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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-10 · Heft 82 (10.7.1838) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 82 (10.7.1838)
Date
1838-07-10
Page
Seite 332 (sequence 2)
Language
German
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Tages-Controle. lieber den gegenwärtigen Standpunkt in Frankfurt am Main. Vorwort der Redaction. Allerdings war es auffällig, in jüngster Zeit in mehren öffentlichen Blättern Lheils heftige Relationen über einen aufgeregten Zustand in Frankfurt am Main, theils bittere Jnvcctiven gegen Talmud und Talmudisten zu lesen. Es wurden frühere Versuche, den Talmud mit Einem Male zu beseitigen, wieder erneuert, und polemische Herausforderungen offen gestellt. Daß hierbei Faktisches zu Grunde liege, war leicht zu bemerken, und auch in vielen Briefen von dorther angedeutet. So schwer es nun ist, sich inmitten feindlich gesinnter Partheien unpartheiisch zu halten, aus denen das abstraktere Princip geistiger Einigung geschwunden — so glauben wir dies dennoch dadurch bewirken zu können, daß wir eben nur an das Faktische halten. Folgende Relation, deren Abfasser, auf Verlangen, sich nennen will, konnten wir daher nicht umhin, alsbald zu geben: machen aber besonders darauf aufmerksam, daß wir Entgegnungen, sobald sie ebenfalls auf dem Boden des Thatsachlichen bleiben, nicht allein die Aufnahme nicht verweigern, sondern sehr gern gestatten werden, damit man endlich über die wirklichen Jncidenzpunkte klar werde. Der Zweck mehrer Aufsätze Ln verschiedenen Zeitungen *) hinsichtlich reli gi öser Reibungen in hiesiger israelitischen Gemeinde ist hauptsächlich, die öffentliche Meinung, wo nicht gar unsre Hohe Regierung, irre zu leiten und da Gespenster wittern zu lassen, wo keine sind. Man glaube ja nicht, wie die meisten jener Aufsätze darzuthun sich bemühen, daß „Religionsstreitigkeiten" hier an der Tagesordnung seien! Nichts weniger. Wir haben uns unter der Aegide einer erleuchteten Regierung der vollkommensten Religionsfreiheit zu erfreuen: der s. g. Orthodoxe entbehrt; der s. g. Neologe genießt. Beide genügen nichts destoweniger allen bürgerlichen Pflichten. Derjenige Punkt aber, worüber wirklich Disharmonie der Ansichten vorherrschend ist, ist der Eultus. .Gerade weil an retrograde Schritte, oder gar an ein „Eingreifen in das -Rad der Zeit" gar nicht zu denken ist, indem das Bedürfniß einer zeitgemäßen Verbesserung allgemein und in jeder Hinsicht fühl- *) S. Leipziger Mg. Zeitung v. 4. Juni. — Hanauer Zeit, v. 13. Juni. — Frankfurter Jahrb. v. 16. Juni. Franks. Journal und Didaskalia v. 21. Juni d. I. Einsender. bar ist — deshalb geht es dem religiösen Manne hier sehr nahe, jdaß, während um uns her Alles reformirt wird^ der Eultus allein keine Veränderung erleidet und Alles, was aus denselben Bezug hat, beim Alten verbleibt. Der Zustand der beiden hiesigen Hauptsynagogen ist erbärmlich: dieselben gleichen einer verfallenen Burg und nur das Alterrhümliche gibt ihnen noch ein ehrwürdiges Ansehen. Man betrete nur die Schwelle, um sich zu überzeugen! Der Staub von 40 Jahren hat sich darin angehäuft; während dieser Zeit sind sie weder angestrichen, noch sonst eine Reparatur, deren sie so sehr bedürfen, in denselben vorgenommen worden. Die alten Mißbräuche (die wir hier nicht aufzählen wollen) werden trotz der öfteren Ermahnungen unsres ehrwürdigen Oberrabbinen Herrn Salomon Trier, welcher die Zeit und ihre Erfordernisse recht wol begreift, beibehalten und deren fortwährende Ausübung streng überwacht. Wahrhaftig! der unbarmherzigste Arzt verfährt nicht so mit einem dem Tode unrettbar preis gegebnen Kranken, wie man hier mit den beiden Synagogen verfahrt — die doch nur krank und durch Anwendung der rechten Mittel wieder genesen und noch recht lange Zeit erhalten werden können. Das fungirende Synagogen-Personal entspricht vollständig dem Zustande der Synagogen selbst. — Die hiesigen religiösen Gemeindeglieder, alle diese Mangel und die Bedürfnisse der Zeit wol einsehend, überreichten dem Vorstande bereits vor öhngefähr einem Jahre eine Petition *), worin um Erwägen obiger Umstände gebeten und Beschleunigung der Verbesserungsanstalten anempfohlen wurde. Statt dessen erwiederte der Vorstand mehre Monate darauf: er könne auf die von dem Rabbinate und der Gemeinde gewünschte Verbesserungsweise nicht eingehen; sondern verlange 'das Niederreißen der Synagogen und dieAufbauung einer Neuen nach einem erweiterten Bauplane **). Man begreift, daß diese Antwort, als gegen die erklärte Willensmeinung des Rabbinats und der Gemeinde, darauf . abzweckte, den bisherigen Zustand so immer fort bestehen zu lassen. Kurz, man hält sich an das H.sche System: nNnoiw niryt, d. i. Alles bis zum Ruin total zu vernachlässigen und alsdann erst auf die Mittel zur Verbesserung zu denken. — Mit diesem Allen noch nicht zufrieden, hat man sich auch von Seiten des Vorstandes noch Eingriffe in Privatverhältnisse erlaubt, wohin die Denuncirung zum Verbote einer theologischen Anstalt als Freischule zu *) S. Mgem. Zeit. Judenth. No. '44. 2ter Jahrgang. — ' •) Dem Vernehmen nach würde das Rabbinat auch zu dieser Maaßregel, trotzdem solche nicht füglich zu erlauben ist, seine Zustimmung gegeben haben, wenn ihm die mündlich verlangten Garantien gewährt worden wären. — Einsender.

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