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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-20 · Heft 4 (20.1.1863) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 4 (20.1.1863)
Date
1863-01-20
Page
Seite 54 (sequence 10)
Language
German
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54 wirklichung dieses Planes zu delibriren. Wahrscheinlich ahnt diese Gesellschaft, daß ihr nahes Ende heranrückt, und wollte sich ein bleibendes Denkmal durch derartige Beschlüsse setzen U! Schweiz. Aarau, 5. Januar. (Privatmitth.) Die in Ihrem Leitartikel in No. 52 nach ihrer Wichtigkeit gewürdigten Handelsverträge der Schweiz mit dem Auslande haben schon früher die Aufmerksamkeit auch hier auf sich gezogen, und der Rabbiner Dr. Kayserling hat in den betreffenden Staaten die Einwirkung einflußreicher Männer hinsichtlich des unsre Glaubensgenossen interessirenden Punktes in Anspruch genommen. Die Nachrichten lauten bis jetzt sehr günstig. Der Board of Deputies in London hat am 30. v. M. in einem Meeting beschloffen, sich an Earl Ruffel deshalb zu wenden. Man bezweifelt nicht, daß dieser Vorkämpfer der Gewiffensfrecheit und der bürgerlichen Gleichstellung, welcher einst Ihnen, Herr Redacteur, als er zu dem freilich später erfolglosen Friedenscongreffe in Wien reiste, so unumwunden erllärte, niemals einem Vertrage seine Zustimmung zu geben, welcher nicht die völlige Gleichstellung aller Glaubensgenoffenschasten enthielte, ich sage, man zweifelt nicht, daß der Earl Ruffel auch diesmal als Minister der auswärtigen Angelegenheiten den Handelsvertrag mit der Schweiz durchaus nicht abschlicßen werde, wenn er irgend ein Wort der Ausschließung der Juden enthalten sollte. Aus Paris wird in bestimmtester Weise versichert, daß die Gleichstellung der Juden als conditio sine qua non aufrecht erhalten werde, und ein Gleiches wird von Seiten Belgiens zugesichert. In Holland sicht ein Ministerwechsel bevor, und vor dem Ausgange dieser Krise wird der letzte entscheidende Schritt nicht geschehen. AnS dem Aargau, 26. December. (Privatmitth.) Der projectirte „Cullurverein der Israeliten in der Schweiz" reift schnell seiner völligen Constituirung und dem Beginne seiner Thätigkeit entgegen. Er zählt bereits 126 Mitglieder, die in den nächsten Wochen zur doppelten Zahl ansteigen werden. Das Comitö hält bereits abermals eine Versammlung, hat die Statuten berachen und wird sie in der nächsten Zeit versenden. In derselben stellte Dr. Kayserling den Antrag, in Zürich eine israelitische Unterrichts- und Erziehungsanstalt zu errichten, und wurde dieser Antrag zum Beschluß erhoben. Eine solche Anstalt ist ein außerordentliches Bedürsniß und würde den schweizerischen Israeliten zum großen Heile gereichen. Bern, 23. December. (Privatmitth.) Der Handelsvertrag der Schweiz mit den Niederlanden ist bereits abgeschloffen und bedarf nur noch der Ratification. Ich theile Ihnen den ersten Artikel wörtlich mit, aus welchem Sie ersehen werden, daß irgend eine Beschränkung bezüglich der Confession nicht darin zu finden ist. Ob eine solche durch Interpretation dennoch hineingetragen werden könnte, muß die Zukunft lehren. Er lautet: Art. 1. Die beiderseitigen Bürger und Unterthanen der hohen vertragschließenden Theile werden bei ihrer Niederlassung oder während ihres längeren oder kürzeren Aufenthatts in den Staaten und Colonien des anderen Theiles vollständig und in allen Beziehungen den Angehörigen der meistbegünstigten Nation gleich gehalten in Bezug auf alles, was die Aufenthalts-Erlaubniß, die Ausübung der erlaubten Berufe, -die Steuern, die Abgaben, mit einem Worte alle, den Aufenthalt und die Niederlassung beschlagenden Bedingungen anbelangt. Italien. Auö Oberitalieu, 1. Januar. (Privatmitth.) Die Gazetla del Circondario di Casale enthält in ihrem Blatte vom 30. December die Notiz, daß die dasigen Israeliten am 28. v. M. in ihrem Gotteshause für den Seelenfrieden des in Turin am 24. v. M. dahin geschiedenen Marchese Roberto d'Azeglio eine Todtenfeier abgehallen haben. Bor dem Gebete hielt der Rabbiner eine kurze, rührende, beifällig aufgenommene Rede, worin er die settenen Tugenden des Verblichenen auseinaudersetzte, vorzüglich aber das unsterbliche Verdienst, das derselbe sich um die Israeliten Piemonts und um auch der übrigen Italiens erworben, da Roberto d'Azeglio im Jahre 1848 der eifrigste Vorkämpfer für die Emancipation der Israeliten, im Parlamente sowohl als im Rache des Königs ihre Sache mtt günstigem Erfolge vectheidigte. Roberto d'Azeglio war ein wahrhaft edler Charakter. Es muß uns doch zur Befriedigung dienen, daß ein Mann wie dieser, der

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