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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-27 · Heft 5 (27.1.1863) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 5 (27.1.1863)
Date
1863-01-27
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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67 der Verdienste Jenes um Nichts, wohl aber erhebt es uns in dem Gedanken, daß Wahrheit und Recht, falls sie an der Hand der Humanitär und aufrichtiger Frömmigkeit in die Welt treten, die Herzen der Menschen schnell gewinnen und dauernd an sich fesseln. Und in diesem Sinne bringen wir noch heute unsrem Mendelssohn unsre Huldigung dar, und lassen ihn, so Vieles auch anders geworden, und so viel Anderes auch Bedürsniß und erforderlich geworden, fort und fort bildend und befruchtend auf uns wirken. Die Proselxten in Polen*) im XVI. u. XVII. Jahrhundert. Bon Herrmann Sternberg in Wien. Der Uebertritt der Christen zum Judenthume gehörte in Polen in früheren Zeiten nicht zu den seltenen Fällen. Die jüdische Religion, in anderen Ländern so sehr verachtet und geschwächt, stand bei den Polen stets in Ansehn und Ehre. Der Impuls zu den Verfolgungen, die hier und da stattfanden, kam immer von Außen,**) und zum Lobe der polnischen Geistlichkeit muß bemerkt werden, daß rer hohe Klerus immer die Juden in Schutz nahm. Wir erwähnen nur beispielsweise des Bischofs von Krakau, Gruscinski, welcher im Jahre 1464***) mit bewaffneter Macht den Juden zum Schutze gegen den Uebersall der Kreuzritter, die nach Ungarn zogen, eilte. Daher kommt es auch, daß, während in anderen Staaten Europa's die Inquisition Tausende von Christen dem Feuertode oder dem Henkerbeile wegen ihres Umganges mit Juden überlieferte, in Polen Ehen zwischen Christen und Juden geschlossen wurden. So heirathete *) Die Zeitungen brachten jüngstens die Nachricht, daß der katholische Geistliche Roman Dombrowski aus Posen (Preußisch-Polen) den mosaischen Glauben annehmen wollte. Dieser Entschluß eines Katholiken in unserem aufgeklärten Jahrhundert ist wenig überraschend, die Geschichte Polens lehrt uns, daß der Uebertritt zum Judenthume im XVI. und XVU. Jahrh. in Polen sehr häufig war. Ich habe diesen Gegenstand in dem 2ten Theile meines Werkes „Versuch einer Geschichte der Juden in Polen," welches nächstens die Presse verläßt, ausführlicher behandelt. **) Ostrowski, Dz. y praw. K. P. ***) Dlug. Hist. Polon. — unter der Regierung des Königs Casimir IV. (1434 —1492) — Georg Morschtyn, ein angesehener Edelmann, eine Jüdin Magdalena und ließ die Tochter im Glauben der Mutter erziehen. *) Die religiösen Uneinigkeiten, die die hussitischen und später Luther's Lehren in Polen hervorriefen, und die Toleranz,**) welche Sigmund I. und seine Nachfolger in den Angelegenheiten, die sich auf die Glaubenszwiste bezogen, zeigten, ermunterten die Juden gleich anderen Secten Proselyten zu machen. — Martin Bielski***), einer der bedeutendsten polnischen Historiker, berichtet, daß der Uebertritt der Christen sehr zahlreich war, und daß die Juden die Bekehrten zu ihren Glaubensbrüdern in die Türkei sandten. Den Jntriguen des Bischofs von Krakau, Peter Gamrat,7) gelang es aber, Katharina Weigel, einer durch ihre Schönheit berühmten Frau, welche zum Judenthum übergetreten war, habhaft zu werden, und sie die Todesstrafe durch Enthauptung erleiden zu lassen.-fl-) Don den ferner erfolgten Bekehrungen haben wir die des Grafen Potocki, — welcher im XVII.ff 7) Jahrh. lebte und Ger Zedek genannt wird, — hervor. *) Ibid. — **) Im Jahre 1539, — unter Sigmund I. — wurde die Presse für frei erklärt. — Die Synode von 1541 hob die Inquisition, welche während ihrer 200jahrigen Dauer sich nur eines Auto-da-fe erfreuen konnte, auf. — In dem Wahlvertrage Heinrich's von Balois war ausdrücklich Folgendes eingeschaltet: Paoem et tranquililatem inler dissidentes de Religione tencbor, et mantenebo nec ullo modo vel jurisdictione noslra, vel oniciorum nostrorum et slaluum quorumvis auctoritate quemquam offiei opprimique causa religionis permittam, nec ipse officiam nec opprimam. Und als der König bei seinem Huldigungseidc diesen Punkt übergehen wollte, trat der Kronmarschall Firley vor und rief dem Könige mit donnernder Stimme zu, si non jurabis non regnabis, und er schwor. — Die Antwort, die der König Stephan Batory den Jesuiten gab, die ihn bewegen wollten, gegen seinen Huldigungseid zu handeln, lautete: rer sum populormn non conscientiaruin. — ***) Kronika Polska. 7) Peter @amrat, ein Günstling der Königin Bona — Sigmund's I. zweiter Gemahlin — war selbst in den Augen seiner Standesgenossen ein unwürdiger Priester, Lelewel, Czacki u. A. 77) Sie wurde 1539 zu Krakau enthauptet. Biel. Bronik. -j-j-f) Ger-Zedek. Wilna 1805.

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