Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1855)
- Date
- 1855-12-03
- Page
- Seite 628 (sequence 8)
- Language
- German
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628 dürste folgende Thatsache hier nicht am Unrechten Orte sein. Auf Anordnung deS k. k. Landes-Militaircommando wurde ich im Jahre 1853 von dem Festungs- Commando zu Josephstadt aufgefordert, wo möglich die Seelsorge der dort befindlichen israelirischen Mr- Utairsträflinge derart zu übernehmen, daß bei ihnen von Zeit zu Zeit ein Gottesdienst abgehalten und die entsprechende religiöse und sittliche Belehrung ihnen ertheilt werden könnte. Das Anerbieten der Militairbehörde wurde natürlich meinerseits auf das Bereitwilligste angenommen. Ich besuche nun seitdem drei- bis viermal des JahreS die drei Meilen von meinem Orte entfernte Festung; es wird jedesmal zu diesem Behufe eine Synagoge im Militairspitale improvisirt, wohin die Sträflinge tranSportirt werden; es wird mir überhaupt vom Festungs - Kommando jeder wünschenSwerthe Beistand geleistet, und was noch mehr ist, die Kriegskanzlei bezahlt auch meine Auslagen an Fahrgelegenheit und Diäten. — Wenn ich Ihnen nun noch sage, daß die Anzahl der israelitischen Militairsträflinge zu Josephstadt durchaus nicht bedeutend ist, daß an ein Minjan gar nicht gedacht werden kann, und, damit ich eS rund heraus sage, daß ich bei meinem ersten Erscheinen nur fünf Sträflinge getroffen, daß diese seitdem auf drei reducirt find, so daß vielleicht der Tag nicht fern ist, an dem der Gottesdienst bei den israelitischen Militairsträflingen der k. k. Festung Josephstadt aus Mangel an Publikum eingestellt werden muß, so werden Sie gewiß dem dankenSwerthen Streben der österreichischen Regierung und ihrer Behörden, die dem religiösen Bedürfnisse zweier oder dreier israelitischer Sträflinge eine solche Aufmerksamkeit zuwenden, die gerechte Anerkennung nicht versagen. — n. Die jüdischen Soldaten, welche in den Festungen Josephstadt und Königgrätz in Garnison liegen, werden auf Verlangen für die Peßach-Feiertage nach den nächsten israelitischen Gemeinden beurlaubt, wo sie immer gute Aufnahme finden. — Ein einziges Bataillon des polnischen Regiments Fürst JablonowSky Infanterie, welches in jüngster Zeit in Königgrätz stationirt war, zählt an neunzig Israeliten in seinen Reihen, worunter mehrere Unterofficiere, daher die jüdischen Gemeinden am letztverflossenen Peßachfeste auch sehr reichlich bedacht werden konnten. So bekam die Gemeinde zu Rachod 23 Mann zur Versorgung; aber Dank dem WohlthätigkeitSsinne dieser Gemeinde, hätte eS keine Schwierigkeit gefunden, auch die doppelte Anzahl unterzubringen. —-Uebrigens befindet sich innerhalb der Josephstädter Festungswerke auch eine sehr achtbare israelitische Gemeinde, die zwar nur auS drei Familien besteht, aber dennoch, mit Zuziehung zweier anderer israelitischen Familien auS dem nur eine halbe Stunde entfernten Jaromierz, eine freundliche Synagoge mit großen Auslagen in musterhafter Ordnung erhalten, wo an allen Sabbathen und Festtagen ein sehr ansprechender Gottesdienst abgehalten wird, ba-rar -,73ba ab. I. Wiesner, KreiSrabbbiner. Aus Ungarn, 14. November. lPrivatmitth.) Für heute einen kleinen Bericht über die Gemeindezustände in Papa, eine Gemeinde, die stets viel Lärm um nichts gemacht hat, eine Gemeinde, die sich nur durch rohen Parteikampf ausgezeichnet, sonst aber, wenn man einige fremde Individuen ausnimmt, an allen höhern geistigen Elementen, an Religion und Wissenschaft Mangel hat. Bei solchen Bewandtnissen, wo eS an 22b gebricht und der Kampf bloS aus Parteisucht geführt wird, da berühren sich die Gegensätze gar zu häufig, je nachdem eine oder die andere Partei das Heft in Händen hat. — Der ehrsame Gemeindevorstand in Papa geht damit um, und die Unterhandlungen durch Briefe und Deputationen werden schon lange mit Eifer gepflogen, den vacanten RabbinatSsitz mit Herrn Schreiber, Rabbiner in MatteSdorf, dem Sohne des R. MoseS Schreiber in Preßburg, zu besetzen. Herr Rabbiner Schreiber will aber diesem ehrenvollen Rufe keine Folge leisten, weil in der neuen Synagoge zu Papa kein Almemar ist und er hat die Herstellung eines AlmemarS als conditio sine qua non ausgestellt! Der Gemeinderath, der vor wenigen Jahren die Almemarfrage durch Gutachten so vieler gelehrten Rabbiner entscheiden ließ, sieht sich nun in nicht geringe Verlegenheit versetzt. Herr Schreiber erklärt, daß er seine geistlichen Functionen nicht ohne Almemar auSüben kann und der Vorstand hat in seiner letzten Gegenvorstellung ausgesprochen, daß die Herstellung mit einer völligen Umgestaltung der Synagoge, einer der schönsten und großartigsten in Oesterreich, verbunden ist, die der Gemeinde große Kosten verursachen würde.