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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-06 · Heft 2 (6.1.1863) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 2 (6.1.1863)
Date
1863-01-06
Page
Seite 27 (sequence 13)
Language
German
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27 Erziehung der Kinder, und wenn ich in diesen den frivolsten Geist, die liederlichste Ansicht allgemein herrschen, wenn ich die Kinder von der Mutterbrust losgerissen und aus das Land gebracht, den Knaben schon in das wüste Treiben der Unsittlichkeit eingeweiht, die Jugend in den Höhlen des Lasters heimisch, die Ehe als die dürre Frucht der Entnervung und der Spekulation handhaben sehe, um nicht noch weiter in der Schilderung der häuslichen Zustände mich zu versenken, dann ist mir der Verfall des Volkes gewiß und die öffentlichen Zustände, in welchen das Haschen nach Rang und Reichthum, die Bestechlichkeit und Habgier überall obwalten, kein Räthsel mehr. Kriegerische Tapferkeit und militärischer Ruhm sind keine Gegenbeweise. Die Römer hatten noch lange Zeit die tapfersten Legionen und errangen an den Grenzen der civilisirten Welt die größten Siege, als die Casaren ihre Pferde zu Senatoren machten, Erbschleicherei, Denunziantenwesen, der ungeheuerlichste Luxus und die schmählichste Sittenverderbniß in Rom herrschten. Freilich ist dieser Lauf der Dinge nicht durch das Wort aufzuhalten, aber es ist doch gut, wenn die Illusionen zerstreut werden, damit Niemand das Heil da suche, wo nur das Unheil wohnt. Ich kann es nicht begreifen, wie Deutsche in Frankreich und der französischen Natton die glorreichen Vorkämpfer der Cultur und ihrer großen Prinzipien erblicken und rühmen können, und verächtlich auf die Fehler des deutschen Volkes herabblickten, die ich nicht leugne, die aber vor der Tüchtigkeit und den mannig faltigen Vorzügen des deutschen Stammes noch immer weit zurückweichen. Ich kann es noch weniger von Juden begreifen, die doch gerade das eigentliche Lebens Moment des Judenthums, die Familie hier so gänzlich untergraben finden müßten. Und selbst in äußerlicher Beziehung ist die Stellung der Juden in Frankreich bei allem Glanze, den die kaute ünance um sich wirft, durchaus keine ganz gesicherte. Wenn das Regiment der Kaiserin Eugenie, das schon so fühlbar ist, noch mehr erstarkt, und dadurch die Klerikalen zur vollen Herrschaft gelangen, so wird man erstaunen, was in Frankreich noch Alles möglich ist. Dann erst wird es sichtbar werden, was der Judenheit durch die Börsenfürsten für Nachtheil zugefügt worden, und was die Schwindeleien der Mirös und Consorten für Haß, und ihr theilweiser Erfolg für Neid erregt haben. Wir Alle werden das zu büßen haben, was jene verschuldeten. Der Besuch des Kaisers bei Herrn von Roch schild trägt seinen Theil auch dazu bei, die Eifersucht zu erregen. Seit Franz l. hat kein französischer Monarch einen Privatmann mit seinem Besuche beehrt; man setzt hier polittsche Motive voraus, welche dann nicht blos auf den Glanz, sondern auch auf die politische Machtstellung des großen Bankhauses ein besonderes Licht werfen. Man berechnet den Aufwand, den dieser Besuch von einigen Stunden kostet, auf rund 1 Million Frcs. und zieht daraus in die Augen fallende Schlüsse. Wir können unserer Glaubensgenossenschast zu allem diesem nicht gratuliren, denn es nützt ihr gar nichts — nicht einmal die Vertreibung der armen Juden aus Velletri kann es verhindern — und schadet ihr unendlich, denn er ruft die unheimlichsten Leidenschaften gegen sie auf, die doch gar keinen Antheil daran hat. Nordamerika. Baltimore, November. (Sinai.) Abraham Rice, vor einem halben Jahr von der Llohdstreet-Gemeinde dahier zum Rabbinen erwählt, hat plötzlich das Zeitliche gesegnet. Seine letztwillige Verfügung in Betreff seiner Beerdigung zeugt von kabbalistischer Schwärmerei. Doch muß anerkannt werden, daß der Entschlummerte zu der, namentlich in Amerika so seltenen Classe von ehrlichen Orthodoxen gehörte. Das altgläubige System war ihm nicht etwas künstlich Angeeignetes, sondern mit Geist und Leben innig verwachsen. Die Gemeinde hat sich gegen die Wittwe sehr edel benommen, indem sie derselben für das laufende Jahr den vollen Besoldungsbetrag und für die ganze Lebensdauer alljährlich 300 Doll, zusicherte. Anzeigen. Für die an der hiesigen jüdischen Stadtschule zum Istcn Januar 1863 vacant werdende Lehrerstelle wird ein geprüfter Lehrer gesucht. Der Gehalt beträgt 200 Thlr. baar und freie Wohnung nebst Heizungsmaterial. Meldungen unter Beifügung der Zeugnisse sind an den Unterzeichneten Vorstand zu richten. Märkisch Friedland, den 1. Deccmbcr 1562. Der Vorstand der jüdischen Stadtschule. Es wird für die hiesige israelitische Gemeinde ein unverheiratheter Lehrer und Cantor gesucht. Reflectanten mögen sich bald an Unterzeichneten wenden. Uedem bei Cleve. Devrres, Vorsteher.

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