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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-13 · Heft 3 (13.1.1863) · p. Seite 32

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 3 (13.1.1863)
Date
1863-01-13
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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32 H brauch gefunden.*) So war die Autorität der Rabbiueu immer uur theils die allgemeine Verehrung des theologischen Wissens, theils im Besondern an die Person gebunden. Es waren nur sehr geringfügige Vorrechte, welche der Rabbiner genoß, und seine Stellung war stets von dem Vorstande der Gemeinde abhängig. Daß das Amt zu aller Zeit mit kargem Einkommen versehen war, ist bekannt. Die Triebfeder, ein solches zu erlangen, bestand daher zu aller Zeit vorzugsweise im innern Motive. An dem Maßstabe dieser Charakterzeichnung, welche schwerlich Jemand der Uebertreibung beschuldigen wird, könueu die gegenwärtigen Rabbinen ihr Vorgehen und Wirken selbst beurtheileu. Aber nicht zu verkennen sist, daß sich ihre Stellung und Verhältnisse in der Neuzeit gar sehr verändert haben. Betrachten wir dies heute mehr von der äußeren Seite. Es sind hier zwei Punkte hervorzuheben, das Einkommen und die Abhängigkeit. Längst weiß man, daß der größte Theil des allgemeinen Beamtenthums gewissermaßen zum Proletarierstande gehört, der darum noch beklagenswerther als der eigentliche Proletarier ist, weil er sein mißliches Verhältuiß verhüllen muß, und die Standesehre und die Ansprüche au seine äußere Erscheinung ihm die schwersten Pflichten auferlegen. Entbehrung und Sorge, Kümmerlichkeit und Hunger müssen hier noch eine Art seiner Hülle um sich tragen, welche zu erhalten die größten Opfer auferlegt. Die Bedürfnisse jeder Familie, namentlich auch für die Erziehung der Kinder sind ungemein gestiegen. Der Preis aller Maaren hat sich verdoppelt und verdreifacht, während die Gehalte hierin nur sehr langsam Nachfolgen. Alles dies findet auch bei dem Rabbinerstande statt, und mit sehr wenigen Ausnahmen ist das Salair eines Rabbinen nur so groß, wie das eines tüchtigen Commis, jedenfalls für eine Familie weit unter dem Auskömmlichen. Man weist dabei gewöhnlich auf die Nebeneinküuste hin, und überschätzt diese in fast lächerlichem Maße. Die Rabbinen sind hierbei schlimmer als die Lehrer daran, weil an jene zugleich der Anspruch erhoben wird und werden muß, auch in der äußeren Erscheinung eine anständige, der Gemeinde würdige Reprä- *) Wir wünschten wohl, daß einmal ein tüchtiger Gelehrter eine Geschichte des 2"in seines Ursprunges, seiner Entwickelung, seiner Formen und Anwendung, so weit sie sich irgendwie eruiren läßt, aufertigte. Das „Inst. z. F. d. isr. Lit." würde eine solche Arbeit, sei es als selbstständige Schrift, sei es im Jahrbuch, gern annehme«. seutatioa zu bieten. Dies macht auch einen wesentliche» Unterschied in der Stellung der früheren und jetzigen Rabbinen aus. Wie es die ftühere Zeit und Lage mit sich brachte, ward eine solche Forderung an die Rabbiuen gar nicht gestellt, und die Häuslichkeit derselben, wie sie auch beschaffen war, war von gar keiner Bedeutung. Jetzt aber soll der Rabbiner Einheimische uud Fremde, wenn auch durchaus nicht in glänzender, doch in sehr anständiger Weise bei sich empfangen können, und diese äußere Convenienz ist es ja, was den jetzigen Menschen überhaupt so viele Mühsale macht. Erwägen wir dabei, daß gegenwärtig die Anforderungen der Gemeinden an die Fähigkeiten der Rabbinen ungemein gesteigert sind, daß sie für ihre kleinen Gehalte nicht blos tüchtiges rabbiuisches Wissen, sondern umfassende profane Gelehrsamkeit, eine vorzügliche Rednergabe, pädagogische Qualisication und einen gewissen Grad von weltmännischer Bildung beanspruchen, daß zu aller dieser Eigenschaften Erwerbung ein langer Studiengang, der nicht mehr blos auf Kosten der Wohlthätigkeit, sondern durch eigene Mittel zu durchlaufen ist, erfordert wird: so leuchtet das Mißverhältuiß einem Jeden ein. Und dies in einer Zeit, wo sich alles Wissen so leicht anderweitig verwerthen läßt. Jedermann weiß, daß bei der großen Zersplitterung die Gemeinden zur größten Mehrheit nur eine Leine Zahl von Mitgliedern, namentlich von koutributionsfähigeu befassen, daß eine Seelenzahl von mehr als 1000 schon selten ist, und daß es daher schon große Opfer kostet, um die gegenwärtigen Gemeivdeetats aufzubringe». Wir haben deshalb immer darauf hiagewiesen, daß es wesentlich darauf ankommt, die Beamtenzahl möglichst zu verringern und die einzelnen Functionen weniger» Beamten zu übertragen, um deren Gehalte steigern zu können. In der That ist es nicht ein Uebermaß an Arbeit und Mühe, worüber sich die Rabbiner, Religionslehrer, Vorbeter zu beklagen haben, und man kann ihnen dreist davon mehr auftragen, wenn ihre Einkünfte erhöht werden. Rabbiner und erster Religionslehrer, Vorbeter und zweiter Religionslehrer müssen daher immer, auch in den verhältnißmäßig größer« Gemeinden, identisch sein, und das Küster-, Gemeindeboteu- und Schächteramt in einer Person kumuliren. Abgesehen hiervon werden die Gemeinden für die Zukunft sich auf größere Geldopfer gefaßt machen müssen. Der zweite Punkt ist die Abhängigkeit. Hierin stehen in der Regel die Rabbinen den allgemeinen Beamten bei Weitem nach und den eigentlichen Proletarier«

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