Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1863)
- Date
- 1863-01-13
- Page
- Seite 38 (sequence 8)
- Language
- German
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38 Stadt Zürich, dem ehemaligen Sitze einer ansehnlichen jüdischen Gemeinde, in einem jüdischen Betlocale wieder gehalten wurde. Die Predigt machte aus sämmtliche Zuhörer einen so günstigen Eindruck, daß noch an demselben Abend sämmtliche Gemeindemitglieder zusammentraten und den Beschluß faßten, alle Kräfte anzuwenden, um baldmöglichst einen Gottesacker zu erwerben und allmälig Beiträge zu einem Synagogen-Bau zu sammeln. Es erfolgten hierauf sofort einige ansehnliche Zeichnungen. Möchte der Eifer, der sich in dieser Versammlung auf so lobenswerthe Weise zeigte, sich zum Wohle der Gemeinde rege erhallen. — Neuschatel, im December. (Privatmitth. » Was Sie vor Kurzem bemerllen, daß in der Schweiz im Gegensatz von Deutschland die Gleichstellung der Juden in allen bürgerlichen Beziehungen noch immer auf Widerstand stößt, während die Männer der Wisienschast, wenn auch jüdischer Confession, gern befördert werden, hat sich auch hier bewährt, indem der Kanton eine Professur der Astronomie gestiftet und dem Herrn Dr. Adolph Hirsch anvertraut hat, der als Director der hiesigen neuen Sternwarte sich schon so wesentliche Verdienste, namentlich auch um die Uhrenindustrie des Kantons, erworben hat. Aarau, Ende December. (Privatmitth.) Der „Cultur-Verein der Israeliten in der Schweiz", der vor 14 Tagen die ersten Aufforderungen versandte, macht guten Fortgang. Er hat bereits 100 Mitglieder gewonnen, die jährlich 10 Frcs. Beitrag zahlen, man hofft auf eine recht starke Becheiligung. Gern hätte man ihn „C.-D. der schweizerischen Israeliten" genannt, allein sehr viele Mitglieder sind solche, die ihr deutsches und französisches Nationale nicht aufgegeben haben, während aus der Mitte der eigentlichen schweizerischen Israeliten bei deren Culturstande wenig energische Bethciligung zu erwarten steht. — Uebrigens haben die letzten Vorgänge das Gute gehabt, daß sie über die polittsche Reife oder Unreife in großen Theilen des Schweizervolkes volles Licht gegeben, und daß einsichtsvolle Männer deshalb erkannten, daß für die gute Sache noch viel zu chun übrig bleibt. Sehr tüchttge Kräfte aus christlichen Kreisen haben beschloffen, für die Emancipation der Juden durch die Preffe unermüdlich zu wirken. Bern, 21. December. (M. Z.) Ich glaube vor einiger Zell bemerkt zu haben, daß die Frage des Handelsvertragsabschlusses mit Frankreich leicht den Bund dazu bringen könnte, die Lösung der Judenfrage zur Hand zu nehmen. Wie ich heute aus guter Quelle vernehme, hat die französische Regierung bereits zu erkennen gegeben, daß dieser Vertrag nur unter der conditio sine qua non der vollständigen Emancipation der Juden in der ganzen Schweiz zum Abschluß kommen könne. Wir dürsten einer Initiative des Bundes in dieser Angelegenheit daher näher sein, als man allgemein zu denken glaubt, die Abneigung einzelner Cantone gegen die Jsraeltten ist aber zu groß, als daß man ein baldiges befriedigendes Resultat hoffen kann. — (Was die Forderung der ftanzösischen Regierung betrifft, so wird sie sich eben auf die völlige Reciprocität ohne Unterschied der Confession beziehen. Red. d. A. Z. d. Jud.) Frankreich. Paris, 29. December. Die Academie des Sciences hat demLector an der Universität zuBreSlau, B. Cohn, einen Preis an der Monthhon'schen Stiftung zuertheilt. — Der durch sein Plaidoyer für die päpstliche Herrschaft leider bekannte I. Cohen hat ein Schreiben an das israelitische Consistorium gerichtet, welches die Arch. isr. mittheilen, und in welchem er um seine Demission als Mitglied des Confistoriums bittet, da die Differenzen zwischen ihm und seinen Glaubensgenoffen zu groß geworden. Glückliche Reise! Italien. Rom, 21. December. Nach den öffentlichen Blättern hat der Papst bei der Audienz des neuen französischen Gesandten, des Fürsten de la Toure d'Auvergne, als dieser Reform im Innern verlangte, geantwortet: „Sie werden selbst scheu, daß ich Vieles gechan habe und doch verleumdet worden bin. Es ist nicht unsere Art, mit dem Guten, was wir vollbringen, groß zu thun; aber rechnen Sie darauf, daß ich Ihnen helfen werde und alles geschchen wird, was geschehen kann." Nun, daß der Papst hinsichtlich des Raubes des jungen Mottara und der Vettreibung der Juden aus Velletri verleumdet worden, wird er selbst nicht bchaupten wollen. Diese Thatsachen gchören vielmchr zu dem „Allem, was geschchen kann."