Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1863)
- Date
- 1863-01-20
- Page
- Seite 53 (sequence 9)
- Language
- German
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53 erschien der Rechnungsausweis des Krakauer israelitischen Frauenvereins zur Erziehung armer Waisen, der darchut, daß die Zöglinge in erfreulicher Weise zum Handwerk und zum Studium erzogen werden und deshalb zum größten Theile die israelitische Hauptschule besuchen. Die unermüdliche Vorsteherin des Vereins ist Frau Corke Goldgarb, und es ist nur Schade, daß der Verein von den Reicheren nicht genügend bedacht wird, um in größerem Umfange wirksam zu sein. Zur Bildung unserer Jugend dienen hier drei Kinderbewahranstalten, ein Mädcheninstitut, einige Privatlehrer und endlich die israelitische Hauptschule. Ob die letztere das Prädckat „israelitisch" verdient, ist nicht blos darum fraglich, well einerseits das Lehrerpersonal aus Nichtjuven besteht, sondern andererseits der jüdische Unterricht sich auf ein Minimum beschränkt, was nicht die Schuld des tüchtigen hebräischen Fachlehrers ist, sondern des provisorischen Leiters der Anstalt, der sich zu den Neuromantikern zählt, und nicht einmal dafür sorgt, daß die Schüler zum Unterrrichte Bibeln haben. Ebenso mangelhaft ist die Wirksamkeit der Schulcommission, deren Mitgliedern das Amt fast aufgedrungen ist, und die, von ihrem sonstigen Berufe allzusehr in Anspruch genommen, daffelbe gern niederlegen möchten. Holland. Nekrolog. I Amsterdam, 30. December. Am gestrigen Tage verstarb Hierselbst plötzlich der vielseitig bekannte und verdienstvolle vr. Samuel Israel Mulder im 7Osten Lebensjahre. Sein Verlust ist für unsere Glaubensgenossenschaft in den Niederlanden, namentlich in der jetzigen Zeit der Krise ein sehr schmerzlicher, da seine Erfahrung und seine unermüdliche Thätigkeit, sowie die allgemeine Achtung, die er besaß, ihm überall Einwirkung verschaffte. Seine Wirksamkeit als Schriftsteller auf dem Gebiete der Bibelübersetzung und der hebräischen Lexikographie, sowie in seiner amtlichen Stellung ab? Jnspector der israelitischen Religionsschule, als Vorsitzender der Prüfungscommission der israelitischen Lehrer, als Rector und Sekretär des israelllischen Seminariums verdient die größte Würdigung, welche auch der König durch Verleihung des niederländischen Löwenordens anerkannt hatte. Als Bürger und Famllienvater, sowie durch seine Wohlthätigkeit hat er stets die größten Tugenden bewährt. — Die Bankiers Leo Lipmann und Rosenthal haben den Stanislausorden vom Kaiser von Rußland erhalten. Da uns bis jetzt kein Beispiel bekannt ist, daß ausländische Jsraelllen russische Orden erhallen, so verdient dies wohl eine Mitthellung. Rotterdam, 1. Januar. (Privatmitth.) Folgende Erscheinung in unserer Glaubensgenossenschaft hier zu Lande (man denke: in Holland!) verdient durch Ihr ausgebrettetes Organ bekannt zu werden. Eine von der Maatschappv tot nut der Israeliten in Nederland im August 1860 eigens dazu ernannte Commission hat im Juli 1862 einen neuen Unterrichts- Plan für alle israelitischen Religionsschulen entworfen, der im Wesentlichen darin besteht: Mädchen und Knaben gleichmäßig zu unterrichten, die Schuljahre von etwa 7 bis 13 ihres Alters zu rechnen,*) die Ertheilung des Unterrichts täglich auf eine Stunde zu beschränken, an Sonn- und anderen christlichen Festtagen jedoch, da die Volksschulen alsdann nicht besucht werden, aus zwei Stunden auszudehnen und die Gegenstände des Unterrichts auf fünf zu beschränken, nämlich: 1) Hebräisch Lesen, 2) Uebersetzung der hebräischen Gebete, 3) biblische Geschichte, 4) Katechismus und 5) Jüdische Geschichte in ihrem ganzen Umfange. Und sie fügte die Bemerkung noch hinzu, daß die zwei erstgenannten Gegenstände blos alsUebergangs-Maßregel (sie!) zu hallen wären, so lange die hebräische Sprache die der Synagoge noch ist, und behauptet sie, daß der bisherige Unterricht in der hebräischen Bibel und der Grammatik heut zu Tage noch zwecklos wäre, während ihr Plan den Religionssinn zu heben bezweckt und überhaupt alle Interessen der Schule, der Schüler, der Lehrer und — der Religion befördern soll. Und in einer allgemeinen Versammlung, den 28 v. M. in Amsterdam gehalten, hat die obgenannte Maatscliappy nach sehr heftigen Debatten diesen Plan gut geheißen (!!) und beschlossen, im folgenden Jahr — vi deo placet! — in einer besonder« Zusammenkunft über die Ver- *) Und mit dem 13ten Jahre soll aller Religionsunterricht aufhoren? Also zu einer Zeit, wo der junge Mensch erst ein rechtes Berstandniß zu erhalten beginnt? Die Redaktion. 4