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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-01-01 · Heft 1 (1.1.1863) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 1 (1.1.1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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p # 2 Und die Perseveranza vom 29. November schreibt ebenfalls unterm 22. November aus Rom: „Die Thatsachen, die unter der päpstlichen Regierung vollbracht werden, scheinen geradezu von der „Vorsehung darum zugelassen zu werden, um desto verderblicher das morsche Gebäude der weltlichen Macht „zu stürzen. Die Verblendung der Pfaffen ist in der „That unerklärlich. Hören Sie dies. Seit langer Zeit „waren in Belletri und Covi, nicht weit von dort und „unter derselben Diöcese, einige israelitische Handelsleute „etablirt, welche, ihren Magazinen und ihrer Beschäfti- „gung obliegend, friedlich und den Gesetzen gehorsam „lebten. Mit einem Schlage ward vom Cardinal Mat- „tei, Bischöfe jener Stadt, ein in wenig Stunden zu „vollführender Befehl erlassen, welcher die alte Bulle „8uprewa in volle Kraft zurückrief; und da diese den „Hebräern verbietet, außerhalb des Ghetto zu wohnen, „so befahl er jenen armen Familien, unverzüglich die „Diöcese Belletri zu räumen und fich in das Ghetto „von Rom zurückzuziehen, und stürzte so jene armen „Israeliten, die seit so langer Zeit ihren Handel da- „selbst unterhielten und ruhig ihren Geschäften nachgin- „gen, ins Elend oder wenigstens in die größte Verlegenheit." Wenden wir uns von solchen schaudererregenden Verordnungen doch wieder zur lieblichen Sonne der italienischen Regierung und Gesellschaft. Hier wechseln wohl die Ministerien, vielleicht auch zu oft; allein das eine wie das andere kennt nur Rechtsgleichheit der Confessionen. Cavaliere Js. Artom ward vom nunmehrigen Minister des Aeußern in sein Privat-Cabinet als erster Secretär berufen. Als die venetianischen Emigrirten in Erfahrung brachten, daß Graf Corinaldi aus Florenz (früher einige Zeit in Venedig) zum Deputirten für eine Stadt Toskanas vorgeschlagen wurde, ließ das betreffende venetiauische Comitat einen sehr schmeichelhaften Artikel in einer Turiner Zeitung erscheinen, welcher jener Wahl mit großer Wärme das Wort redete. — So weit die Berichte. Wenn im Anfänge gesagt ist, daß die Betroffenen selbst von der Sache öffentliches Gerede so wenig wie möglich wünschen, so ist dies sehr natürlich. Was hat in der Mortarageschichte der allgemeine Widerspruch Europas und Amerikas deu Unglücklichen selbst genutzt? Nicht das Geringste, und die Klerikalen sind dadurch, wenn es möglich wäre, nur um so judengehässiger geworden. Aber es giebt noch ein höher reichendes Jntereffe, das ist das allgemeine, daß die civilisirte Welt über die Ansichten, Gesinnung und Pläne der Ultramontanen unzweideutig unterrichtet, und den Feind der Humanität ganz erkenne. Vor diesem Interesse muß jedes Andere schweigen — und kann es um so eher, da nur Kurzsichtigkeit eine Milderung und Besserung der Lage von der schweigenden Erduldung erwarten kann, während sie nur von der unnachsichtlichen Bekämpfung, wenn auch nicht alsbald, zu erwarten steht. Aeber?wei wohlthärige Institute in Rheinland -lvestphalen. Es ist in diesen Blattern wiederholt von den Zwistigkeiten die Rede gewesen, welche im Schoße des Curatoriums und Vorstandes der israelitischen Waisenaustalt zu Paderborn ausgebrochen. Ja unfern Tagen können dergleichen Vorgänge, sobald sie allgemeine Institute betreffen, der Oeffentlichkeit nicht entzogen bleiben, und, mag man dies auch in anderem Lichte betrachten, die Oeffentlichkeit bringt sie zum endlichen Austrage und erwirkt zuletzt energische Heilungsversuche, während ohne dieselbe das Gift der Zwietracht heimlich, aber desto sicherer die Wurzeln des schönen Stammes ganz und gar zerfteffeu hätte. Um so mehr fühlen wir uns gedrungen, über diese Angelegenheit noch einmal das Wort zu nehmen. Wir sind zu unserer Beftiedigung mit dem eigentlichen ea§us belli ganz unbekannt, wissen nicht, wo die Ursache der Spaltung gelegen, wenn auch die außerordentliche Leidenschaftlichkeit, in welche die Dinge gerathen sind, uns nicht unbekannt ist. Uns liegt vor Allem daran, daß dieses mit so großem Eifer und mit so schönem Erfolge begonnene Werk nicht auseinanderfalle und in seiner Entwickelung unterdrückt werde. Gerade weil die Basis der Anstalt mit kühnem Muthe etwas breit angelegt worden und daher zum Fortschreiten desto größerer Kräfte bedarf, würde schon ein Stillstand den ganzen Bestand bedrohen. Es ist daher erforderlich, daß diejenigen Hindernisse, welche jetzt vorliegen, hinweggeräumt werden. Wer das Entstehen und den Fortgang des Waisenhauses kennt, und die Aussichten zu beurtheilen weiß, die ihm etwa offenstehen, muß einräumen, daß die Vorsteherin, Fräulein Nathan, für die Anstalt nicht allein unentbehrlich war, sondern auch noch unentbehrlich ist. Sie ist ihre Schöpferin und Erhalteriu und muß darum dem Waisenhause in der nächsten Zukunft

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