Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 jetzigen Allein-Dirigenten des Vereins, den Herrn Ritterguts-Besitzer Lob, im Namen Vieler, den dringenden Wunsch zu äußern, eine Zusammenkunft von einsichtsvollen Männern aus beiden Provinzen baldmöglichst veranstalten zu wollen, um über die Angelegenheiten des Vereines sich zu besprechen und die noch bestehenden Mängel so viel als möglich zu beseitigen. Manche Klagen über einseitige Verwaltung, Placirung der ausgebildeten Lehrer u. s. w. wurden von verschiedenen Seiten schon öfters erhoben, besonders seitdem der umsichtige Geist und die liebevolle Fürsorge des edlen Gründers und Pflegers, durch dessen Krankheit sich nicht mehr in dem Grade, wie früher seiner Stiftung annehmen konnte. Aus Hochachtung für diesen großen und edeln Mann ließ man, so lange dieser noch beim Leben war, Alles auf sich beruhen; jetzt aber werden, auch bei aller Anerkennung der Verdienste des Herrn Löb um den Verein, diese Tadel sich leider geltend machen. Es müßten vor Allem noch einsichtsvolle Männer gewählt werden, um sich mit ihm an der Verwaltung zu becheiligen. Auch wäre es an der Zeit mit aller Energie dahin zu wirken, daß der Verein Corporations-Rechte erhielte, und dem Schullehrer- Seminar die Rechte der christlichen vom Staate znerkannt würden. Da ich schon während 21 Jahren für die Interessen des Vereines nach Kräften wirke, so darf ich voraussetzen, daß dieser mein Vorschlag als ein wohlwollender ausgenommen und auch berücksichtigt werden wird. I. Kahn, Oberrabbiner. Trier, 12. December. (Privatmitth.) Aus manchem anscheinend nur äußerlich Kleinem läßt sich häufig auf den chm innewohnenden oder es hervorgerufenen höheren Geist schließen. Dieser Satz findet Anwendung auf einen neuen Beschluß unseres hiesigen Stadtrathes, den die „Trier'sche Volks-Zeitung" in Nr. 286 auf folgende Weise mittheilt: „Trier, den 5. „December. In der Stadt-Verordneten-Sitzung vom „7. August e. war beschlossen worden, diejenigen Stra- „ßen in- und außerhalb Trier, welche in der, in den „Jahren 1851—52 vorgenommenen neuen Numme- „ration noch keine Namen erhalten hatten, einer feier- „lichen Taufe durch Anbringung von Sttaßenschildern „zu unterwerfen, und ist dieser Akt auch im Verlaufe „der verflossenen Woche ins Werk gesetzt worden. Die „von der Metzelftraße nach dem Zuckerberg führende „Straße welche ftüher „Zippelgasse" genannt wurde, „ist mit dem prachtvollen Namen „An der Syna- „goge" benannt worden." — Dieser Beschluß und dessen Ausführung entsprechen so ganz dem humanen Geiste unseres Stadttaches und der hiesigen christlichen Bürger, den diese besonders durch chre bedeutende Beisteuer zum Baue unserer neuen Synagoge und erwiesene Theilnahme bei Einwechung derselben so großmüthig bewährt haben. Früher, und auch jetzt noch in manchen Städten, wußte und weiß man nur von „Judengassen", „Judenplatz" und „Judenschule". Hier in unserem lieben Trier exiftitt zwar auch noch ein „Judenplatz", in dem aber seit Menschen Gedenken kein Jude wohnte. I. Kahn, Oöerrabbiner. Rußland. Berditschew, 30. November. (Privatmitth.) Am 30. October (11. November) d. I. wurde von der Ebreer-Gemeinde Berdyczew's die Einwechung des aus eigenen Mitteln neu erworbenen Locals zu einem Hospitale gefeiett. Diese zwar große aber nicht reiche Gemeinde hat durch den Erwerb dieses Locales wieder gezeigt, daß guter Wille, Gemeinsinn und Ausdauer für eine Gott gefällige Handlung große Kraft haben und sicher zum Vorgesetzten Ziele führen. Denn eine beinahe 2vjährige Sammlung nur einer halben Kopek von jedem Pfunde Koscher-Fleisch reichte nicht nur aus, die armen Kranken mit allem Nöchigen bis jetzt zu versorgen, sondern es wurde noch dadurch die Summe von 110,000 R. S. erspart, wodurch das Ueberführen der hilfsbedürftigen Kranken der untersten Klasse aus einem hölzernen, baufälligen, höchst ungeräumigen und unsaubern Hause in einen buchstäblich fürstlichen Palast ermöglicht wurde! Die Gemeinde Berdyczew's hat nämlich für 65,000 R. S. den seit einigen Jahren unbewohnten Palast mtt 3 dazu gehörigen Nebengebäuden des Fürsten Radziwil und noch ein danebenstehendes hübsches steinernes Haus mit 2 Nebengebäuden zu diesem Zwecke angekauft. Alle diese Gebäude stehen fast in der Mttte eines 86,460 Quadrat-Arschin großen Raumes mit der Fronte in der schönsten und geräumigsten Straße; eine große Wiese mit englischem Gatten ziert nach Süden die Fronte dieser Gebäude und ein Fruchtgatten hinter denselben hindett dem Nordwinde freien Zutritt, das Ganze liegt auf trocknem erhobenen Boden im gesundesten und geräumigsten