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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-26 · Heft 48 (26.11.1855) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 48 (26.11.1855)
Date
1855-11-26
Page
Seite 617 (sequence 9)
Language
German
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617 Z'vsws betheiligen. Wir haben selbst in einer Gemeinde, welche einen solchen auszulassen für ein rigoroses Verbrechen hält, gesehen, wie am -nsa ar> bei derartigen.Responsorien sich kaum zwei Personen betheiligten. Woher kommt dieses? wird Mancher fragen. Der Grund liegt hauptsächlich in der noch bestehenden Confistorial - Verfassung. Die Rabbinatsbezirke sind zu groß, und wurden von den Inhabern stets nur als fette Pfründen betrachtet. Deshalb hat die Rheinprovinz trotz der hohen Gehälter der Rabbinen in dem halben Jahrhundert deS Bestehens dieser Consiftorien nicht daS Geringste aufzuweisen, was auch nur eines Hellers werth sei*). Von einer regelmäßigen Rundreise und Visitation der Rabbinen ist kein Gedanke; ja, es giebt eine große Anzahl Gemeinden, welche nie eine deutsche Predigt gehört haben. Die Vereine rman, welche an vielen Orten bestehen und bei gehöriger Leitung sehr Vieles leisten könnten, haben in der Regel so miserable Statuten, daß sie der Sache fast immer mehr schaden als nützen. — Daher hatte man allenthalben große Hoffnung auf die endliche Durchführung des Gesetzes vom 23. Juli 1847 gesetzt, wo durch größere Gemeindeverbände viele dieser Mängel mit der Zeit abgeschafft werden und heilsame Institute inS Leben gerufen würden. Aber diese Hoffnung scheint noch weit hinauSgerückt zu sein, wenigstens hierorts hört man zur Zeit gar Nichts über die Realisation desselben. Möge daher der würdige Redacteur dieser Zeitung, der so oft die Initiative bei gemeinheilsamen Dingen ergriffen, auch dieses jetzt wieder thun und bei den hohen und höchsten Behörden dahin zu wirken suchen, daß doch endlich einmal eine gesetzliche Gewißheit eintrete und durch dieses leidige Provisorium nicht unser Heiligstes verkomme. © Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 1. November. (Privatmitth.) Es dürfte Sie interessiren, zu erfahren, daß Herr Josef Weiße, bisher Rabbiner in Gaya in Mähren, als Rabbiner nach Neustadt an der Waag gehet. Es ist zu bedauern, daß sich dem Manne bisher kein bedeutender Posten geboten hat. Indessen hat dies auch sein Gutes. Die *) Es versteht sich, baß wir hier nur die Bezirke Crefeld und Bonn im Auge haben. Trier liegt uns so fern, daß wir fast Nichts von dort hören oder sehen. kleinen Gemeinden brauchen ebenfalls tüchtige Leute, und in Gaya hat Herr Weiße sehr segensreich gewirkt. Wie ich höre, erheben sich gegen den neugewählten Rabbiner in Papa, Herrn Schreiber, Sohn deS sel. Preßburger Rabbiners Sopher, bisher Rabbiner in Mattersdorf, viele Stimmen in Papa. ES ist der Abstand zwischen Löw und dem Herrn Schreiber allerdings sehr groß und man erzählt, daß die Panique der Cholera diese Wahl begünstigt. Sie können also daraus entnehmen, wie wenig der Mensch weiß, was gut oder schlecht ist. Da hat die Cholera der reinsten Orthodoxie auf die Beine geholfen. Hinzufügen muß ich, daß der Mattersdorfer Rabbiner einen weit bessern Ruf selbst auf talmudischem Gebiete hat, alS sein Bruder, der jetzige Rabbiner in Preßburg. In der Knöpflmacher'schen Buchhandlung ist erschienen rma* •’nnaa -122, von Neuman und S. Cohn, in einer sechsten Auslage herausgegeben von Dr. M. Letteris. Der Herausgeber hat eine ganze Abtheilung hinzugefügt, enthaltend Briefe von Mendelssohn, Wessely, Bensew, Rappoport, Friedländer, Herz-Homberg, Lilienthal rc. rc. und dem Herausgeber. Der Name des Herausgebers so wie die Namen, die wir angeführt, bürgen für die Vorzüglichkeit. Wir wünschen dem Buche die größte Verbreitung, weil wir daran erkennen würden, daß daS Studium der hebräischen Sprache lebendig betrieben wird. Was wir gewünscht hätten, ist, daß die Auswahl etwas genauer gewesen wäre und z. B. in den Briefen von S. Cohn diejenigen, die von HeirathSanträgen handeln, weggelaffen worden wären. Ein Verdienst hat sich auch Herr Knöpflmacher erworben durch die Herausgabe eines Sidur, dem ein Chinuch hoawodoh vorgedruckt ist, worin alle gottesdienstlichen Gebräuche erklärt werden. Dieser „Chinuch" ist in hebräischen Lettern abgefaßt. Es wäre zu wünschen, daß auch eine deutsche Ausgabe, allerdings mit manchen Modificationcn, veranstaltet würde. Prag, 8. November. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen heute von einer sehr wichtigen Entscheidung von Seiten deS Ministeriums mitzutheilen. Seit dem Anschlüsse der Franz-Josephstadt (die Judenstadt) an die Commune ist der Streit, wer die Kosten der jüdischen Hauptschule zu tragen hat. Die jüdische Gemeinde behauptete, eine Schule sei Gemeindeangelegenheit und daher habe die Gemeinde 48

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