Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1855)
- Date
- 1855-12-03
- Page
- Seite 625 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225981--14987-3300687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auf Kosten des bekannten vor zwei Jahren verstorbenen Juda Touro in New-Orleans die Apothekerkunst erlernte, in welcher er in kurzer Zeit so bedeutende Fortschritte machte, daß er sich in Galveston niederlaffen und diese Kunst auf eigene Rechnung auSüben konnte. Durch Fleiß und eine mäßige Lebensweise ersparte er sich in wenigen Jahren eine Summe von 800 Thlrn., mit welcher er nach Damaskus zurückzukehren beschloß, da er diese Summe für ausreichend hielt, sich und die Seinen mittelst derselben in seiner Heimath zu ernähren. Auf den Rath seiner Freunde tauschte er sich für die 800 Thlr. preußische Kassenscheine ein, begab sich aufs Schiff und langte auch kürzlich glücklich in Hamburg an. Von diesen Kassenscheinen bezahlte er auch seine Ueberfahrtskosten, woraus hervorgeht, daß zur Zeit weder er noch daS Schiffspersonal von einer Maßregel Kenntniß harte, die er bald zu seinem Schrecken erfahren sollte. Einer seiner früheren Bekannten theilte ihm nämlich mit, daß sich in Pyrmont das ihm früher daselbst abhanden gekommene Geld wieder gefunden habe, und er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als sich dorthin zu begeben, um dasselbe in Empfang zu nehmen, von welchem ihm jedoch nach Abziehung der von der Finderin bereits verausgabten Summe und der Kosten nur etwa der dritte Theil eingehandigt wurde. Als er aber daselbst die in Amerika eingewechselten preußischen Kassenscheine in Courant umsetzen wollte, erfuhr er zu feinem Entsetzen, daß jene Scheine bereits ungültig geworden, indem die preußische Regierung dieselben längst außer Cours gesetzt hätte. In der größten Verzweiflung kam der Mann hierher, wo er dem preußischen Gesandten empfohlen wurde, welcher auch die Freundlichkeit hatte, die von Herrn Salzmann an Se. Majestät den König von Preußen gerichtete Vorstellung zu befürworten. Es blieb diese Vorstellung jedoch ohne Erfolg, und erhielt der Bittsteller vor einigen Tagen durch die Gesandtschaft den Bescheid, daß sich Se. Majestät nicht bewogen fühle, dem Gesuche zu entsprechen. Herr Salzmann ist nun, mit Empfehlungen an die hervorragendsten Männer Berlins versehen, dahin abgereist, um an Ort und Stelle zu erwirken, was ihm hier zu erreichen nicht möglich war. Möge er in seinem Unternehmen glücklich sein'. Preußen. Berlin, im November. Die P. C. enthält Notizen über die im Jahre 1854 in Preußen gefällten TodeSurtheile. ES waren deren 46, von welchen 35 im gedachten Jahre erledigt wurden. Von diesen wurden 29 vom Könige bestätigt, 6 in lebenslängliche Zuchthausstrafe verwandelt. Nach dem Glaubensbekennrniß kamen 30 TodeSurtheile auf die evangelische, 5 auf die katholische Confession. Ist dieS für die letztere ein sehr günstiges Verhältniß, so glänzt die jüdische— durch ihre Abwesenheit. Seit vielen Jahren kam kein Todesurtheil an einem jüdischen Verbrecher in Preußen vor, obschon nach dem Zahlenverhältniß mindestens alle zwei Jahre einer Vorkommen müßte. Berlin, im November. (Privatmitth.) Wahrscheinlich wissen Sie, Herr Redacteur, kein Wort davon, haben keine Ahnung, daß Sie nahe daran waren, in die preußische Abgeordnetenkammer gewählt zu werden. Im Kempener Kreise im Großherzogthum Posen war eine Coalition von jüdischen und polnischen Wahlmännern zu Stande gekommen, die zwei Abgeordnete zu wählen gehabt, einen Vertreter des JudenthumS und einen polnischen Abgeordneten zu wählen. AlS ersterer wurden Sie aufgestellt. Man sagte sich, daß neben so vielen katholischen und evangelischen Geistlichen, die in jenem Hause sitzen, einem jüdischen wenigstens den Raum das Gesetz vergönnt und das Bedürfniß fordert. Nur daß man die Ostrowoer Wahlmänner übersehen und diese sich vorher anderweitig engagirt hatten, brachte jenen die Minderheit. (ES ist dies uns allerdings eine ganz neue und unerwartete Miltheilung. Redact.) Berlin, 21. November. (Privatmitth.) Der diesjährige Feldzug ist im schwarzen Meere, in der Ostsee und-in der Heydereutergasse beendigt. Die Opposition gegen die Reform in der Synagoge hat sich aus den Spalten der Vossischen Zeitung zurückgezogen, um sich in einer Vorstellung beim Vorstand zu concentriren, in welcher die Zurückführung der abgeschafflen Gebetstücke verlangt wird. Die Vorstellung ist von nur wenigen Namen unterzeichnet, aber es wird darin gesagt, daß noch sehr viele Mitglieder der Gemeinde bereitwillig ihre Unterschrift ge-