Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1855)
- Date
- 1855-12-03
- Page
- Seite 629 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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629 Dagegen aber meinte Herr Rabbiner Schreiber, daß er einen Theil der Kosten als Abzug von seinen Einkünften gern tragen will; denn die Gemeinde zu Papa wollte große Opfer bringen, um den Rabbiner zu MatteSdorf zu erlangen — und so ist die Sache noch in der Schwebe. Wir müssen Herrn Rabb. Schreiber wegen seiner Gefinnungstüchtigkeit und Charakterfestigkeit, die wir vielen jüngern Rabbinen wünschen, nur achten, obwohl wir seinen Widerwillen gegen den Almemar nicht theilen. Viele der orthodoxesten Rabbiner in Mähren, Ungarn, Böhmen und selbst der gelehrte R. Hirsch ChajeS, Minchath Kanaoth S. 7.*), haben sich für die Abschaffung des Almemar ausgesprochen und die Frage ist längst erledigt. — Aber was sagen zu dem hochweisen Vorstande zu Papa! Man wird gewiß den Almemar casfiren, denn dazu hat die Gemeinde eher Geld, als zur Dotirung einer ordentlichen Schule, wie sie eine so große und reiche Gemeinde, wie Papa, haben soll. Auch der gewiß achtungswerthe Rabbiner Schreiber wird und kann in Papa nichts wirken, da die Parteien sich zu schroff gegenüber stehen und nur der Almemar wird hergestellt werden als Erinnerung des WankelmutheS und der Parteiungen zu Papa. — Pesth, 20. November. (Privatmitth.) Unser im Bau begriffener Tempel, der unstreitig der größte in Europa sein wird, hat noch vor seiner Vollendung und innern Einrichtung zu einer bedenklichen Ge- ' meindekrifiS Veranlassung gegeben. Der Vorstand wollte nämlich, um auch der Reformpartei zu genügen, Orgel und deutsche Lieder in den künftigen Gottesdienst einführen, da diese modernen CultuSelemente in dem bestehenden kleinen Tempel bereits eine Stätte gefunden. Die Partei der Alten und Gemäßigten will aber nur unter ver Bedingung ihren Beitritt zum neuen Tempel gewähren, wenn Orgel und deutsche Lieder nicht ausgenommen werden. Dadurch fanden sich die Herren I. L. BoSkowitz und David Fleischt, die angesehensten und energischesten Mitglieder des Vorstandes, die zugleich Gemeinderäthe der Stadt Pesth find, veranlaßt, ihre Demission bei *) Auch Herr Erlandrabbiner Hirsch hat die Abschaffung des Almemar begutachtet. Ich war selbst Zeuge, als Herr Hirsch im Jahre 1849 in Triesch die wunderschön restaurirte Synagoge, wo der Almemar ca^rrt wurde, cinweihete. der Regierung, von der sie ihr Mandat als Vorsteher erhalten haben, in diesen Tagen einzureichen. ES wäre traurig, wenn nicht ein die Gesammtheit befriedigender Ausweg gefunden würde und die obgenannten Herren BoSkowitz und Fleischt bei ihrer Demission beharrten. Diese, durch Stellung und Einsicht ausgezeichneten Männer haben so viel Verdienste um unser Gemeindewesen, daß sie sehr schwer zu ersetzen sein würden, zumal sie auch bei unserer Regierung in hohem Ansehen stehen. Hoffen wir, baß die Eintracht auch bei unS eine feste Grundlage für unsere Cultusentwickelung schaffen werde. Italien. Vercelli, im November. DaS Comite der italienischen Israeliten, welches dem Dr. Philippson eine goldene Medaille prägen lassen und übersandte, hat eben solche mit paffenden Inschriften dem Sir MoseS Montefiore, dem Hause von Rothschild und dem Herrn Albert Cohn in Paris prägen lassen und übersendet, um ihre Verdienste um die orientalischen Israeliten zu feiern. DaS Nähere enthält der Läueutore isruelits, (dessen Hefte hierüber fJanuar bis Juli) unS erst gestern zugekommen. Red. d. A. Z. d. Jud.) Literarische Nachrichten. Breslau, r. November. Nicht in der Absicht, auf Ihr und des Publikums Urtheil einwirken, eben so wenig um einer Recension aus Ihrer oder einer fremden Feder vorgrcifen zu wollen, erlaube ich mir, meine so ebel? erschienene kleine Schrift über Leon da Modena*) selbst zur Anzeige zu bringen; vielmehr mochte ich gern hier Einzelnes zur Sprache bringen, was ich in der Schrift selbst übergangen habe, theils um die Obsecrivitär der historischen Haltung nicht zu beeinträchtigen, theils durch andere Umstände verhindert. — Leon da Modena gehört *) Leon da Modena, Rabbiner zu Venedig (1571 bis 1648) und seine Stellung zur Kabbalah, zum Thalmud und zum Christenthume, zugleich als Denkstein an dem ftischen Grabe Isaak Samuel Reggio's. Breslau. Kern. 64 S. 8. Hebr. Anhang: rrorr Shnb N3Li p73 173873 03> 21N1 “,573 1112N '3« ULp Tb* 7)2131 83''“H7373 rmrr 36 S. 49