Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 5 (27.1.1863)
- Date
- 1863-01-27
- Page
- Seite 68 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Potocki, geboren in Wilna, that sich schon in seiner frühesten Jugend in den theologischen Studien hervor. Er pruste die Dogmen aller bekannten Religionen und unternahm Reisen in verschiedene Länder Europa's, um Gelegenheit zu haben, sich mit den gelehrtesten Männern zu besprechen. Nach vielem Forschen fand er, „daß die jüdische Religion die reinste und vernünftigste sei," und während seines Aufenthaltes in Italien wollte er Jude werden, allein die Rabbinen, die den Papst fürchteten, widersetzten sich seinem Wunsche. Er verließ darauf Italien und ging nach Amsterdam, wo er sich beschneiden ließ und die jüdische Religion annahm. Man gab ihm den Namen Abraham, weil der Patriarch Abraham der erste Proselyt war. Er blieb in Amsterdam einige Jahre, die er auf das Studium des Gesetzes und des Talmuds verwendete. Potocki wollte hierauf Buße thun für seine Jugendsünden nnd nahm als polnischer Jude verkleidet den Wanderstab zur Hand. In seiner Geburtsstadt Wilna angekommen, wurde er erkannt und durch den Einfluß seiner mächtigen Verwandten in den Kerker geworfen. Und als er protestirte, nicht der Graf Potocki zu sein, marterte man ihn so sehr, indem man ihm die Fersen mit einem glühenden Eise» brannte, daß er endlich gezwungen wurde, alles Vorgefallene zu gestehen. Den Jntriguen seiner Familie gelang es, dessen Verurtheilung zum Feuertode zu erwirken. Beim Scheiterhaufen angelangt, hatte der glaubensmuthige Potocki noch die Straft, folgende Worte an seine zahlreichen Zuhörer zu richten: „Wähnet nicht, daß es eine Gerechtigkeit ist, die ihr „ausübet, ich sterbe gerne für die Wahrheit; ich lasse „mich von euren mit unschuldigem Blute getränkten „Händen aus Liebe zu einer Religion martern, die die „allein gerechte und wahre ist." Und nachdem er „Schema Israel" gesprochen, stürzte er sich aus den Scheiterhaufen. Die Juden in Wilna hällsten seine Asche zusammen und begruben sie auf ihrem Gottesacker. Ter damalige Gaon des Wilnaer Kreises, Elias*) *) Dieser ist nicht zu verwechseln mit R. Elia Wilna, welcher im XVIII. Jahrh. lebte. — Was die Bezeichnung Gaon betrifft, ist folgendes zu bemerken. Sigmund I. gestattete den lithauiscken Juden einen Aeltesten zu wählen, der die Geschäfte aller Juden Lithauens vor dem Throne zu besorgen hatte, und alle Juden mußten ihm gehorchen. Er führte den Titel Gaon. Der Erste, der dieses Amt verwaltete, war Michel aus Lrre so. Er wurde aus Wilna, ließ durch ein ganzes Jahr alle Tage zehn der frömmsten Juden für die Seele des edlen Verstorbenen beten, und noch jetzt wird jährlich an dem Sterbetage in allen Synagogen Polens ein „LI male rachmim" gebetet. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 14. Januar. Angekommen: Ich vergesse Dein nie! Predigt. Gehalten bei der feierlichen Schließung des alten israelitischen Friedhofs in Teplitz, am 23. October 1862 vom Kreisrabbiner David Pick. Eine der erhebenden Feier in jeder Weise würdige Predigt über Jes. 49, 15: ein Blick nach Außen, ein Blick nach Innen, ein Blick nach Oben, und wußte der Redner die Rührung und Erhebung der Seele zugleich zu bewirken. — Wählet das Leben! Confirmationsrede von Dr. Julius Landsberger in Berlin. Berlin, 1862. Der Verf. dieser Ansprache au seine Confirmanden hat in seltener Weise verstanden, die klare und verständliche Weise, in welcher man zur Jugend sprechen muß, mit Eindringlichkeit, Erhabenheit der Gedanken und der Sprache und mit durchsichtiger logischer Entwickelung zu verbinden, so daß sie jüngeren Rednern sehr zu empfehlen ist. — Dr. Bernhard Beer. Ein LebenS- und Zeitbild von Dr. Z. Frankel. Mit Porträt und Facsimile. Breslau, 1863. Ein des würdigen Todten würdiges Denkmal von Freundeshand! Die Stellung Beer's als privatisirender Theologe und Gelehrter und als Vertreter seiner Glaubensgenoffeufchaft auch auf politischem 'Gebiete war zu eigenthümlich, fein Streben zu charakteristisch, und sein Verdienst zu bedeutsam, um nicht eine ausführliche Zeichnung zu fordern, und dieser Forderung ist durch die vorliegende Biographie in vielfacher Hinsicht bestens genügt. Allerdings nehmen den Border¬ und Hauptgrund die Kämpfe um die Gleichstellung der Juden in Sachsen ein, und hier hat sich der Verf. einer Ausführlichkeit beflissen, welche, so sehr sich Beer auch mit jenen identificirt hatte, für eine Biographie zu ausgedehnt scheint, weil wir darüber den Mann selbst aus 1506 zu dieser Würde ernannt. — Die Macht dieser „Gaons" war sehr groß, denn es heißt im bezüglichen Privilegium: „8eniores in omnibus criminibus et excessibus Judaeos vel etiam urbe pellere, etiam vita privo el ut nulla pro hoc diflicullos a modemo Palatino et pro tempore existanti niferatur. Czacki 1. p. 126.