Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1863)
- Date
- 1863-01-06
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
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19 Sache sehr einfach und schreibt sich aus viel älterer Zeit her, da dasselbe Gutachten eine Entscheidung des R. Meier aus Rothenburg anführt, in welcher von der Steuer zu einem riirrin rna die Rede ist. Die Gemeinden sorgten nämlich nicht für ein „Tanzhaus", sondern Let.Ii Chittenuth, für ein Gemeindelocal, in welchem Hochzeiten ausgerichtet wurden, da der Einzelne selten ein Local hatte, das sich dazu eignete. Das war ein nothwendiges Bedürfniß, da man damals nicht wie heute sich einen Saal in irgend einem Hotel miethen konnte, das verbot das sociale oder vielmehr das ungesellige Verhältniß. Da nun bei Hochzeiten auch getanzt wird, so nannte man es bei den Nichtjuden „Tanzhaus". Wenn, wie dort angegeben, ein Rabbiner Hochmeister, und ein Schochet Stecher hieß, so konnte auch ein Saal für Hochzeiten m:nn rra Tanzsaal heißen. Dresden. Dr. Landau, Oberrabb. Wir hatten jüngst Gelegenheit, das große Oratorium: „Die Zerstörung Jerusalems" von Ferdinand Hiller, zu welchem der Text bekanntlich von Stein - heim meist aus Schriftstellen verfaßt ist, aufführen zu hören und zwar in einer sehr beftiedigenden Weise. Die Compofition, wenn auch nicht an die Meisterwerke Haydn's, Handel's, Schneidens in dieser Gattung reichend, auch nirgends neue Bahnen eröffnend, ist dennoch höchst anerkennenswerth, und in manchen Nummern, z. B. in dem Duett: „O, war' mein Haupt eine Wasserquelle", im Chor der Israeliten: „Wir ziehen gebeugt, das Joch auf unserm Nacken", vorzüglich. Eine Bemerkung drängte sich uns auf, daß gerade dieser ungeheure Stoff des großen nationalen Ereignisses diejenigen jüdischen Künstler, welche sich desselben bemächtigen, nicht dermaßen zu begeistern vermochten, um in ihnen irgendwie den nationalen Character und damit de» eigenthümlichen Lebensmittelpunct des Factums znm Ausdruck zu bringen. Wenn man von Bendemann's „Trauernden Juden in Babel" und seinem „Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem" bei aller Anerkennung dieser Meisterwerke doch hervorgehoben hat, daß die in diesen Gemälden erscheinenden weiblichen Personen Gärtnermädchen von Düsseldorf wären, sodaß das nationale Kolorit gar nicht verwendet worden, so kann man dies auch auf Hiller's Compofition anwenden, und es ist ihm gelungen, seine Musik so originell zu gestalten, daß sie nicht ebenso gut auf den Fall von Memphis oder Saragossa passen könnte. Ein charakteristischer Anklang an die „Lieder von Zion", welche die Gefangenen in Babel ihren Herren vorzuspielen verweigerten, ist nicht zu finden. Es ist daher eigenthümlich, daß während die Opermelodien von Meyerbeer oft genug an die alten Synagogenmelodien erinnern, gerade im Oratorium, wo es viel mehr am Platze wäre, alles Charakteristische fehlt. Es muthet Einen sonderbar an, den Propheten Jeremias seine Mahnungen und Verheißungen mit dem alten Textworte in modernem Recitativ, so schön dies an vielen Stellen auch ist, abstngen zu hören, und damit mit irgend einer Opernperson auf irgend einer Linie stehen zu sehen. Und nun noch Eins. Als Hiller dieses Oratorium componirte war er Jude. Mit welchem Gefühle muß er aber jetzt die Worte in den ersten Recitativ der „Hanna" anhören: „Wie Viele sind abgefallen von der Lehre der Väter!" Literarischer Wochenbericht. Bonn, 28. December. Die israelitische Bibelanstalt. Der Satz und die Stereotypie der deutschen Uebersetzung der ganzen Bibel geht rasch vor sich und hat nur noch die 12 kleinen Propheten und einige kleinere Bücher der Hagiographen (s'mns) zu vollenden, was bis Ostern geschehen sein wird. Unterdeß gehr der Absatz der bis jetzt fertigen Theile, nämlich der hebräischen und deutschen Pentateuchs ohne und mit den Haphtoroth, sowie der ganzen hebräischen Bibel rasch vor sich und bringt diese ersten Erzeugnisse unserer Bibelanstalt bis in die entferntesten Gegenden der Welt. Sobald die deutsche Bibel ganz vollendet sein wird, soll eine ausführliche Rechnungsablage in diesem Blatte veröffentlicht werden. — Bonn, 28.December. Das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. Der Druck der diesjährigen Schriften geht rasch vorwärts. Tie über die diesjährigen Schriften früher gegebene Notiz muß aber dahin berichtigt werden, daß es dem Herrn Ur. Geiger durch unvorhergesehene Abhaltungen unmöglich war, das Manuscript seines Gabirol zu vollenden, weshalb diese geschätzte Arbeit für diesmal Zurückbleiben mußte. Dagegen hat Herr Dr. Leop. Stein in Frankfurt a. M. ein Drama geliefert, welches wohl allgemeines Interesse beanspruchen wird, und hat sich Dr. Philippson entschlossen, den fünften Band seines