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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-12-24 · Heft 52 (24.12.1855) · p. Seite 663

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 52 (24.12.1855)
Date
1855-12-24
Page
Seite 663 (sequence 7)
Language
German
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663 Bafel machte man vor nickt geraumer Zeit Miene, das Schächten zu verbieten, waS ebenfalls auf Vorstellungen des Herrn Nordmann unterblieben ist. M. G. Dr. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, November. (Privatmitth.) Es ist eine altbekannte Sache, daß sowie die Juden in jedem renommirten Künstler, Sänger, Humoristen u. s. w. einen Inden zu suchen pflegen, ihre Mißgönner gewöhnlich Leute, die aus irgend eine abenteuerliche oder gar unrühmliche Weise dem Publikum bekannt werden, vorerst einmal zum Juden stempeln. So neulich den Prinzen Leo von Armenien. Jetzt hat wieder erst der Londoner AtlaS, dann mehrere deutsche Zeitungen von dem Jesuiten. Pater Herr- Mann erzählt, er sei der Sohn eines jüdischen Bankiers, Namens Hirsch und sei als ein ganz verlorener Suitier nach seiner Erzählung durch die Vision einer Umarmung eines schwarzen marmornen Marienbildes bekehrt worden. Herr Herrmann ist zwar ein geborener Jude und zwar ein hiesiger, allein seine Converfion ging ganz natürlich zu und wir halten ihn sür unfähig, eine Bekehrungsgeschichte obiger Art auszubringen. Sein Vater, früher Kaufmann im Manchesterwaarenfache, ist, seitdem er im Geschäft vor einigen und zwanzig Jahren Unglück hatte, Makler in nordischen Producien, wodurch er wieder zu einigem Wohlstand gelangt ist. Die Mutter lebt seit eben so langer Zeit getrennt von ihrem Manne in Paris in nicht glänzenden Verhältniffen. Der Sohn, Herrmann Cohen, jetzt Pater Herrmann, zeigte als Pianist ein ausgezeichnetes Mufikgenie, ging zuerst mit seiner Mutier nach Frankreich, und von da nach Gens, wo er Christ wurde und eine Musikdirectorstelle erhielt. Von da ging er, immer durch seine musikalische Carriere geleitet, zum KatholiciSmuS über und trat in schwärmerischer Begeisterung, deren erste Aechtheit Niemand zu bestreiten daS Recht hat, in ein Kloster als Bruder Organist. Hier entwickelte sich bei ihm eine sehr bedeutende Predigergabe, er kam nach Paris, wo er feit einigen Jahren en vogue ist, weil er, ein schöner Mann, nach feinen hinreißenden französischen Predigten jedeSmal noch das Auditorium durch fein Orgelspiel entzückte. Jesuit war er, so viel bekannt, nie, und eben so wenig Bote des ultramontanen CleruS an den König von Sardinien. Obersichdurch seineneueVocationzuverdoppelterPflichterfüllung gegen seine Mutter verpflichtet hält, davon isthiernichtS bekanntgeworden. Ich kann nicht umhin, die Juden in Jerusalem gegen Herrn Montefiore in Schutz zu nehmen. Sie haben von ihrem Standpunkt nach meiner Meinung vollkommen Recht. So wenig Herr Montefiore selbst in früheren Jahren nach Jerusalem gepilgert ist, um Geschäfte zu machen, so wenig hat er das Recht, die armen Leute dort, die ganz aus denselben Motiven dorthin kamen, zu industriellem Streben anzuhalten. Der ganze JdeenkreiS beider besagt, daß Gebete im gelobten Lande (besonders um Kindersegen) ganz besonders wirksam sind, daß die dort wohnenden Juden ganz besondere geistliche Befähigungen besitzen, daß sie Tag und Nacht für ganz Israel zu beten und Thora zu lernen haben u. f. w. Und auS diesem Standpunkt heraus darf Herr Montefiore die Leute zu nichts unterstützen als zum Beten, Lernen und Almosen nehmen; allenfalls zu kleinen Geldnegocen. Was würde ein Chaffid aus Bolhynien oder aus Marocco oder aus der Bucharei sagen, waS würde Herr Montefiore selbst früher gesagt haben, wenn er in voller asketischer Entzückung nach Jerusalem gelangt, statt Clausen und kste - Märsscb dampfsprühende Fabriken und statt mönchischer Büßer Seidenzüchter und Mechaniker dort gefunden hatte? —*) Wie schnell hat sich bestätigt, waS ich vor Kurzem über deS preußischen Obertribunals Ausspruch wegen „christlicher Ehe" sagte! Lese einmal Einer Canon 1 — l2 deS Tridentinum, welche jetzt in Oesterreich wieder in alle Kraft gefetzt find, und frage, *) Hinsichtlich der Einwanderer können wir dem geschätzten Corrcspondcnten nur beistimmcn; aber es giebt in Jerusalem eine große Anzahl Eingcborner, und auch die Jugend der cingewanderten und ansässig gewordenen Familien. Diese haben den oben geschilderten Charakter nicht, und eS wird ihnen die industrielle Be» schäftigung, die sie vor gänzlichem Müßiggänge und Armuth schützt, sicher ersprießlich sein. Sind ja so schon unter diesen viele Handwerker. Redact.

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