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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-12-10 · Heft 50 (10.12.1855) · p. Seite 643

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 50 (10.12.1855)
Date
1855-12-10
Page
Seite 643 (sequence 11)
Language
German
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643 und Interesse im Judenthume sich auf die „Rabbinen" beschränkte, braucht wohl kaum erwiesen zu werden. Frage an Herrn Dreyfuß: wie viele Meisterwerke unsrer spanischen Schule hätten wir wohl, wenn nur die „Rabbinen" geschrieben hätten? War doch MaimonideS selbst kein „Rabbiner", sondern ein — „Laie"! Großbritannien. London, im November. Die Arch. isr. de Fr. berichten Folgendes: Der gelehrte Reisende JuliuS Oppert hat so eben von anderen Gelehrten Englands einen schmeichelhaften Beweis der Anerkennung erhalten für die Thätigkeit seiner Nachforschungen und die Gelehrsamkeit, die er bei der Entzifferung der Inschriften in der Keilschrift entfaltet hat. Man weiß, daß die französische Regierung neuerdings eine wissenschaftliche Erpedition nach Babylonien geschickt hat, um die GeschichtSkunde zu erweitern und die Monumente dieser Gegenden, die man biblisch nennen kann, wieder aufzufinden. Die Engländer find nicht weniger thätig geblieben, und der Ruf deS Obristen Rawlinfon ist ein europäischer. Herr Julius Oppert, früherer Professor deS Deutschen an einer unsrer Universitäten, hat an der französischen Erpedition Theil genommen und hat in der Sitzung der britischen Gesellschaft zum Fortschritt der Wissenschaften, die zu Glasgow statt gehabt, einige ferner geographischen und historischen Resultate, zu denen er und seine Collegen gelangt sind, milgelheilr. Herr Oppert theilt mit, daß er beinahe zwei Jabre auf dem Boden Babylons zugebracht und daß er so glücklich gewesen ist, die wahre Lage Babylons übereinstimmend mit der Beschaffenheit der Landschaft und den Zahlenangaben, die uns durch die heilige Schrift, durch die griechischen Schriftsteller, den babylonischen Talmud und die Inschriften überliefert worden sind, zu finden; er hat die alten chaldäischen und assyrischen Längenmaße entdeckt, eine Entdeckung, die in der Berliner Akademie durch den berühmten Boekh feierlichst anerkannt worden ist. Der Schluß der trigonometrischen Operationen deS Herrn Oppert »st, daß Babylon einen Flächenraum von 513 Quadrar- KilometreS eingenommen; aber diese ungeheure Fläche war nicht vollständig bewohnt; in dem äußeren Umkreis, durch Nebuchadnezar gebildet, waren die weiten Strecken enthalten, die im Falle einer Belagerung die Stadt mit Getreide versorgten und sie gegen die Schrecknisse der HungerSnoth bewahrten. Türkei. AuS der Türkei, im Qctober. Der „Occident“ enthält folgende, von einem amerikanischen Misfionair empfangene Angaben. Zn Thessalonich wohnen 25,000 Juden, SereS 6000, Doivan 200, Ostrom ja 500, Jsteeb 800, Seopia 1000, Ghiustendil 1000, Sophia 3000, Dubrritza 1000, Lemakoo 800, Philipopel 1000, Tatar Bazarjik 800, Adrianopel 2000, Rodosto500, Galipoli 500, Dardanellen 300, Deren 500, Monastir 3000, Castoria 1000, Tricola 500, Larissa 1000, Smyrna 10,000, PergamoS 800, Magnesia 800, Cassoba 400, Tyra 100, Aiden 1000, Scala Nova 300, Rhodos 2000, Konstantinopel 60,000. Im Ganzen kommen 150,000 auf die Türkei, welche spanisch sprechen. In Albanien einige Tausend Juden, welche die griechische Sprache reden; in Konstantmopel giedt es auch deutsche Juden. In Aleppo wohnen einige Tausend, welche arabisch sprechen. Anzeigen. Prediger- Gesuch. Die Emanu-El-Tempelgemeinde der Stadt Ncw-Aork sucbt einen Prediger, der bei gründlicher Gelehrsamkeit ein Redner ersten Ranges sei, und seinen Predigten den Zauber deS Belehrend-Unterhaltenden, so wie das Erhebende der Andacht zu verleihen versteht. Der Gottesdienst im Tempel ist in zeitgemäßer Reform, mit Orgel und Chorbcgtcimng. Candidaren, die obgenannte Eigenschaften mit Kennrniß der englischen Sprache verbinden, würden bevorzugt. Der Gebalr ist nicht weniger als I50V pr. Tbaler pro Jahr; Aufnahme auf drei Jahre vorerst, und sodann auf längere Zeit. Die Herren |>r. Philippfon in Magdeburg und Stein in Frankfurt a. M. werden auf Anfragen nähere Auskunft erthcilcn. Copicn von Zeugnissen können gesandt werden an folgende Adresse: Herrn A. Michelbacher, Ke w-York. Für die hiesige israelitische Gemeinde soll bis zum 1. April 1856 ein Cantor und Religionslehrer. der zugleich daS Sckächteramt versieht, angestellt werden. Bei freier Wohnung und Neben-Einkünften wird ein jährli-

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