Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1855)
- Date
- 1855-11-26
- Page
- Seite 613 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225980--14974-3300673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Dijon 1× ep/1044434
OCR text
613 des Krieges im Orient beschäftigt, und nachdem er in den Spitälern von GaUipoli, Varna und dem Piräus, mährend die Cholera hier wüthetc, beschäftigt war, har er sich bei dem Angriff auf die Centralbastion ausgezeichnet, indem er die Verwundeten während der Schlacht verband. Der Marschall Pclissicr hat ihn mir der Ehrenlegion dccorirt. Obgleich erst 32 Jahr alt, hat er bereits 15 Dienstjahre und 15 Feldzüge. Was die Sache selbst betrifft, so sind bereits Herr Charlcville, Rabbiner von Dijon, und Herr Michel Maier, Rabbiner von Verdun, von Seiten des Ministeriums bestimmt, als jüdische Feldgeistliche nach der Krim abzugchen. — —. Die Arch. isr. de Fr. enthalten außerdem Folgendes : Unter den Braven, die mit ihrem Leben den Erfolg unsrer Waffen bei Sebastopol bezahlt haben, muß man des Capitains Charles Mayer vom 21. Linienrcgiment besonders Erwähnung thun, dessen letzte Augenblicke von seinem jungen Bruder, der Untcrofficicr beim 4. Jägcrbaraillon zu Fuß, und bei der Einnahme des grünen Mamelon verwundet und mit der Ehrenlegion decorirt ist, erzählt werden. Man muß wissen, daß der Capitain Mayer, da er krank war, einen Urlaub erhalten hatte, um sich in Konstantinopcl psiegcn zu lassen, aber daß er geglaubt hatte, daß es seine Psticht erheische, seine Abreise von der Krim noch aufzuschicbcn, um Theil an dem Sturm zu nehmen; wir können die letzten Augenblicke dieses edlen Mannes nicht besser erzählen, als durch den Bericht, den sein Bruder selbst der Familie gegeben; alle Israeliten werden die erhabenen Gefühle Mitempfinden, welche diese rührenden Zeilen ausdrückcn: ,,Inmitten der allgemeinen Freude, welche die ganze Armee empfindet, bin ich allein hier sehr traurig. Ihnen eine sehr betrübende Nachricht mittheilcn zu müssen. Der allgemeine Sturm gegen Sebastopol war schrecklich.... Am andern Morgen hat man die Reveille mit Trompeten geblasen, Sebastopol brannte. Darauf find wir in unsere Zelte zurückgckchrt; ich war so glücklich, Einer Derjenigen zu sein, die sich in der Compagnie ausgezeichnet hatten! Alle Officiere sind getödrct; der Commandant ließ mick rufen, um mir zu sagen, da ich mich ausgezeichnet, reiche er mir die Untcrlieutcnants - Epaulettcn; ich trat ganz vergnügt in mein Zelt ein, als ich die Ordonnanz meines Bruders erblickte, die mir sagt: wenn Sie Ihren Bruder noch einmal sehen wollen, che er stirbt, so kommen Sic schnell. Ich brach unter gießendem Regen und bei einem Alles mit sich fortreißendcn Winde auf, um die drei (franz.) Meilen, die mich von seinem Lager trennten, zurückzulcgcn. Als ich in seinem Lazarcthe anlangte, konnte er mich kaum noch erkennen; er hatte eine tödtliche Wunde am Kopfe, einen gebrochenen Arm, den rechten Schenkel durchschossen, das linke Bein durch eine Kugel aufgcrisscn und einen Bajoncttstoß in den Nieren; so hatten sie ihn zugcrichtct. Wohlan, ich war bei seinem Verbände zugegen, ich habe ihm noch zugclächelt, weil er sich nicht so gefährlich glaubte. Der Doctor sagte mir: Ihnen ist weh am Herzen? ich crwicdcrte ihm: nein; ich gab ihm zu trinken und goß ihm Wasser über den Kopf, und heute endlich ist er gestorben. Ich schreibe Ihnen in seinem Zelte, cs ist fast Mitternacht, morgen wird man ihn zur Erde bestatten; ich habe seinen Thalles und seinen weißen Kittel, den er von Frankreich milgebracht hat, zurcchtgclcgt; Alles ist bereit, ich habe wenigstens die Beruhigung, ihn begraben zu sehen." Und in einem später« Briefe lesen wir Folgendes: „Heute, am 12. September, beim Anbruch des Tages, bin ich mit seiner Ordonnanz aufgebrochcn; wir nahmen weißes Leinen und seinen Thallcs, um ihn nach den Gebräuchen unserer Religion zu beerdigen. Ich ging in das Amphitheater und inmitten einer Menge Leichen, Arme und Beine, wusch ich meinen Bruder, hüllte ihn in seinen Thallcs, gab ihm die Zizzes um die Hände, dann nagelte ich seinen Sarg zu. Der Commandanr ließ mich rufen, um mir zu sagen, daß er an die Spitze derer gestellt wäre, die das Kreuz erhalten sollen, aber da er gestorben, müßte er ihn von der Liste streichen. Die Musik und das ganze Ossiciercorps waren bei der Beerdigung gegenwärtig." Jede Betrachtung ist überflüssig unter den Gefühlserschüttcrungcn, die ein solches Gemälde hervorruft. Am selben Tage beim Angriffe auf den Rcdan wurde der Lieutenant Gabriel Netter vom 7. Linicnrcgimcnt gcrödtet. Sein Bruder Gustav Netter, Soldat im 7. Linicnrcziment, hat, da er vom Dienste frei, sich nach Aurcrre zurückgezogen, durch die Vermittelung des Generals eine Decoration vom Sultan erhalten. Herr Moses (Bcrmond), Artillerie-Capitain im Gcneralstab des Generals Lcbocuf, hat das Kreuz der Ehrenlegion erhalten. Herr Adolph Hin st in, Genic- Capitain, ebenso decorirt, kehrt nach Frankreich zurück mit einem Urlaub auf Genesung. —. L’unLv. israel. berichtet Folgendes: Unter den Soldaten, die sich bei der Einnahme von