Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1855)
- Date
- 1855-11-19
- Page
- Seite 603 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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603 blischen Bilder und Verstand genügen würden, den Dichter zu vollenden, so würden wir Herrn Ilngcr einen bedeutenden Rang anwcisen können. Demungeachtet wohnt unscrm Geschmückt nach seinen Gedichten eine gewisse Nüchternheit und Breite bei, die zwar herzliches Wohlgefallen an ihnen zuläßt, aber die Begeisterung für sie als dichterisches Erzeugniß nicht hervorruft. Die Sammlung beginnt mir einem längcrn, dramatisch gehaltenen Gedichte, in welchem die Geschichte des ersten Mcnschcnpaares im Paradiese ausführlich behandelt wird. Die psychologische Entwickelung in dem Gespräche zwischen Eva und der Schlange ist recht gut und fein. Dagegen ist der Pathos, den der Verfasser der göttlichen Stimme in langer Schilderung — in Nachahmung des herrlichen Naturzcmäldes im Hiob — leiht, nicht zupassend. Auch das längere Gedickt leidet an Breite, obgleich die Zeichnung oft ans Zarte und Liebliche grenzt. Zum Schlüsse einige witzige Epigramme. — So nehmen wir denn für diesmal von diesem Gebiete Abschied, doch nicht ohne dem Leser noch einige Notizen mirzugcben. Zuerst liegt uns eine sehr handliche Ausgabe des Pentateuchs in Sedc; vor, bis jetzt in drei Bändchen, das 3., 4. und 5. Buch Moschch's enthaltend, die beiden ersten folgen noch. Sie ist von Rabb. G. Arnheim in Glogau für W. Pasckelcs in Prag besorgt, und enthält den Tcrt, die deutsche Uebersetzung, hinter jeder Sidra die Haftara, und am Ende jedes Bändchens die Sabbathgebete (ohne Uebcrsctzung). Die Ausstattung ist gut, obschon die hebräischen Typen im Schnitt etwas veraltet. — Wir erhielten auch in diesen Tagen in kostbarem Einband “no the Order of prayer for divine Service, revised bv Dr. L. Merzbacher, rabbi at the temple Eraanu-El. New-York 1855. Die 300 Seiten dieses Gebetbuches enthalten in hebräischer Sprache und englischer Uebersctzung alle Gebete des ganzen Zahres in dem gedachten Tempel zu Wochentagen, Festen und Fasten, sogar auch die Thorastücke für die Festtage (zu Minchah am Jom Kippur ist ein andres Stück gewählt (2 Mos. 33, 12. ff.], am Schimni Azeres wird 5 Mos. 33. 34. gelesen). Es versteht sich also, daß die Gebete sehr verkürzt sind (auch Nacht- und Tischgebet). Das Princip einmal angenommen, kann man die Wahl überall nur eine besonnene und der Tradition treue anerkennen. Doch siehe, indem wir dies niederschreiben, kommt uns noch das ,,israelitische Gebetbuch für die israelitische Gemeinde in Mannheim" zu, geordnet und bearbeitet von Rabbiner Präger — und so wollen wir diesen beiden doch lieber eine ausführlichere Besprechung widmen. — Wie uns geschrieben wird, kommt in Wien so eben das 21. Heft der pnr -2212 unter die Presse; ferner mirr rra Ercgcscn, Betrachtungen und Gedichte in hebräischer Sprache von Leop. Winkler; sodann eine hebräische Uebersetzunz des Uricl Akosta von Gutzkow von S. Rubin mit einer schönen Einleitung. — Endlich kam uns in diesen Tagen eine Probe einer hebräischen Ucbersctzung des Koran von H. Rcckendorf zu, die in Lieferungen von 5 Bogen erscheinen soll. Aphorismen. Unter den Annoncen dieser Zeitung wurde jüngst die von Zun; in den Jahren 1822 und 1823 hcrausgczcbcnc „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums", von der 3 Hefte damals erschienen, wieder zum Verkauf gebracht, und wir wollen nicht anstehen, die Leser auch unsrerseits darauf aufmerksam zu machen. Diese Zeitschrift war cs, welche die Morzcnröthc der wissenschaftlichen Behandlung des Judenthums bczcichnete, welche thatsächlich erwies, daß das Judcnthum kein unhistorisches Chaos sei, sondern Princip und System in seinem innersten Marke trägt. Wie gleich der erste Aufsatz sucht, den Begriff der „Wissenschaft des Judenthums" festzustcllcn, so sind es insonders zwei Aufsätze, welche Muster sind für die wissenschaftliche Bearbeitung von Specialgegcnständcn, der eine entlehnt aus dem Gebiete der Rechtswissenschaft, der andre aus der Literaturhistorie, wir meinen: „die Gesetzgebung über Juden in Rom" von dem (nachmaligen Professor) Dr. Gans, und die Biographie Raschrs von Zunz. Außerdem sind noch die „Grundzüge des mosaisch-talmudischen Erbrechts" von Gans hervorzuhcben, welches aber in dessen „Erbrecht" überhaupt übergegangcn, und noch vieles Mangelhafte hat. Der Geist und die Methode der classischen Philologie und wissenschaftlichen Theologie war hier mit Einem Schlage auf Judcnthum und Jüdisches übertragen, und wirkte seitdem mächtig sort. Mögen daher Viele die Gelegenheit wahrnchmcn, sich des Werkes zu bemächtigen. In der „Pädagog. Revue" Octobcrheft ist eine Rccenfion des dritten Bandes unsres Bibclwcrkes enthalten, die uns sehr erfreut hat. Sie hebt insbesondere unsere Einleitungen in jeden einzelnen Psalm, so wie die