Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1863)
- Date
- 1863-01-13
- Page
- Seite 39 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Schweden. Stockholm, 17. December. (H. N.) Die Regierungsproposition wegen Vermählungen zwischen Christen und Juden kam heute bei der Ritterschaft und dem Adel so wie im Priester- und im Bürgerstande zur Verhandlung und wurde von Rittern und Adel mit 87 gegen 48 Stimmen und vom Bürgerstande angenommen , aber vom Priesterslande wieder zurückgesandt, welches indeß keine Folge haben kann, da der Bauernstand schon früher diese Proposition angenommen hat. Donaufürstenthümer. Bukarest, 21. December 1862. (Privatmitth.) Ich weiß nicht, wie weit Ihre Leser über die hiesigen jüdischen Verhältnisse unterrichtet sind; wenn ich nicht irre, haben sie lange nichts von hier gehört; wenn sie aber etwas gehört haben, so haben sie nicht viel Gutes gehört. Die Gemeinde war krank und wurde von Tag zu Tag kränker. Selbst der Arzt gab den Patienten auf und wollte nichts mehr mit chm zu thun haben. „Uebersteht er die Krisis, sagte er, um so besser; übersteht er sie nicht, um so schlimmer für ihn." Aber als wenn der Arzt das richtige Mittel ergriffen hätte, um den Kranken zu heilen — indem er ihn sich selbst überließ —, alsobald trat der Patient aus den Weg der Besserung, und obgleich er noch schwach ist, darf man mit Zuversicht erwarten, daß er bald gesünder werde als vorher. Doch um der Rede Sinn nicht länger dunkel zu lassen, füge ich sogleich die Erklärung hinzu: Die hiesige polnisch-jüdische Gemeinde ist seit längerer Zeit in eine orthodoxe Partei und eine auf Reformen dringende Partei getheilt. Beide Parteien — die Geschichte ist nicht neu — scheinen die Regierung mit ihren Streitigkeiten gedrangsalt zu haben, und wenn die Regierung als Schiedsrichter auch den Löwentheil erhalten hätte, so hätte sie nur des Kaisers Bart gehabt; denn um den stritten sie sich. Endlich hat die Regierung, „des langen Haders müde," erklärt, sie wolle mit den jüdischen Angelegenheiten gar nichts mehr zu thun haben und man möge zusehen, wie man allein fertig werde. Das schien der Todesstoß der Gemeinde zu sein. Die beiden öffentlichen jüdischen Anstalten, das Hospital und die jüdische Schule, die bis dahin, unter Vermittelung der Regierung, von einer Fleischtaxe, Tabelle genannt, erhalten worden waren, gingen alsobald ein, da die Gabelle nicht mehr gezahlt wurde. Da traten, auf Anregung des Herrn Flügel, einige brave Männer zusammen, unter denen Herr David Popper wegen seines Eifers rühmlich hervorgehoben zu werden verdient, und beschlossen, eine Gesellschaft zu begründen, die neben gegenseitiger Belehrung und Unterhaltung sich hauptsächlich die Hebung der jüdischen Gemeindeverhältnisse angelegen sein lassen sollte. Der glückliche Gedanke des Herrn Flügel fand eine gute Statt. Es meldete sich bald eine größere Anzahl von Männern zum Beitritt; in mehren Versammlungen wurden die Statuten berathen und beschlossen und ein Vorstand gewählt, der damit beauftragt wurde, die Autorisatton von Seiten der Regierung zu erlangen. Bei Erreichung dieses Zweckes hat das Comitö der bereitwilligen Unterstützung des Herrn Balligo de Behne, Privatsecretairs des regierenden Prinzen, sich zu erfteuen gehabt, der, für allen Fortschritt begeistert, auch für die Förderung der Cultur unter den Juden sich lebhaft interessirt. Nachdem die Genehmigung der Regierung erlangt worden war, dantte bei der ersten Versammlung in dem Gesellschaftslocale der bisherige Vorstand ab und bei der Neuwahl wurde zum Präsidenten einstimmig Herr Professor Dr. Barasch gewählt. Seitdem sind die jeden Sonntag Abend stattfindenden Vorträge zahlreich besucht worden, und es ist zu erwarten, daß die Theilnahme immer wachsen werde, indem die Redner sich beeifern werden, das Nützliche mit dem Angenehmen in allgemein verständlicher Form zu verbinden, und das Publikum seinerseits sich bemühen werde, auch wissenschaftlichen Fragen ein Interesse abzugewinnen. Noch glänzender ist schon in den wenigen Wochen die Wirksamkeit des Vereins in Bezug aus die Gemeindeangelegenheiten gewesen. Auf 'Anregung des Herrn David Popper ist eine Subscription eröffnet worden, um einen der modernen Zeit würdigen Gottesdienst mit Chorgesang und Predigt herzustellen, vorläufig in einem gemietheten Locale. Wie sehr dieser Vorschlag in allen Gemüthern Anklang fand, bewies der Eifer, mit dem schon nach wenigen Tagen eine bedeutende Summe gezeichnet war, und es ist Hoffnung, daß man schon zu Pessach den Gottesdienst in der bezeichneten Weise beginnen werde. Auch das jüdische Hospital wird hoffe? clich bald wieder in der früheren Weise seinen Segen spenden. Gleich nachdem die Gesellschaft sich constituirt hatte» 3