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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-01 · Heft 1 (1.1.1863) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 1 (1.1.1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Zahl der beitragenden Lehrer sein würde, die Leistungender Kaffe um so geringer sein könnten, da dann die Zahl der Berechtigten und Beanspruchenden um so mehr wächst. Die Kaffe kann also nur gedeihen, wenn ihr recht viele Geschenke und Beiträge von Nichtlehrern zukommen, um den Capitalfond und damit dessen Zinsertrag ansehnlich zu erhöhen und durch laufende Beitrage die Unterstützungsmittel zu vergrößern. Wir erachten dies für eine Pflicht der Gemeinden dieser beiden Provinzen und der einzelnen begüterten Personen. Jedermann trage sein Scherflein dazu bei. Gemeinden wäre anzurathen, eine Sammlung für den Capitalfond alsbald zu veranstalten, und dann einen jährlichen Beitrag auf ihr Budget zu nehmen, was der Sache um so mehr Dauerhaftigkeit gewährt. Die Gemeinden können damit die Unterstützungsberechtigung für ihre Lehrer zur Bedingung machen; dann aber mußte ihr Beitrag jedenfalls die Summe Dessen bei Weitem übersteigen, was ein Lehrer statutenmäßig zu zahlen hat, weil sonst der Vereinskasse damit keine Erleichterung, sondern nur ein onus geboten würde. Wir fordern daher unsererseits — und zwar, wie wir ausdrücklich bemerken, aus freiwilligem Antriebe, aus inniger Werthschätzung der jungen Anstalt — hiermit auf, derselben Gunst und Unterstützung kräftigst zuzuwenden. Man wende nicht ein, daß in der neueren Zeit die Privaten immerfort zu den mannigfaltigsten Zwecken in Anspruch genommen werden. Es ist dies wahr, aber weil es wahr ist, muß es uns mit Freude und Stolz erfüllen und immer mehr anspornen. Denn ein glänzenderes Zeugniß für den in uns lebenden Gemeinsinn und eine stärkere Widerlegung des unserer Zeit vorgeworfenen Egoismus und Materialismus kann es nicht geben, als gemeinnützige Zwecke mit Opfern zu fördern. Wir erklären uns daher auch bereit, Geschenke für die genannte Bereinskasse eutgegenzunehmen und in diesem Blatte zu veröffentlichen, und eröffnen den Reigen mit — 10 Thlr. Der jüdisch-deutsche Dialecl vom culturhistorischen Standpunkte. H.*) Der Beweis, daß die Gaunersprache ein selbstständiges, eigenthümliches, aus den verschiedensten Sprach- *) No. 1. s. No. 51 v. I. elementen, sowie aus allen ftüheren und späteren deut-- schen Dialecten gemischtes Product ist, welches auch auS dem jüdisch-deutschen Dialecte bei dem Begegnen mit diesem viel Material gezogen und dieses ebenfalls in seiner Weise verarbeitet hat, daß demnach die Gaunersprache durchaus nicht jüdischen Ursprungs, sondern ein deutsches Volkserzeugniß aus dem Sumpfe der untersten Volkshefen ist, daß es weder ein jüdisches Gaunerthum, noch eine jüdische Gaunersprache giebt; dieser Beweis, welchen Avv-Lallemant als das Ergebniß seiner vorurtheilslosen, gründlichen und wissenschaftlichen Forschung und Prüfung durch den ganzen dritten und vierten Band seines Werkes („Das deutsche Gaunerthum, Brockhaus 1862") führt, ist zu wichtig für uns, als daß wir nicht noch einmal bei ihm stehen bleiben sollten. Der eigentliche Urheber der Beschuldigung, daß das Gaunerthum und die Gaunersprache specifisch jüdisch seien, war der Actuarius Thiele in Berlin. Indem nun Avö-Lallemant die Geschichte und Literatur der Bearbeitung der Gaunersprache durchgeht, kommt er natürlich auch auf das Werk Thiele's und giebt eine durchgreifende Kritik desselben. Bei dem großen Auffehen, welches die Schrift Thiele's machte, und dem bedeutenden Ansehen, das ihr beigelegt ward, wird man es daher angemessen finden, wenn wir das ganze bezügliche Capitel aus dem vierten Bande des Av6-Lallemant'schen Werkes (S. 254—263) hierherstellen, weil durch dasselbe die Schrift und Ansicht Thiele's ein für allemal abgethan sind. Wer die vielen Schmähungen kennt, welche aus Thiele's verkehrten und grundlosen Behauptungen gegen die Juden gerichtet wurden und noch werden, wird dies unsererseits durchaus gerechtfertigt finden. Herr Avö - Lallement sagt: „Die schweren Kämpfe gegen das Gaunerthum im Anfänge dieses Jahrhunderts hatten bei den vielen und großartigen Untersuchungen die Forschung nach der mit intensiver Gewalt allenthalben in den Untersuchungen hervorquellenden Gaunersprache wie eine Nothwendigkeit hervorgerufen und die linguistischen Arbeiten von Mejer, Pfister, Christensen, Falkenberg, Bischoff, Grolman u. s. w. veranlaßt. Sobald aber das Gaunerthum in seinem offenen Widerstande leidlich bekämpft schien und die massenhaften Untersuchungen allmählig nachließen, trat auch die kaum dürftig angebahnte linguistische Forschung wieder zurück und machte der breiten, platten und eiteln Epigonenliteratur Platz. In dieser findet man die ganze Indolenz, Unwissenheit und Verfahrenheit der damaligen deutschen Polizei ausgeprägt, welche hochmüthig an der Ge-

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