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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-20 · Heft 4 (20.1.1863) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 4 (20.1.1863)
Date
1863-01-20
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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50 ältere Genossen, stolz auf Jahreszahl, mich verdrängen, mich höhnen und höhnend mich bessern wollen. Laß auch dies mir zum Vortheil gereichen, denn sie wissen mancherlei, was mir fremd ist, aber ihr Dünkel laß mich nicht kränken; sie sind alt und das Alter ist nicht der Leidenschaften Meister — hoffe doch auch ich alt zu werden auf Erden vor dir Allgütiger! Schenke mir in allem Genügsamkeit, nur nicht in der großen Kunst. Laß nie den Gedanken in mir erwachen, du hast des Wissens genug, sondern verleihe mir Kräfte, Muße und Trieb, meine Kenntnisse immerdar zu erweitern und neue mir zu erwerben! Die Kunst ist groß, aber auch der Menschen Verstand dringt immer weiter. Allgütiger! duhast in deiner Gnade mich erkoren zu wachen über Leben und Tod deiner Geschöpfe. Ich schicke mich jetzt an zu meinem Berufe. Stehe mir bei in diesem großen Geschäfte, daß es ftomme, denn ohne deinen Beistand ftommt dem Menschen ja auch das Kleinste nicht. Zeitullgsuachrichteu. Deutschland. Hamburg, im Januar. iPrivatmitth.) In der diesmaligen halben Erneuerung der Bürgerschaft sind ungefähr ebenso viele Juden neu gewählt als ausgetreten waren, ich glaube sogar ein oder zwei mehr: es wird darauf hier gar nicht mehr Acht gegeben. Auch ist Dr. Wolffson, eilt Jude, auch für 1863 zum Präsidenten der Bürgerschaft erwählt. Der präsidirende Bürgermeister ist ebenfalls der Sohn jüdischer Eltern. Als er vor einigen und zwanzig Jahren zu Rath gewählt wurde, war dies ebenfalls eine unerhörte Neuerung, und einer der damaligen alten Senatoren hat deshalb bis an sein Ende nie wieder eine Rachssitzung besucht. In unserm Tempel ist eine kuriose Agitation vorgekommen. Einige Philosophinnen, die ihn seit mehr als 20 Jahren nicht besucht hatten, luden eine Anzahl Männer zu einer Versammlung zu dem Endzweck, „das religiöse Gefühl" zunächst bei ihren Kindern wieder mehr zu beleben, und namentlich den Cultus mehr zu „heben". Es war dies fteilich ein Unternchmen voll edler Dreistigkeit, und die Damen waren sehr erstaunt, keinen Einklang zu finden, da man ihnen vielmehr sagte, sie mochten vielmehr erst den Gottesdienst bisweilen besuchen und auch in ihren Familien irgend ein Zeichen von jüdischer Sabbach- oder Festfeier einführen; dagegen aber unterlassen, als einziges Festzeichen im Hause den Tannenbaum am Christabend so sehr zu cultiviren. Noch weniger Anklang fanden sie mit dem Vorschlag, den Tempelcultus auf eine Predigt mit ein paar ^Chorälen an jeden Sonntag zu reduciren. Um nicht ganz leer auseinander zu gehen, ward beschlossen, einen Plan zu einem Chklus von Abend-Vorlesungen außerhalb des Tempels auszuarbeiten, wonach aber voraussichtlich ebenfalls nichts kommen kann. So müssen denn diese Weiblein fortfahren, die Last ihres „Paria-Gefühls", dem kein prunkendes Aequivalent gegenüber steht, noch fernerhin zu tragen. — Indessen, den glimmenden Docht soll man nicht auslöschen, das eingeknickte Rohr nicht ganz durchbrechen, — vielleicht entsteht doch noch etwas Nützliches daraus oder dadurch. Der Papst scheint zu glauben, mit den Juden aus Delletri habe er die Kenntniß des ersten Buch Mosis mit eins weggesegt: wie könnte er sich sonst in seiner Neujahrsrede den argen Schnitzer mit dem Erzvater Jacob erlauben? Wo steht denn, daß der Engel den Jacob besiegt habe? Just das Gegentheil steht. Oder wollte der Papst blos andeuten: da Jacob bei dem Kampfe gelähmt worden, so werde er auch den bewußten Stiefel nicht übers Bein kriegen können? Bei diesen Papstgeschichten, bei denen dieser doch nur sein unerläßliches Handwerk übt, ist Niemandem so übel gespiett als den jüdischen, ächten und unächten Millionairen, denn wir Juden wissen zumeist, daß es keine ärgeren Heuler als — mit wenigen Ausnahmen — diese Menschenklasse, Männer und Weiber, Jünglinge und Mädchen, Ungetanste und Getaufte giebt. Was sollen diese geplagten Sterblichen nun für Miene annehmen bei solchen Vorgängen? Sich aus Seite des Papstes stellen, wie man das schaamlos genug auf Seite der alten Bourbonen thut, das geht doch nicht gut einmal wegen „was werden die Leute sagen?" Und dann, man riskirt ja bei einer etwanigen Rom-Reise an der Grenze eine gelbe Kokarde angehestet zu kriegen — und die Gesandten, die ja zu Roms personis gratis gehören müssen, die würden ihre Landsleute weder schützen können noch wollen. — Und was dann? Hier hat man sich gewundert, daß Marr's „Judenspiegel" im Auslande Aufsehen gemacht hat. Zwar ist Marr deswegen vom hiesigen demokratischen Verein

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