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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-06 · Heft 2 (6.1.1863) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 2 (6.1.1863)
Date
1863-01-06
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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18 den Süddeutschlands, das Woof wie o, das Aijin aber wie e prononciren (?), sprechen die Juden des Continents (?), namentlich die in Polen, Ungarn und dem größten Theile von Deutschland heimischen (?), das Woof wie au aus, bedienen sich statt des Aijin meistentheils des Jud und sagen so z. B. Lau, Loschaun, Keifel, Heichel et cet., während es bei Jenen Lo, Loschon, Kefel, Hechel heißt. Diese Divergenz, die sich überhaupt auch in Deutschland nur wenig vorfindet, da der (sie) polnische Idiom hier der vorherrschende ist — und er ist es auch in meinem Wörterbuche —, ist indessen nicht so groß, daß in Ansehung der jüdischen Kochemer-Sprache die Verständigung dadurch gehindert und somit der Nutzen meiner Arbeit beeinträchtigt werden könnte." „Solche Dinge substituirt Thiele für alles Das, was er mit so unerhörter Kritik und mit seinem eiteln „Mole schibbuschim" au Grolman und deffen Vorgängern getadelt und zu Boden gerissen hat! Selbst bei der Kritik des über alles Maß von ihm getadelten von Train giebt er noch größere Blößen als dieser selbst. S. 212, Note **, verbessert er den bei von Train richtig mit „Erzbösewicht" aufgefaßten Jodel rösche (?o-) rns) mit „großer Herr" (tssn biir), negirt also das sehr stark gebrauchte gvdel Rosche. Ebenso einseitig corrigirt er bei von Train Fiesel, Knabe, mit „Aufseher, Schließet, ohne die prägnante Bedeutung des Fiesel zu kennen. „Sieht man uun auf die Masse der Bocabeln selbst, deren Thiele nicht weniger als 2718 aufführt, so muß man auch hier die Feigen von den Disteln lesen. Man muß jedenfalls Thiele darin Gerechtigkeit und Anerkennung widerfahren lassen, daß er aus der Löwenthal'schen Untersuchung selbst eine nicht unbeträchtliche Menge bis dahin noch nicht gesammelter origineller Bocabeln zusammenbrachte und sogar meistens mit glücklichem logischen Verstandniß erläuterte. Darin hat Thiele wirkliches Verdienst. Freilich ist er aber auch bei seinem Mangel an linguistischem Geschick und Wissen, wie schon oben gezeigt ist, oft recht unglücklich, und gerade da am meisten, wo er ganz unpassend mit Ausdrücken hervortritt, welche das religiöse, gelehrte und ethische Leben des Judenthums angehen und gar nicht in ein Wörterbuch der Gaunersprache gehören. So z. B. führt Thiele, der doch die bekannte Vocabel Godel Rosche nicht kennt, den Rasche (falsch für Raschi, Rabbi Salomo Ben Isaak, vgl. ■»•cS, Th. III, S. 331, den berühmten Commentator der Bibel und des Talmud) als „Uebersetzung der fünf Bücher Moses" an, obschon der Raschi (wie auch die Mischna) am allerwenigsten ins Gaunerthum hineiugehört und auch nicht einmal bei Selig erwähnt wird. Die Erläuterung vieler jüdischer religiöser Gebräuche und Ausdrucksformen, wie z. B. Chalize, Kiddusch, Mitzwo, Tnai, Tnoimschreiben, Pidjeni ben u. s. w., welche ohnehin nicht einmal erschöpfend und richtig erklärt sind, ist für den Zweck eines Gaunerwörterbuchs überflüssig. Alle diese Ausdrucke, sowie eine Menge anderer aus dem bürgerlichen und häuslichen Leben der Juden hat Thiele auch nicht aus Gaunermunde geschöpft, sondern aus Selig's trockenen und dürftigen Erläuterungen abgeschrieben und seinem Gaunerwörterbuche eiuverleibt, wohin sie nur vereinzelt und auch nur insoweit gehören, als sie eine bestimmte Beziehung zur Gaunerkunst haben, oder, wie z. B. Challe, Challe backen, mit gezwungener bildlicher Bedeutung auf eine specielle gaunerische Thätigkeit oder Situation übertragen sind. Wesentlich durch diese ungehörige Häufung von jüdisch-deutschen Bezeichnungen aus dem jüdischen Leben und durch ihre gewaltsame Hiuüberziehung in die Gaunersprache hat Thiele diese mit dem Jüdisch-Deutschen identificirt, deu Charakter und Zweck beider Ausdrucksformen verwirrt und leider auch die sittliche Geltung des Judenthums überhaupt stark und übel afficirt. Sondert mau nun mit ruhigem Maßstabe der Kritik jene Menge von Ausdrücken aus der Wortmasse bei Thiele ab, so erhält man als Residuum eia Gaunerwörterbuch, welches durchaus nicht starker mit Judendeutsch verfärbt ist, als alle vor Thiele erschienenen und die deutsche Gaunersprache abhandeluden Gaunerwörterbücher, bei welchen ebensowenig die Rede ist von einer specifisch jüdischen Gaunersprache, als von einem specifisch jüdischen Gaunerthum. So kann man denn Thiele immerhin einen wenn auch nicht ausgezeichneten, doch anerkenneuswerthen Bocabelnsammler nennen, dessen Lese allerdings Beachtung verdient, aber aus den dargestellten Rücksichten doch auch stete Vorsicht bei der Benutzung erfordert." Zerstreute Seiner Kimgen. In No. 48 des „Jüd. Bolksbl." wird erwähnt, daß, nach der „Geschichte der Juden in Worms" von Dr. G. Wolf, im I. 1557 die Rede von einem jüdischen „Tanzhaus" ist. Auch Herr Rabbiner Oppenheim, gewiß ein sehr achtenswerther Gelehrter, spricht sich in No. 48 dieser Zeitung darüber aus und erwähnt das Gutachten No. 7 von R. Juda Münz. In der That aber ist die

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