Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1855)
- Date
- 1855-12-03
- Page
- Seite 627 (sequence 7)
- Language
- German
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627 tend machte, man müsse mich strafen, weil ich Veit, „die Zierde der Juden", angegriffen! Allerdings habe ich dem Herrn einige Wahrheiten gesagt, aber ich habe weder seinen bürgerlichen Charakter, noch gar sein häusliches Leben berührt, ich habe blos seine Neuorthodorie in Anspruch genommen, die in einem so befremdlichen Verhältnisse zu seiner Bildung und zu seiner religiösen PrariS steht, ich habe dieses vor den Augen der lesenden Welt mit ehrlicher Unterschrift gethan, indem ich den ZeitungS - Redacteuren meine Angriffe für deren Blätter zugestellr, aber ich habe meine Gegner nicht bei den Redacteuren heimlich verleumdet! Die Gerechtigkeit fordert, zu erklären, daß Veit von Natur und Herzen harmlos ist, daher viele seiner neuern Thaten nicht daS Verdienst der Originale haben, sondern fast wörtlich aus dem Pfäffischen übersetzt sind. F. Lt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 16. November. (Privatmitth.) Die officielle Wiener Zeitung brachte neulich daS Concordat. Ich mache Sie zunächst auf zwei Punkte aufmerksam. AuS §§. 7. und 8. gehet hervor, daß fämmtliche Lehrer an Gymnasien und mittleren Schulen (Ober- und Unterrealschulen), so wie an katholischen Volksschulen katholischen Glaubens sein müssen. Da wir bisher in den Kronländern bloS jüdische Volksschulen haben, die auch manchmal in Verbindung mit einer Unterrealschule sind, so gehet daraus hervor, daß die Juden von dem Lehramte an Gymnasien und Oberrealschulen gänzlich ausgeschlossen sind. „Der ganze Unterricht", heißt es, „wird dazu geeignet sein, das Gesetz deS christlichen Lebens dem Herzen einzuprägen." Ferner: „Alle Lehrer der für Katholiken bestimmten Volksschulen" (hier sowie in vielen jüdischen Gemeinden besuchen jüdische Kinder die katholischen Volksschulen) „werden der kirchlichen Beaufsichtigung unterstehen. Der Glaube und die Sittlichkeit des zum Schullehrer zu Bestellenden muß makellos sein. Wer vom rechten Pfade abirrt, wird von seiner Stelle entsetzt werden." ES ist unnöthig, daß ich auf die Consequenzen dieser Verordnungen aufmerksam mache; den hiesigen jüdischen Instituten und Lehranstalten möchte ich aber anrathen, sich zu neuer Kraft aufzuraffen, um nach innen und nach außen mehr zu leisten, als die katholischen Volksschulen, um so die Kinder jüdischer Eltern zu gewinnen, die noch immer christliche Schulen vorziehen. Das Abendblatt der „Kaiser!. Wiener Zeitung" bringt einen Artikel über das Concordat, dem ich folgenden PassuS entnehme. „In dieser rückhaltslosen Anerkennung der Rechte der katholischen Kirche liegt übrigens für alle andern religiösen Genossenschaften des Kaiserstaates eine sichere Gewähr der ihrigen. DaS RechtSgefühl, das hier vorwaltete, wird auch der Maßstab bei Regelung ihrer Verhältnisse sein und sie, welche mit anerkanntem gesetzlichen Bestände erprobt in Treue und Anhänglichkeit an das Allerhöchste Kaiserhaus den Schutz des Gesetzes und den Schirm einer unparteiischen, väterlich-weisen Regierung beanspruchen, werden in ihren Erwartungen sich nicht getäuscht finden. Die Gleichheit vor dem Gesetze, daS über Alle sich erstreckende gleiche bürgerliche Recht, die Unparteilichkeit der in entscheidenden Kreisen vorwaltenden Anschauungen, endlich die ungehemmte Feststellung ihres innern Organismus und der Schutz für dessen Bestand, giebt ihnen genügende Garantie eines ruhigen Fortbestandes in einer ungetrübten Entwickelung." Halten wir vor Allem daran, daß diese Worte zur Wahrheit werden. Der Prinz Leo von Armenien ist also kein Jude, wie die Kreuzzeitung gemeldet hat. Auch war es nicht der Lord-Mayor Salomons, der die Bilderplatten zerschlagen hat, um sich zu bereichern, wie ebenfalls die verehrliche Kreuzzeitung gemeldet hat. Wir glauben, daß GotteS Jnsiegel „die Wahrheit" sei; welches Siegel führt die Kreuzzeitung? Jüngst starb hier eine Frau und bestimmte, daß ihr kleines Vermögen — einige hundert Gulden — das sie hinterließ, dem Taubstummeninstitule zusalle. Die Bewillrgung zum Ankäufe eines Hauses in den innern Linien Wiens für dieses Institut dürfte jetzt bald herabgelangen. Es soll jetzt daS Aclenftück Sr. Majestät dem Kaiser vorgelegt werden. Nachod (Böhmen), 14. November. (Privatmitth.) Wenn eS (mit Bezug 'auf Nr. 43. d. Bl.) für die Leser Ihres Blattes von Interesse ist, zu erfahren, wie die österreichische Regierung ganz ernstlich darauf bedacht ist, die religiöse und moralische Besserung der israelitischen Sträflinge zu bewirken, so