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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-07-10 · Heft 82 (10.7.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 82 (10.7.1838)
Date
1838-07-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. 3ota.no. Allgemeine N». g». Zeitung -es Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit KLnigl. Sächsischer allergnadigster Conceffion.) Leipzig, den 10. Zuli 1838. Zeitungsnachrichten. Braunschweig, 25. Juni (Privatmitth.). Wie überall, so auch hier stehen Altgläubige und Humanisten sich gegenüber, und von Seilen der Gemeinde bietet das Gemälde unserer jüdisch-religiösen Zustande so wenig individuelle und genugsam markirte Züge dar, daß ich mich nicht geneigt fühle, die allbekannte Physiognomie noch einmal vorzuführcn. Nicht aber ist dies der Fall mit unsrer Geistlichkeit. Denn allenthalben, wo bisher der Uebergang von der naiven alten Sitte zu den Anforderungen der aufgewachten Neuzeit zur Sprache gekommen ist, gab es Sturm und Zwiespalt, und Deutschland hat es gesehen, wie nur zu oft beide divergirende Richtungen, durch Streit und Parleisucht verwirrt und verschoben, das Ziel verloren, von welchem sie nickt wußten, daß es für beide eins und dasselbe ist und sein muß. Daher einerseits das erneuerte und fast krampfhafte Anklammcrn an den Buchstaben der Ueberlieferung, andererseits das modische Gaukelspiel, welches seine Bekenner freilich auf acht Wochen in die Tempel lockt, aber dann verlassen ist und abstirbt, weil kein Positives, kein Ernst, keine wahre Lebenskraft eS gezeugt hat. Von diesen Erscheinungen wissen wir Gott sei Dank! nur aus den Zeitungen. Denn der genannte eben so unaufhaltsame als nothwendige Uebergang ist in unserer Gemeinde vermittelt und geebnet durch zwei Persönlichkeiten, welche wie geboren scheinen, die Stellen, welche sie einnehmen, auszufüllcn. Die erste ist unser alter, ehrwürdiger Landrabbiner, Herr Egers, ein Detter und Namensvetter seines berühmten, jetzt Hingeschiedenen, Eollegen in Posen, gleich ihm in dem Besitze eines unergründlichen Schatzes talmudischen Wissens, wie dies jedem Kenner seines geschätzten Werkes stirer et kos bekannt ist, aber auch, was jenem Heros abging, wol begreifend, daß es heutzutage dem Rabbinen alter Bildung besser steht, die Zügel schlaff als straff zu halten. Neben diesem gewiß 'hochwürdigen Vertreter der Tradition besitzen wir in der Person seines langjährigen Schülers in den rabbinischen Wissenschaften, nunmehr seines Assistenten, des Herm vr. Herzfeld, einen Mann, der im besten Sinne des Wortes die moderne Zeit repräsentier. Nicht beizuzählen jenen Männer« der Linken, die ein Judenthum von 1838 schaffen wollen, auch nicht Denen, welche, im Widerspruch mit ihrer Bildung und ihrem Bewußtsein, die Stadilität in schönen Phrasen vergöttern, auch nicht jenen „Geistern, die verneinen," die, das Alte wie das Reue vo« sich abweisend, ein hohles, nichts weniger als justes juste milieu Zusammenzimmern, wie eben eine Grille oder einseitige Anschauung es ihnen eingegcben hat, hat dieser Mann zur Norm seines Lebens sich es gemacht, die wahre, goldene Mittelstraße zu wandeln, welche er in der Bibel, in der „ganzen" Bibel (wie er auf der Kanzel und im Leben nachdrücklich und wiederholendlich sich ausdrückt) vorgezcichnet sieht. Voll dieses Geistes sind seine Predigten, von denen die zwei jüngsten kürzlich im Druck erschienen sind *) in Folge einer dringenden Aufforderung, welche mit 25 Unterschriften versehen war. Diese zwei Männer, sowol vermöge des Verhältnisses zwischen Lehrer und Schüler, als in Folge gegenseitiger Hochachtung innig verbunden und befreundet mit einander, leiten ohne Geräusch und Aufsehen, aber sicher und mit Glück die alte Zeit in eine neue, verjüngte herüber. Aber nicht nur die hiesige Gemeinde und in entfernterer Beziehung die Landgemeinden erfreuen sich dieses geistlichen Vorstandes, sondern auch diejenigen Besucher unserer Messen, welche dem Sabbatgottesdienste beiwohnen, werden gewiß den Samen des Guten und Schönen, welchen diese Männer ausstceuen, in weite Fernen tragen und, was mehr ist als dieses, das Bewußtsein mitnchmen, daß das Alte und Neue nicht immer gegen einander stehen müsse, sondern sich auch vorsinde neben einander, versöhnt mit einander, verschwistert und zu einer organischen Einheit verwachsen. Wie in die zwei ersten Festtage, so auch in die zwei ersten Sabbate jeder Messe haben unser Patriarch und unser jüngerer Vorkämpfer für Licht und Recht sich getheilt; Jener lehrt in herkömmlicher Redeweise nach rabbinischem Zuschnitt, Dieser, ausgerüstet mit allen Mitteln der Homiletik, das Eine, untheilbare, reine Judenthum, das Judenthum, welches nicht durch anderen Ausdruck und andere Worte selbst ein anderes wird, da es mehr ist, als Worte, da es Gehalt und Kern hat, und eben darum unter jeder Form dasselbe bleibt. Möge uns das Glück bcschieden fein, beide Männer noch lang« beisammen zu sehen J •) Der Antiquar Herr Löwenthal hat den Debit derselben unentgeltlich übernommen. Preis 4 ggr. Den Ertrag hak ber geehrte Redner der israelitischen Armrnkaffe überwiesen.

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