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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-27 · Heft 5 (27.1.1863) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 5 (27.1.1863)
Date
1863-01-27
Page
Seite 70 (sequence 10)
Language
German
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70 Nämlich der Vorwurf, daß sie sich über die Grenzen und den Umfang ihrer Partei argen Täuschungen hingiebt. Sie rechnet nämlich jeden dummen Kerl, jeden denkfaulen Knecht, jeden Ignoranten zu den ihrigen. Ja diese Menschen sind allerdings faul und feig, sie sind eben nichts als das wüste Land, welches die Parteien beackern und um das sie sich streiten. Wären alle dummen Menschen im Lande wirklich bewußte Conservative und chr Conservatismus nicht vielmehr gleicher Natur wie der gewissen Widerkäuer auf dem Felde, so würden wir freilich verzagen, denn mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Aber uns wird der Ruhm, Gegner von anderm Kaliber zu bekämpfen. Wir geben zu, daß unsre Gegner geistvoller, witziger sind als wir, aber sie befinden sich außerhalb der Saison, außerhalb des Jahrhunderts. Gewiß hatte Don Quixotte mehr Geist, mehr Witz als alle Leute, die ihn mißhandelten; gewiß war er ein viel besserer Ritter als der Baccalaureus Samson Carrasco, der ihn endlich in Barcelona besiegte, aber er kam drei Jahrhunderte zu spät in die Welt und so glauben wir auch, daß unsre „rüstigen und tapfern" Gegner am besten thäten, in chren Manchaner Dörfchen ruhig ihren Kohl zu bauen unv sich in den Geist des Jahrhunderts zu schicken." (Wenn Jemand die feudale Partei in Preußen weder als feig noch als faul zu bezeichnen gestatten darf, so sind wir Juden es. Uns gegenüber bezeugen sich die Herren Kreuzzeitungsritter täglich von einer über alles Maaß hinausgehenden Tapferkeit und Rührigkeit. Es ist nichts, was sie gegen uns scheuen und ihre Wühlerei gegen die Juden ist eine niemals rastende. Wenn der Herr Minister glauben sollte, daß jene hierin noch mehr leisten könnte, so ist er wohl im Jrrthum begriffen, und eine solche Aufforderung würde sie nur entmuthigen, denn sie müßte antworten: „Was könnten wir noch den Juden thun, was wir ihnen nicht schon gethan hätten — aber siehe da, es hat uns noch nichts geholfen, die Juden sind stichfest, und das Volk will von unseren Hetzereien gegen sie nichts wissen!" Red. d. A. Z. d. Jud.) Berlin, U. Januar. (Privatmitth., Die Angelegenheit, betreffend die Aufstellung einer Orgel im neuen Gotteshause, ist in der heutigen Repräs.-Sitzung noch nicht zum Abschluß gekommen; ein Antrag, die Gelder zur Erbauung einer Orgel zu bewältigen, indem selbstverständlich die Benutzung der Orgel beim Gottesdienste den durch das Statut festgesetzten endgülligen Bestimmungen Vorbehalten bleibt, erhielt 11 Stimmen unter 19, also nicht -js der Anwesenden, und ist somit die Frage nicht erledigt. Es ist wohl mit Bestimmtheit zu erwarten, daß der Gemeindevorstand eine neue Vorlage mit Erklärungen, die einigen in der Versammlung geäußerten Wünschen (wonach auch der Vorstand die Benutzung der Orgel als rituelle Frage von den Beschlüffen der Gemeindebehörden nach den betreffenden Paragraphen des Gemeindestatuts unbedingt abhängig hinstellen sollte) entgegen kommen, schon in nächster Zeit einbringen wird, und ist deren Annahme durch die erforderliche Stimmenzahl fast unzweifelhaft. Berlin, 18. Januar. (Privatmitth.) In der heuttgen Sitzung der Repräsentanten ist nunmehr die Bewilligung der vom Gemeiudevorstande zum Bau einer Orgel in der neuen Synagoge geforderten Gelder mit 15 gegen 4 ercheitt worden. — Der langwierige Kampf wäre somit beendigt und die Sache des Fortschritts hätte somit auch hier einen Sieg errungen. Cottbus, 19. December. (Privatmitth.) Unser Religionslehrer und Chorleiter, der Herr Emll Breslaur, ist seines „offenen Briefes an den Redacteur der Niederlausitzer Zeitung" (siehe No. 52 dieser Ztg.) wegen von dem Verleger der genannten Zeitung bei der königlichen Staatsanwaltschaft denuncirt worden. Der eigentliche Redacteur der Zeitung (ist jetzt von der Redactton zurückgetreten) und Verfasser des Aufsatzes: „Die Stellung der Conservattven zu den Juden" ist der hiesige Gymnasial-Lehrer Dr. Jacobs, der von seiner Partei nicht wenig gedrängt wurde, gegen den Berfaffer des offenen Briefes mit einer Klage vorzugehen, der es aber vorzuziehen scheint, dies nicht zu thun, weshalb sich der Verleger veranlaßt fühlte, den Denuncianten zu spielen. Ueber den Erfolg des Proceffes werden wir seiner Zeit Bettcht erstatten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 4. Januar. Vor einigen Tagen stürzten hier im Judenquartier einige alle baufällige Häuser ein und begruben mehrere Personen unter ihren Trümmern. Der „Presse" schreibt man nun von hier: „Ein merkwürdiges Ereigniß hält heute die ganze Stadt in Athem. Vergangene Nacht vernahm der vor den Ruinen mehrerer eingestürzten Häuser wachehattende

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