten Fonds der Anstalt" bestritten und diese Fonds mit 4°/« zinsbar gemacht »erben sollen, ein Capital von 70,000 Thaler erfordern. Ein neues Erempel: Wenn zu 16,000 Thaler 7 Jahre erforderlich find, wie viel Jahre gebraucht man zu 70,000 Thaler? Und wie, wenn dem Fräulein Nathan, die nicht „kleinmüthig zagt", weil noch eine Schuld von 3000 Thaler sresp. 4) zu denken bleibt, einmal, was Gott noch lange Jahre verhüten möge, etwas Menschliches begegnete? Wer würde nach ihr noch „so hohen Muth" haben? Dann wäre bas Curatorium doch lediglich auf Zufälligkeiten und auf den guten Willen der Gemeinde-Vorstände angewiesen. Ich könnte mich hier füglich von Fräulein Nathan verabschieden, da sie ja die Absicht ausgesprochen hat, auf meine etwaigen weiteren Berichte nicht antworten, und ihre kostbare Zeit nicht mit einer nutzlosen Polemik vergeuden zu wollen, indeß habe ich noch die unabweisliche Pflicht, das Curatorium gegen die Fluth von Vorwürfen, die Fräulein Nathan auf dasselbe niederschüttet, in Schutz zu nehmen. Um das Verhältniß des Fräulein Nathan und deS Curatoriums zum Institut dem Leser, der sich ein Urtheil bilden will, zu präcisiren, lasse ich hier die betreffenden §§. des Statuts folgen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.