Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1855)
- Date
- 1855-12-10
- Page
- Seite 635 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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635 Allein hinsichtlich der „Plat-Form" geben sie jetzt den Text, wie er von der Conferen; wirklich angenommen worden, und der etwas von dem in voriger Nummer gegebenen, der der Antrag war, abweicht. Er lautet: „The Conference of Ihe rabbis and congregalional delegates, assembled in Cleveland, actuated by the earnesl desire to preserve the union of Israel and its religion by a mutual understanding and union, and convinced that the Organization of a Synod is the most efficienl means to allain this sacred aim, and whose legalilv and Utility is laught in the Bible, Talmud and hislory — consider it iheir duty To convene a synod, and call upon the American Jewish congregalions in an extra circular, to send their minislers and delegates to the said synod. The Conference also feels obliged to give ulterance to the following poinls on which thev unanimousty agree to be the leading priuciples of the future synods. 1) The Bible as delivered to us by »ur fathers and as now in our possession is of immediate divine origin and Ihe Standard of our religion. 2) The Talmud contains the traditional, legal and logical exposition of the biblical laws which must be expounded and practised according to the comments of the Talmud. 3) The resolutions of a Synod in accordance will) the above principles are legally valid. 4) Statutes and ordinances contrary lo ihe laws of the land are invalid.“ Wir fugen die Ueberfetzung hinzu, wie sie vom „Israelite“ selbst gegeben ist: „Die Conferen; der in Cleveland versammelten Rabbinen und Delegaten der Gemeinden, beseelt von dem ernsten Wunsche, die Einheit Israels und seiner Religion durch eine allgemeine Verständigung und Einigung zu erhalten, und überzeugt, daß das kräftigste Mittel zur Erreichung dieses heiligen Zweckes in der Berufung von Synoden bestehe, deren Gesetzlichkeit und Nützlichkeit uns Bibel, Talmud und Geschichte lehren, — sieht sich verpflichtet Solche Synoden ins Leben zu rufen, und vermöge Circularschreiben die jüdischen Gemeinden Amerikas zur Beschickung derselben durch ihre Geistlichen und Delegaten einzuladen. Sie sieht sich ferner veranlaßt, vor den Gemeinden als leitende Principien der künftigen Synoden folgende Punkte, über welche die Conferen; übereingekommen, aüszusprechen: 1) Die Bibel, wie sie unS von unfern Vätern übergeben, und jetzt in unscrm Besitze ist, ist unmittelbaren göttlichen Ursprunges und die Basis unserer Religion. 2) Ter Talmud enthält die traditionellen gesetzlichen und logischen Erpofitioncn der biblischen Gesetze, die nach der Erklärung deS Talmud erforscht und geübt werden müssen. 3) Synodalbeschlüsse in Uebereinstimmnng mit den vorstehenden Principien haben gesetzliche Gültigkeit. 4) Vorschriften und Anordnungen, die dem LandeSgesctze zuwiderlaufen, haben keine gesetzliche Kraft." Man sieht, daß die „gesetzliche Auslegung der Bibel" verwandelt worden ist in „die traditionellen gesetzlichen und logischen Erpositionen der biblischen Gesetze" (unter „logisch" sollen wohl die nach den talmudischen Regeln gefolgerten Vorschriften verstanden sein), und „verpflichtend" in „die nach der Erklärung des Talmud erforscht und geübt werden müssen" ES sind dies also noch mehr Worte, die aber noch viel mehr sagen, denn nun wird nicht allein alle Praxis deS Judenthums, sondern sogar die Forschung an den Talmud gebunden, und damit nicht allein das Judenthum an -Händen und Füßen, sondern noch an Kopf und Herz gebunden. Wir haben daher nichts weiter hinzuzufügen, als was wir in voriger Nummer schon gesagt haben. Nur die Frage: mit welcher Stirn tritt in derselben Nr. 16. der Dr. Lilienthal auf, und verlangt in einem Aussatze die Abschaffung der Chalizah?! Nein! das ist ein Hüpfen auf zwei Hüften, ein Sitzen auf zwei Stühlen, und da — fallt man zwischen beide auf den Boden! Wollten die vv. Wisc und Lilienthal die Orthodoxen dupiren? Da müssen sic ftüher aufstehen! Wollen sie die Neueren bethören? Nun, so viel Scharfsinn besitzen diese noch, um LicS falsche Spiel zu durchschauen. Wir müssen also leider! sagen, daß die Herren mit ihrer Platform — gänzlich Fiasco gemacht, daß sie sich dabei in einem zweideutigen Lichte gezeigt, welches ihrer Zukunft sehr nachtheilig sein wird. So weit hatten wir geschrieben, als uns die Post einen von Dr. Einhorn in Philadelphia ausgegangenen gedruckten Protest bringt, den wir hier wörtlich folgen 50 *