Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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sein Wörterbuch erkennt man, was ihn zu seiner Ausstellung brachte. Ihm war Gottfried Selig's Handbuch der jüdisch - deutschen Sprache in die Hände gerathen, und dies Handbuch, in welchem charakteristisch auch noch die Aussprache der mit deutsch -rabbinischen Lettern gegebenen vielen jüdisch-Leutseben Bocabeln mit lateinischen Lettern in niedersächsischem Dialect beigedruckt ist, ward sein Orakel. Er war auch hier eitel und literarisch unaufrichtig genug, diese seine Hauptquelle ganz zu verschweigen. Das Judendeutsch war noch niemals grammatisch bearbeitet und noch niemals den von Thiele „zunächst mit seinem Buche bewidmeten Criminal- und Polizeibeamten" genauer bekannt geworden; die überwiegend größte Zahl der Löwenthal'schen Jnquisiteu bestand aus Juden, welche sämmtlich das Judendeutsch gründlich kannten und als gewöhnliche jüdische Bolksumgangssprache kennen mußten: es war leicht zu wagen, unter dem Glanz und Credit der großartigen Löwenthal'schen Untersuchung das aus Selig's jüdischem Handbuch ohne Kenntniß, ohne Wahl und Kritik, mit allen vielen Sprach-, Vcrständniß- und Druckfehlern Zusammengelesene den Unkundigen als Gaunersprache zu geben, der zusammcngeleseneu Masse den Schein der Offenbarung aus dem Munde der Jnquisiten zu verleihen und somit auch das eitle Dogma eines specifisch jüdischen Gaunerthums auszustellen. „So gespreizt Thiele auch über Grolman und seine Vorgänger urtheilt, so breit er sich macht, um sich das Ansehen von Kenntniß und Befähigung zur kritischen Beurtheilung der jüdisch-deutschen Sprache zu geben: so bestimmt geht aus seinem ganzen Werke hervor, daß er nicht einmal die hebräischen Buchstaben (Quadratschrift), geschweige denn die deutsch-rabbinischen der jüdisch-deutschen Sprache gekannt hat, obwohl er hier und da in Noten quadratschriftliche Lettern mit großer Ostentation gebraucht. Völlig unnützer Weise setzt er in der alphabetischen Anordnung seines Wörterbuchs neben den deutschen Buchstaben der Ueberschrift auch noch den entsprechenden quadratschriftlichen, z. B.: A (a. s.), B (n.j. Bei F fehlt aber schon die entsprechende Labialaspirata t, bei H steht n, neben O steht a, neben Ss n und ohne das hier vorzüglich einschlagende 2. U und B sind ohne den Buchstaben 1, dagegen ist W mit 1 versehen. Mag man auch einige dieser Übeln Blößen als Druckfehler gelten laßen, so muß man doch diese ganze unnütze Herbeiziehung hebräischer Buchstaben bei dem überall bis auf wenige Noten nnr mit deutschen Lettern gegebenen und erläuterten Wörterbuche für ein Werk bloßer prunksüchtiger Eitelkeit halten. Viel schlimmer sieht es nun im Wörterbuch selbst aus, in welchem Thiele hier und da mit dem Scheine hebräischer Sprachkenntniß zum Nachweis der Abstammung hebräische Wörter ausführt, welche fast alle lächerlich falsch und sinnlos sind. So giebt Thiele S. 223 z-nrr, Achor, für ->nrr; S. 230 zwNi aa baa, Bal-massa-umattan, für baa ",ri72i rraa; ebendaselbst ->pnap, M i l ch 0 m 0 , sür nanba; S. 244 an, Dei, der Verstand, das Wißen, für naa, deoli; S. 267 rrrix ■’ba, Kleiumness, Handwerkszeug, für maaiN ^ba, kle umonos; S. 270 den Ungeheuern Galimatias a^a ba cpa (soroph jajin schel bum!), Becher voll gebrannten Weins, welches Thiele zur Erläuterung von Koss schel jajin ssoref (rpa ■p'1 ba 21a) giebt. S. 272 liest Thiele, Note **, aus i:b, lonen, für uns, heraus. Mit Wichtigkeit erklärt er dabei, daß in Lamden (pjnb) „die Aussprache des m aber so hart sei, als ob ein b dahinter stände". S. 273 wird Lech et luli mit ab^anb (vgl. ■'b na’1 an) erläutert. S. 292 steht -prrns anstatt nna; S. 293 'c'pra sür a^pra, was wohl nur Druckfehler ist; ebenso S. 299 pa? für ptT, wobei jedoch die ganze Etymologie falsch ist, da Srikenen von pna' herkommt. Aehnliche Druckfehler sind: nba für naa (S. 307) und naran für naian (S. 312) u. s. w. (Schluß folgt.) Zeituugsnachrichten. Deutschland. Augsburg, 16. December. (Privatmitth.) Das Interesse, welches Ihr geschätztes Blatt allen bemerkenswerthen Vorkommnissen, unsere Glaubensgenossen betreffend, widmet, läßt es gewiß gerechtfertigt erscheinen, von einem Acte besonderer Auszeichnung Mittheilung zu machen, welche unserm Mitbürger Herrn Carl Obermayr, amerikanischer Consul dahier, jüngster Tage zu Theil geworden ist. Derselbe, zwar schon länger mit einer hohen militärischen Charge bei der Landwehr betraut, wurde auf Vorschlag des gesammten Officiercorps des hiesigen Landwehrregiments — in welchem nebenbei bemerkt, noch 3 Israeliten Officiere sind —, von Sr. Majestät dem Könige zum Obersten des Regiments ernannt, eine Ernennung, welche die hiesige Postzeitung (ein äußerst ultramontanes Blatt) mit folgenden Worten begrüßt: „Augsburg, 6. December.