Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-06 · Heft 2 (6.1.1863) · p. Seite 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 2 (6.1.1863)
Date
1863-01-06
Page
Seite 26 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226364-3226367--20914-3300774
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

monatliches Ziel; dagegen ist der Vorstand zur Aufnahme von verzinslichen Capitalien nicht weiter bis zur Höhe von 300 Thaler ermächtigt. Zum zinsfreien Fonds gehören außer Schenkungen, Legaten rc. die Eintrittsgelder und monatlichen Beiträge, welche erftere gegenwärtig auf 1 Thaler, und letztere als Minimum auf 1 Silbergroschen wöchentlich festgesetzt sind. Eintrittsgeld und Beitrag werden als Einlagen betrachtet und jeden Mitglied auf sein Conto gutgeschrieben. Sonach besitzt der Verein bereits zinsfreies Capital und verzinsliches ist demselben bei der großen Sicherheit, welche er gewährt, ebenfalls schon offerirt. Wenngleich der Verein augenblicklich nur über geringe Mittel zu verfügen hat und seiner Wirksamkeit nur enge Grenzen gezogen sind, so ist derselbe nichts destoweniger der Hoffnung, daß seine Wirksamkeit im Laufe der Zeit durch Hinzutritt noch mehrerer Gemeinde-Mitglieder und vorzüglich durch Vergrößerung seiner verzinslichen Fonds nach erfolgter und auch in Aussicht genommener Erweiterung der Statuten sich immer segensreicher entfalten und den in der Provinz bereits bestehenden ähnlichen Vereinen, wie z. B. dem musterhaften Vorschuß-Verein in Bojanowo und Rawicz gleichkommen werde. —*) Durch den freiwilligen Austritt des Herrn Michaelis Badt aus dem jüdischen Schul-Vorstande ist Seitens der königl. Regierung zu Posen eine Neuwahl des Gesammt-Vorstandes veranlaßt worden. Herr Badt hat als Schulmann von Fach bei seinem vielseitigen gründlichen Wissen und seinem lebhaften Sinn für die Ausbildung der Jugend, ungeachtet er von seinem umfangreichen Geschäfte vollständig in Anspruch genommen ist, dennoch während seiner vieljährigen Amtsdauer der Schule seine Zeit und Kraft nach Möglichkeit gewidmet und für dieselbe so manches Vortreffliche geleistet, wofür ihm die Gemeinde zu großem Dank verpflichtet ist. — Hoffen wir, daß auch der neue Vorstand von gleichem Eifer für das Wohl der Schule beseelt sein und dasselbe in bester Harmonie mit unfern lieben wackern Lehrern fördern möge! *) Wenn wir hier über diesen Darlehns- und Vorschußverein so ausführlich berichten lassen, so geschieht es, weil wir diese Art von Wohlthätigkeirs-Anstalt ganz besonders hochachten, und, durch die Erfahrung von ihrer segensreichen Wirksamkeit überzeugt, immermehr verbreitet wünschen. Die Redaction. An Stelle des nach Tiegenhof gegangenen Lehrers Herr Kaufmann hat die hiesige Schule in der Person des Herrn Grünfeld eine tüchtige Lehrkraft gewonnen. Derselbe erfüllt seine schwierigen Berufspflichten mit Wärme, leitet auch den Gesangunterricht und wird ihm dafür die vollkommenste Zufriedenheit Seitens der Gemeinde zu Theil. Die am vorigen Sch'mini-Azereth vom Herrn Rabbiner Di-. Tobias Cohn zu Potsdam gehaltene Predigt: „Der Mensch gleicht dem Baume", welche in mehreren Exemplaren hier gelesen worden, hat sich in den betreffenden Kreisen eines ungetheilten Beifalls zu erfreuen gehabt. Frankreich. Paris, im December. (Privatmitth.) In einem bemerkenswerthen Artikel äußerten Sie jüngst, daß sich Frankreich als das Land der allgemeinen Gleichheit, England als das der persönlichen Freiheit charakterisire. Ich habe nichts hiergegen einzuwenden; aber wird man dadurch nicht zu einer Vergleichung beider Länder wie von selbst ausgefordert? Die allgemeine Gleichheit an sich ist nur eine sehr einseitige Erscheinung. In dem Reiche des Schah von Persien ist auch allgemeine Gleichheit vorhanden und wenn dieser Herrscher heute aus einem Sclaven einen Großvezier, und morgen aus einem Großvezier einen Sclaven machen kann, so ist das Zeugniß für die allgemeine Gleichheit unter und vor seinem Scepter genug, aber auch Zeugniß dafür, daß die Gleichheit ohne die persönliche Frecheit, unter, welcher ich aber auch alle Freiheiten, wie Religionsfteiheit, Preßfreiheit rc. verstehe, nichts bedeutet, und daß die gesellschaftliche Ungleichheit nichts bedeutet, wenn sie im Verein mit der persönlichen Freiheit besteht. Darum ist es auch, daß ich die französischen Zustände trotz der gerühmten Gleichheit mit sehr trüben Ahnungen anschaue, weil ich in ihnen überall die Principlosigkeit und die Sittenlosigkeit gewahre. Sie wissen, daß ich mit solchem Ausspruch nicht die zahllosen Beispiele von Character und Sitte, die im Einzelnen vorhanden sind, hinwegleugne, wohl aber das Allgemeine und seine Beschaffenheit, die staatlichen und gesellschaftlichen Verhältniffe im großen Ganzen treffen und bezeichnen wM. Als den großen Gradmesser, den ich hierbei anlege, betrachte ich als echter Jude das Familienleben, das eheliche Verhältniß, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.