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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-01 · Heft 1 (1.1.1863) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 1 (1.1.1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 schichte ihrer seit Anfang dieses Jahrhunderts erfolgreich gewesenen Thätigkeit zu zehren anfing. „Die mit der Haussuchung bei dem jüdischen Handelsmann Moses Levin Löwenthal am 22. Jan. 1831 in Berlin beginnende großartige Gauneruntersuchung, über deren hohe Tüchtigkeit und Bedeutsamkeit bereits in der Geschichte und Literatur des Gaunerthums (Th. l, S. 114 und 284) gesprochen ist, ließ keine weitere Täuschung darüber zu, daß es trotz der schwer und blutig errungenen Siege doch noch keine Sicherheit gab. Diese höchst merkwürdige, auch in der deutschen Culturgcschichte eine sehr bedeutsame Stellung einnehmende Untersuchung öffnete den Blick wieder überallhin und bot dem in derselben als Criminalactuar fungirenden A. F. Thiele, welcher eine Geschichte dieser Untersuchung zurüstete, ein Material, wie es seit langen Jahren Niemand zur Hand gegeben war. Thiele gab das bereits beurtheilte Werk: „Die jüdischen Gauner in Deutschland" u. s. w. heraus und fügte endlich, nach langjährigem Stillstand der Gaunerlinguistik, dem ersten Theile seines Werks, S. 193—221, eine Abhandlung über „Die jüdische Gauner- oder Kochemer-Sprache" hinzu, welchem von S. 222 —328 ein „Wörterbuch der jüdischen Gauner-Sprache" angehängt ist. „Das überaus reiche Material, welches Thiele zu Gebote stand, seine eigene directe, wenn auch untergeordnete Betheiligung bei der Untersuchung selbst, der Vorschub, welcher ihm von den höchsten Justizbehörden geleistet wurde, sowie das bereits in ver Literatur vorhandene linguistische Material hätten Thiele in den Stand setzen müssen, das Ausgezeichnetste und Reichhaltigste zu liefern, was jemals über die Gaunersprache entdeckt und geschrieben werden konnte, namentlich wenn auch Thiele, von dem tiefen, ernsten Geiste der vortrefflich geführten Untersuchung ergriffen, sich dahin hatte bewegen lasten, ernstliche historische und sprachliche Studien zu machen und mit der ruhigen, würdigen Weise gründlicher deutscher Wistenschaft und kritischer Forschung die ganze reiche Untersuchung zu durchdringen, wozu die unzähligen interestanten Züge und Situationen im vollsten Maße Stoff und Anlaß boten. Leider findet man diese Erwartungen getäuscht; ja bei genauer Kritik kommt man aus das Resultat, daß Thiele, trotz seiner bis zur Verwegenheit gespreizten Kritik, in tiefster Unwissenheit besangen und es mit seiner ganzen Gaunerlinguistik sogar noch viel schwächer bestellt ist, als mit den Werken, welche er mit so unwürdiger wie flacher Kritik abgefertigt hat. So höchst unerquicklich es ist, Thiele's Arbeit einer Kritik zu unterziehen, so unerläßlich ist diese Kritik, da Thiele, unter dem Glan; der großartigen Untersuchung hervortretend, nach langjährigem Stillstand der Gaunerlinguistik, die vorher geleisteten tüchtigen Arbeiten fast gänzlich negirt, dafür sein specifisches „jüdisches Gaunerthum" mit seiner „jüdischen Gauner- oder Kochemer-Sprache" statuirt und dadurch der klaren und unbefangenen Anschauung des Gaunerthums mit seiner Sprache ungemeinen Nachtheil gebracht hat. Es gilt, die Bodenlosigkeit und Haltlosigkeit der Arbeit nachzuweisen, damit unbeirrt wieder aus dem bis zu Grolman eingeschlagenen und neuerlich von Pott, „Zigeuner", II, 1—43, in sehr schätzbarer Weise angedeuteten Wege vorgegangen werde. „Es kommt zunächst darauf an, den sprachwissenschaftlichen Boden zu untersuchen, auf welchen Thiele sich mit so großem Gepränge gestellt hat. Er theilt S. 196 die deutsche Gaunersprache ein in die „Rothwälsche und in die eigentliche Jenische- oder Kochemer- Sprache". Was Thiele unter „Rothwälsch" versteht, zeigt er gleich darauf, indem er die von Schottelius.- „Teutsche Haupt-Sprache,!ib. V, tract. V, S. 1265— 67, in ganz zufälliger und argloser Weise „rothwelsche Sprach" benannte, „unteutsch klingende Nebensprecherei", welche bereits Th. III, Cap. 40, als der dem Gaunerthum stets fremd gebliebene Galimatias erörtert ist, ohne Angabe dieser Quelle wieder abdrucken ließ und als „in der deutschen Spitzbubenwelt früher wohl sehr gangbare Sprache" promulgirte. Ueber die Grundlosigkeit und Flachheit dieser unerhörten Behauptung braucht zu den a. a. O. über den GalimatiaS bereits gemachten Erörterungen hier nichts weiter gesagt zu werden. „Die „Jenische Sprache" bringt Thiele S. 199 „wieder in zwei Hauptabtheilungen, wie sie nämlich 1) von den jüdischen und 2) von den Gaunern christlicher Abkunst gesprochen wird". Thiele giebt weder von der einen noch von der andern irgend eine Definition oder Charakteristik, sondern sagt nur flachweg, daß „ebenso, wie durch die Art und Weise ihrer Verbrechen, so auch durch ihre Diebesterminologicn die jüdischen Gauner sich wesentlich von ihren christlichen Betriebsgenossen unterschieden!" Thiele statuirt also ein specifisch jüdisches Gaunerthum. Wie grundfalsch diese unerhörte Aufstellung ist, das beweist die ganze bisherige Darstellung der Geschichte, Literatur, Kunst und Sprache des Gaunerthums. Aber Thiele selbst konnte nicht ernstlich an sein specifisch jüdisches Gauncrthum glauben. Aus den ersten Blick in

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