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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-06 · Heft 2 (6.1.1863) · p. Seite 17

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 2 (6.1.1863)
Date
1863-01-06
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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17 Stelle die Nabbinen auf, jener engherzigen Jsolirung zu entsagen, sich gegenseitig im besten Sinne die Hand zu reichen und dem Judenthume, den Gemeinden und sich selbst die wichtigen Vortheile einer größeren Gemeinsamkeit zu verschaffen. Der jüdisch-deutsche Dialect vom culturhistorischen Standpunkte. (Schluß.) „Obgleich Thiele dem Selig die blindeste Folge leistet, wie man das gleich auf den ersten Blick schon an der durchgreifenden niedersächsischen Diphthongirung der Vocale und an der kümmerlichen logischen Erklärung erkennt, so kommen dennoch die ärgsten Fehler vor. So hat Selig S. 152 unter dem Stammwort bbn, balal, er hat untergemengt, die Ableitung b^ba, blil, Futter, Viehfutter, Thiele giebt aber S. 235 Blill, mit Futter, Uuterfutter! Aus Mansch (Moach, ma), Mark, Gehirn, creirt Thiele S. 277 „Marach, das Mark oder Marks". Anstatt unmittelbar von N2>2, patach, possach, wird S. 291 das Wort Pessiche von mrrn2, pessichos, gezogene Schwerter (Psalm 55, B. 22», abgeleitet, welches Selig S. 261 mit dem Rococoausdruck „ausgezuckte Schwerter" übersetzt; diese alte Zuckung erschien Thiele wohl bedenklich, weshalb er denn „ausgezackte Schwerdter" (Flammberger?) daraus gemacht hat. Obwohl Thiele ferner bei Selig S. 173 hargenen und haureg sein fand, so hat er doch nur das einfache hargenen (S. 256) ausgenommen, dagegen aber ohne Umstände (S. 257) der Rotwelschen Grammatik oder Grolman den argen Druckfehler H o n e ch, mit der einseitigen llebersetzung „ein von seinen Kameraden (?) besonders wegen Derraths (?) ermordeter Spitzbube" (?) nachgeschrieden und in alphabetischer Folge, die keine Entschuldigung mit einem Druckfehler zuläßt, zwischen Hon und H o n z ch e eingeschaltet. Das unzähligemal im Judenmunde gebrauchte äonten (vgl. Tendlau a. a. O. Nr. 444, 465, 540, 604, 673, 754, 814, 817, 818, 982), von 212 21-, jom tob, Festtag, giebt Thiele mit dem verfärbten Äontisf, nimmt es, so wichtig wie lächerlich falsch, für den Plural cts-» jomini towim, und übersetzt dies Jontiff mit: „die jüdischen Feiertage. Gruß: gut Jontiff, gute Feiertage". „Mag man nun in der Einleitung bei Thiele, S. 199, Z. 14 und 15, die Behauptung, daß „die hebräische und jüdisch-deutsche Sprache bekanntlich (?) überall dieselbe sei" (?), für eine Flüchtigkeit nehmen, obschon man stutzig werden muß, wenn Thiele bei der unerhörten Kritik Grolman's (S. 206 und S. 219 wiederholt) „die hebräisch-deutsche Sprache der Juden" mit dem „Loschaun ha kaudisch" identificirt, so sieht man doch schon an den gerügten Fehlern, daß Thiele nicht einmal die hebräischen Quadratlettern, geschweige denn die deutschrabbinischen Buchstaben kannte und somit durchaus nicht zum competenten Kritiker über das Judendeutsch bei Grolman und seinen Vorgängern sich aufwerfen durfte. Die kümmerlichen Aphorismen, welche Thiele aus Selig's Handbuch über „Wortton" und Aussprache giebt, sind desto auffälliger. Von der Aussprache der Consonnauten sagt er gar nichts. Nur über das n, welches gerade gar nicht in jüdisch-deutschen, sondern nur in rein hebräischen Wörtern vorkommt (vgl. Th. Hl, S. 272), läßt er sich (S. 221) so aus: „Der Idiotismus der Juden- und jüdischen Kochemer-Sprache verlangt, wie in der hebräischen, chaldäischen und selbst arabischen Sprache, eine harte, besondere Aussprache des Ch, wie sich solche fast nur praktisch versinnlichen läßt. Es ist ein halb Hauch-, halb Gurgelton, schwächer als K und stärker als G, gleichsam als wenn man im Deutschen Kch zusammen aussprechen wollte. Ohne die richtige Accentuation dieses Buchstaben wird man einem Juden meisteutheils unverständlich bleiben"!! Richtig ist übrigens (S. 220), daß im Judendeutschen die Vocale in den Endsilben ohne Unterschied meistens nur leicht und flüchtig wie ein kurzes e ausgesprochen werden, namentlich wenn die Penultima betont ist. Doch werden keineswegs die Vocale, „wenn sie in der Mitte des Worts stehen, fast ganz verschluckt" (S. 220) , da sonst vom ganzen prägnanten Bocalismus nicht viel übrig bleiben würde. Auch diphthongirt ja Thiele selbst nach Selig geradezu die betonten Vocale, im entschiedensten Gegensätze zu dieser seiner Theorie, z. B. (S. 220): Brand, grauß, gait, für Brod, groß, geht u. s. w. Eine geographische, ethnographische und linguistische Merkwürdigkeit bildet aber der Schluß (S. 221) , wo man kaum feinen Augen trauen mag, wenn man buchstäblich liest: „Bemerken muß ich schließlich noch, daß zwar im Allgemeinen die Sprache der Juden fast in der ganzen Welt dieselbe ist, daß jedoch rücksichtlich der Aussprache einiger Vocale auch unter ihnen einige Verschiedenheit stattfindet. Das ist besonders bezüglich deS Woof und Aijin der Fall. Während nämlich die Huden des Occideuts (?), und auch vielleicht in einigen Gegeu- 2*

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