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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-12-03 · Heft 49 (3.12.1855) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 49 (3.12.1855)
Date
1855-12-03
Page
Seite 624 (sequence 4)
Language
German
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624 ftttt großmüthig bedacht. Die beiden Erben deS verstorbenen Baron S. v. Rothschild, Herr Baron Anselmo v. Rothschild und Frau Baronin Betty v. Rothschild sandten demselben 2000 Fl.; und Frau Baronin Charlotte Lionel v. Rothschild, Tochter deS Baron Carl v. Rothschild, 700 Fl. — Zeitige Vorsteherin deS Frauen-Comite dieses Vereins ist Frau Baronin Luise v. Rothschild in Frankfurt, welche bei jedem Anlaß ihren menschenfreundlichen Sinn auch hier bewährt. Hannover, 16. November. lPrivatmitth.)*) Am vergangenen Dienstag wurde auf dem hiesigen königlichen Hoftheater das vielbesprochene Drama: „W aldmüllerS Margret" von vr. Julius Levy von Rodenberg ausgeführt. DaS HauS war trotz des aufgehobenen Abonnements in allen Rängen gedrückt voll; auch der König, die Königin und der ganze Hof verherrlichten durch ihre Gegenwart den Abend, an welchem der junge Dichter zum ersten Mal auf der Bühne debütirte. Sogleich die wunderbar innige Ouvertüre, welche der Königlich Hannoversche Hofcapellmeifter vr. H. Marschner zu dem Werke seines Freundes geschrieben hatte, wurde mit lebhafter Freude ausgenommen, und durch diese meisterhafte Composition aufs Anmuthigste in die Dichtung selbst eingesührr, wuchs nun der Beifall von Scene zu Scene und steigerte sich wiederholt zu stürmischem Applaus und da capo. Die scenische Ausstattung war über die Maßen prachtvoll und poetisch finnig^ eine neue Decoration im zweiten Acte, „Mühle in der Waldeinsamkeit bei Sonnenuntergang", riß die Zuschauer zu der lautesten Bewunderung hin. Die besten Kräfte unsrer Hofbühne waren bei der Aufführung thätig und durch das liebevolle Zusammenwirken so bedeutender Mittel erfreute sich die an sich so einfache, naive Schöpfung eines so schönen Erfolges, daß eine Wiederholung schon am nächstfolgenden Abende bei nicht weniger gefülltem Hause stattfinden konnte. Die dritte Reprise ist für den Anfang der künftigen Woche festgesetzt und so *) Wir geben ausnahmsweise diesen Bericht, weil uns die Z e i t es zur Pflicht macht, auch unsrerseits junge Glaubensgenossen, noch dazu auf dem dornigen Pfade der Dramatik, zu fördern. Möge aber auch der junge Dichter niemals vergessen, daß er seine Kraft auch für das Zudenthum, wo und wie er kann, zu verwenden Pflicht und Beruf hat. Re da et. wird „Waldmüllers Margret" für den Winter Repertoirstück bleiben. Vornehmlich hat das Stück in den höheren und gebildeten Kreisen der Gesellschaft eine begeisterte Aufnahme gefunden und die Localpresse überhäuft den Autor mit dem wärmsten Lobe. Die Handlung selbst ist, wie gesagt, einfach, allen äußerlichen EffecteS baar, und alle Wirksamkeit der Dichtung ist rein auf den Zauber der Empfindung, des Gedankens und der Sprache gebaut. Die tragende Idee des Ganzen ist eine rein humane, die Auflösung sogar eine specifisch biblische: „Der Väter Schuld vererbt sich, doch das Kind Versöhnt mit liebender Geduld den Gott, Dcn zürnenden." Es ist der Opfermuth der Kindesliebe, durch welche der Vater von dem Fluche einer bösen Thal erlöst wird, der sich finster durch sein Leben schleppt. Das Opfer des Kindes heißt: Entsagung, Aufgeben deS Heißgeliebten, welcher durch die Macht, die das gewöhnliche Leben „Zufall" nennt, berufen ist, die Folgen jener bösen That zu sühnen. Dadurch nun, daß der Conflict der ständischen Verhältnisse hineingezogen wird, um jene glückliche Auflösung zu erschweren, gewinnt die Dichtung sowohl an dramatischer Bewegung alS auch an Beziehungen zum täglichen Leben unv humoristischen Gegensätzen. Für diesen komischen Theil erntete der Dichter namentlich den Beifall der Galerie, so daß alle Theile des Publikums aufs Beste befriedigt find. — Bon so gutem Erfolge seines ersten dramatischen Versuchs ermuntert, wird der Verfasser auf der dramatischen Laufbahn rüstig weiterschreiten und noch in diesem Winter wird ein neues Werk von ihm auf der Bühne erscheinen. — Hannover, 16. November. (Privatmitth.) Bor mehreren Jahren wurde unter anderen Blättern auch von der Allgemeinen Zeitung des JudemhumS eine Bekanntmachung der Behörde zu Pyrmont mitgetheilt, nach welcher ein gewisser Herr Ascher Salzmann auS Damaskus aufgefordert wurde, die ihm in Pyrmont abhanden gekommene Summe von 400 Thlrn, welche von einem Mädchen gefunden worden war, daselbst wieder in Empfang zu nehmen. Der Eigenthümer hatte indeß von dieser Bekanntmachung nichts erfahren, da er sich nach Amerika begeben hatte, wo er

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