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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-12-10 · Heft 50 (10.12.1855) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 50 (10.12.1855)
Date
1855-12-10
Page
Seite 642 (sequence 10)
Language
German
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642 bischen Kreisen. Solche Männer verdienen eine öffentliche Anerkennung, denn sie bringen den Juden wie dem Judenthum Ehre. Die Schwerz. Lber- Eudingen, 18. November. (Privatmitth.) In seiner Sitzung vom 13. November hat der Große Rath des Cantons Aargau die vom tit. RegierungSrathe vorgeschlagene Abänderung zum Gesetze gegen die Thierquälerei, welche den Juden daS Schlachten nach ihrem Ritus erlaubt, in zweiter Berathung angenommen, somit zum Gesetze erhoben. Die gleiche Behörde hat am darauf folgenden Tage, also am 14., ebenfalls in zweiter Berathung das Gesetz vom 5. Mai 1809 als aufgehoben erklärt und somit jedes formelle H nderniß, daS im Aargau der Gleichberechtigung der Juden im Wege steht, abgeschafft. In diesen Tagen wurde auch Herr Bloch von hier alS Arzt beeidigt und parentirt, ein junger Mann, der zu vielen Hoffnungen um so eher berechtigt, alS er während seiner Studienjahre nicht unbedeutende Hin. derniffe und Schwierigkeiten zu besiegen hatte. ES ist erfreulich, zu sehen, wie die Heimathgemeinde Herrn Bloch'S Kenntnisse durch ihr Zutrauen zu würdigen weiß, waS sonst nicht immer der Fall ist und vielmehr sich bei uns Juden gar oft der Spruch bewährt: Der Prophet gilt nirgends weniger als in seinem eigenen Baterlande. Zum Berichte über daS Seminar Wettingen in Nr. 41. Ihres Blattes habe ich noch hinzuzusetzen, daß in der dasigen werthvollen Bibliothek seit Jahren Philippson's Bibelwerk zur Benutzung für jüdische Zöglinge steht. Schon längst wollte ich auch eines Mannes Erwähnung thun, der noch immer nicht zu den alltäglichen Erscheinungen gehört. Im verflossenen Sommer starb der ehrwürdige greise Geistliche des hiesigen evangelischen Kirchsprcngels, Pfarrer Sutermeister. Während einer AmtSdauer von 30 Jahren bewies er gegen die Juden ferner ganzen Umgebung eine Humanität, wie sie selten vorkommt. Er stand in weitern und engern Kreisen wegen seiner Wissenschaft, seiner hellen Ansichten und seiner ausgezeichneten Toleranz und edlen Charakters in sehr großer Achtung. Vom Judenrhum und MosarSmuS sprach er mit warmer Begeisterung und wußte er sehr wohl ihre Beziehung zum Christenthume zu würdigen. Er trug sehr viel bei zur Hebung der jüdischen Schulen, besonders des Gesangunterrichtes in denselben und manchem Staatsmann« im Aargau brachte er eine bessere Meinung von den Juden bei. Er selber gestand mir oft, daß er mit der Muttermilch gegen Juden Vorurtheile eingesogen — seine Vaterstadt ist Zofingen — und daß er erst durch spätern Umgang mit gebildeten Juden nach und nach dieselben abgelegt habe. Er äußerte einst einem seiner Collegen, der mit mir ReligionSvisputationen anknüpfen wollte: Wahrlich, Herr ... ist mir alS Jude so lieb alS wie ein Christ und ich wünschte keinen Juden zubekehren. Frankreich. Paris, im November. Die Conserenz der Großrabbinen Frankreichs in Paris ist auf daS Frühjahr verschoben. Interessant war für unS ein Artikel in Nr. 10. des Lien d’Urael, wo der sehr werthgeschätzte Redacteur, Herr Rabbiner Dreyfuß, welcher noch vor Kurzem eine Behörde in Jerusalem wollte, die entscheidende Kraft über alle daS Judenlhum betreffende Kragen habe, mir Energie und, waS noch mehr sagt. Mit großem Rechte gegen jeden etwaigen Eingriff in die jüdischen Institutionen von Setten der versammelten Großrabbinen protestirt — obgleich ein solcher gar nicht zu erwarten steht. So überzeugt daS Leben, die Wirklichkeit mehr alS jedes Wort, und stößt jede auS einseitigen Bordersätzen forcirte Meinung um. Um so eher glauben wir, daß auch die Ansicht auS seiner Zeitschrift weichen müsse, „ein jüdisches Journal müsse von einem Rabbiner redigirt werden", d. h. überhaupt die Ansicht, die Besserung der Zustände würde dadurch herbeigeführt, wenn die „Rabbinen" mehr schrieben, während eS biS jetzt die „Laren" gethan. Daß in Frankreich die Rabbmen bis jetzt sehr schweigsam waren, fällt ihnen zur Last, daß «nt aber erstaunlich viele „Laien" kennen, welche geistreicher, wärmer, eindringlicher schreiben, alS dreimal so viele „Rabbinen", wie eS denn auch sehr viele geistlose und begeisterungelose Rabbinen giebt, endlich daß im Judenrhum AUeS auf die Belebung und Theilnahme der „Laien" ankommt, und daß Nichts unglückseliger wäre, alS wenn Kenmniß

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