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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-26 · Heft 48 (26.11.1855) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 48 (26.11.1855)
Date
1855-11-26
Page
Seite 610 (sequence 2)
Language
German
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61V Vielmehr sind cs zwei Dinge — im Grunde Eins und Dasiclbc — die vor Allem Eure Hauptsorge sein muffen: die jüdische Schule und das lebendige Wort in der Synagoge! Die jüdische Schule, um die Zugcnd religiös zu erziehen, um sic im Judcnthumc und für das Iudcnrhum, und hiermit für den Staat und die menschliche Gesellschaft, für das Vaterland und die Menschheit zu erziehen. Das lebendige Wort in der Synagoge, damit das Zeugniß des Judcnrhums nicht verhalle, sondern mit neuer Kraft in seinen Vckcnncrn erwache, damit die Lehre nicht schweige, die von Zijon gekommen, sondern ihre Jünger beseele. Für Schule und lebendiges Wort können, müssen die Orthodoxen, wenn sie nicht ganz verblendet sind, so gut wirken, wie die Modernen, können und dürfen die Letzteren, wenn sic nickt Heuchler, die ihr Judcnthum nur noch als Schein tragen, nicht ruhen. Eine Million Juden im Kaiserstaatc ist in der That nicht so ein Mir nichts. Dir nichts, daß sic nicht die Kraft haben sollte, sich überall Institute zu schaffen, und wenn sic angewiesen ist, diese Kraft auf dem Boden des Gesetzes und Staarswillcns zu entwickeln und anzuwendcn, so darf sic wahrlich! sich nicht beklagen. Lasset Euch dies gesagt sein, und wollet nicht von Anderen fordern, was Ihr selbst nicht leisten wollet! An die Israeliten, inson-ers Wcstphalcns und der Nhcinprovinz, wegen Gründung eines jüdischen Waisenhauses in Paderborn. Mehrfache Berichte in diesen Blättern, so wie die kräftigen Bemühungen aus Paderborn selbst haben die Leser längst von den unermüdlichen, und bis jetzt erfolgreichen Anstrengungen des Fräuleins Fanny Nathan, ein Waisenhaus für jüdische Waisen Wcstphalcns und andrer Orte zu gründen, unterrichtet. Durch die mit eigener Aufopferung geschehene Verwendung dieser, im Erziehfache erfahrenen und erprobten Dame und die bereitwillige Unterstützung der Herren M. Meycrsbcrg, F. Vaderst ein und M. Katz, welche das Comitö bilden, ist bereits ein Capital von eirca 5000 Thalern beschafft , sind die Corporationsrechte von Sr. Majestät ertheilt, die Statuten vom Herrn Ober-Präsidenten genehmigt, und jüngst die freie Colle etc vom Ministerium bewilligt. Der Verwirklichung des überall mit vieler Theilnahmc aufzenommenen Planes steht also nichts mehr im Wege, und cs kommt lediglich darauf an, ob die jüdischen Bewohner namentlich der Provinz, zu deren Nutzen zunächst die Anstalt geschaffen wird, genug Wohlthärigkeitssinn haben, um theils durch Capitalgeschenkc, thcils durch jährliche Beiträge dieselbe nicht nur ins Leben zu rufen, sondern sie auch bedeutend, groß genug zu machen, um dem erhabenen Zwecke zu genügen! Wann aber hat man sich je an den Barmhcrzigkeitsstnn unsrer deutschen Juden erfolglos gewendet? wann hat man vergebens an ihr Herz appellirt, sobald es das Schicksal von Waisen galt? sobald man diesen körperliche Pflege, geistige Ausbildung, religiöse und sittliche Erziehung zu wahrhaften Juden, braven Menschen, nützlichen Mitgliedern des Staates und der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt verschaffen wollte? Niemals!... Und so hegen auch wir die feste Ucbcrzeuzung, daß das Werk gelingen, daß Ihr, thcure Glaubensbrüder, Euer Scherflein Jedweder beitragen werdet, um cs gelingen zu machen! Ter Winter ist da — manche Wittwe weiß kaum, woher für ihre vaterlosen Kinder das schützende Kleid, das wärmende Gemach, die stärkende Nahrung nehmen, und nun noch Unterricht und Erziehung!... Zu Ostern soll die Anstalt eröffnet, gewcihet werden-so thuet das Eure, daß in der That, wenn der Winter abermals wiederkchret, „mancher Wittwe Thränen getrocknet und Her; getröstet ist", und aus dem Munde der Waisen der Dank für Eure That zum Herrn tönt und für Euch zum Zeugniß werde!.... Die Gaben werden in diesen Blättern veröffentlicht. Exemplare der Statuten und alle sonstige Auskunft wird das Comitö in Paderborn, insonders Fräulein Nathan und Herr Meycrsbcrg gern Jedem zukommen lassen. Aphorismen. Unsere Leser haben es sicher an sich schon oft erlebt, daß eine in ihnen einmal erst rege gewordene Frage sie nicht gut ruhen laßt, als bis sie sie so ziemlich gelöst und beantwortet wissen. So geht es uns mit jener Anregung über den Werth und die Bedeutung der alt-jüdischen Musik für die moderne Wcltmusik. Als ein Moment wurde hierbei der Uebergang der

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