Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1855)
- Date
- 1855-11-26
- Page
- Seite 618 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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618 im Allgemeinen, die Commune, dafür zu zahlen. Die Commune ihrerseits behauptete wieder, eine jüdische Schule sei CultuSangelegenheit und daher habe die CultuSgemeinde die Kosten zu bestreiten. Jetzt ist endlich die Entscheidung herabgelangt: Eine Schule ist Gemeindeangelegenheit und die Kosten derselben müssen dafür von der Commune im Allgemeinen getragen werden. Ich glaube recht unterrichtet zu sein, wenn ich Ihnen sage, daß diese Entscheidung nicht bloS für den speciellen Fall gilt. Sie ist alSPrincip aufgestellt worden. Sie ist daher von besonderer Wichtigkeit für alle Kronländer, wo die jüdischen Gemeinden bloS als CultuSgemeinden gelten und nicht in politischer Beziehung eine getrennte Verwaltung von der christlichen Gemeinde haben. Die hiesige „Bohemia" theilt in humoristischer Weise einen „Scholetkrawall" mit, der jüngst hier staltgefunden hat. Bei einer Novizin der „Scholetstellerei" ergab sich eine große Verwirrung. Doch lassen wir daS dahingestellt sein. Ich habe in diesem Aufsatze eine neue Erklärung deS Wortes „Scholet" gestruden. Es soll von dem Worte Scholton, der Herrscher, abstammen, weil der „Scholet" das herrlichste der Speisen sei. ES find also die Acten über den Scholet noch nicht geschlossen. Mir wäre jede Etymologie dieses Wortes recht, aber wo nimmt man den Magen her, um den Scholet zu vertragen? Padua, im November. (Privatmitch.) Der Herr Professor Lelio deüa Torre hat Ihr Bildniß, Herr Redacteur, der hiesigen jüdisch-theologischen Facultät zum Geschenk gemacht; das Direktorium hat dasselbe, in prächtigem Rahmen, mit Dank angenommen und in der Galerie des RabbinerinstitutS mit passender Inschrift solemniter placirt. Großbritannien. London, 10. November. Wir sind durchaus nicht gesonnen, jedem Schritte deS neuen Lord - Mayors von London in seiner Amtirung zu folgen, nur weil er ein Jude ist. Allein wo diese einen Bezug auf die Stellung der Juden und die Religionsfreiheit hat, da werden wir auch nicht verfehlen, darauf hinzudeuten. Die M. Z. hat über die AmtSeinsetzung einen Bericht, auS dem wir, wenn er auch einigen Anstrich von Ironie hat, Folgendes hervorheben. „Wir haben kürzlich schon bemerkt, daß der Lord-Mayor für 1855—56, Mr. SalomonS, eine zeitgemäße Vereinfachung seiner „KrönungS-Procession" anordnete. Die eisernen Ritter, die kunstreiterartigen Aufführungen der fünf Welttheile in Gestalt von Elephanten, Kameelen und falschen Negern, sowie andere herkömmliche Alfanzereien sind gestern vollständig weggeblieben und die dadurch erzielte Erfparniß von 2000 Lstrl. ist zur Unterstützung der Armen in der City während deS Winters bestimmt worden. (Aecht jüdisch!) Wenn die um einen Theil ihrer jährlichen Augenweide geprellte Straßenjugend den Umzug „recht schäbig und jüdisch" schimpfte, so hatten die 1000 Gäste beim Bankett in der Guild-Hall durchaus nicht über Knickerei zu klagen. — Das Thema der bürgerlichen und religiösen Freiheit wurde schon bei der Ceremonie in der Westminster-Hall behandelt, wo am Nachmittage der neue Lord-Mayor unter Glockengeläute und Kanonensalven auS der City-Barke an'S Land stieg und in Begleitung seines Vorgängers, deS Sheriffs und anderer Würdenträger der Altstadt sich den Barons of the Erchequer vorstellte. Der SyndicuS (Recorder) und nach ihm der Chief-Baron oder Präsident deS Schatzkammer-Gerichts verbreiteten sich in langen Reden über die hohe Bedeutung des TageS: welch ein Triumph eS für die erste Stadt deS Reiches sei, den seit 1535 (wo auf Lord Denman's Betreiben der erste Schritt geschah) verfochtenen Grundsatz der Religionsgleichheit zur höchsten Anerkennung, so weit die Selbstregierung der Municipalität reicht, gebracht zu haben; über die formellen Schwierigkeiten, die bei der Wahl des Mr. SalomonS zum Sheriff und später zum Alderman des EideS wegen zu überwinden waren; über die bürgerlichen Tugenden des so viele Jahrhunderte lang verfolgten jüdischen Stammes und fpeciell über die glänzenden Eigenschaften und die Verdienste des erwählten Lord- Mayors, dessen Familie seit 100 Jahren wegen deS Fleißes, der Wohlthätigkeit und deS Patriotismus ihrer Mitglieder zu den Zierden Londons gehörte. — Auch Lord John Ruffel sprach kurz, indem er seine Freude auSdrückte über diesen Triumph der von ihm stets verfochtenen Sache der bürgerlichen und religiösen Freiheit." — Schweden. Gotheuburg, im November. (Privatmitch.) Sie haben sich jüngst wiederholt darüber ausgesprochen