Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1855)
- Date
- 1855-11-19
- Page
- Seite 604 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«04 Fülle neuer Erklärungen zum Hiob und die Einleitung in dieses erhabene Buch nachdrücklich hervor, Stücke unsres Werkes, die wir mit einem begeisterten Herzen und ausdauernder Sorgfalt gearbeitet. Der Dichter Jean Paul Friedrich Richter stand bekanntlich mit einem Ehepaare in Königsberg in Briefwechsel und einer dieser Briefe bildet eine Zierde seiner gedruckten Correspondenz. Daß dieses Ehepaar ein jüdisches gewesen, dürfte nur Wenigen bekannt sein, und doch ist dem so, wie nachstehender Brief beweist, welcher an dasselbe Ehepaar gerichtet, fich in einer hiesigen Autographensammlung originaliter befindet. Ob derselbe in die letzte Ausgabe von deS Dichters Werken ausgenommen ist oder nicht, kann ich nicht sagen, da ich sie nicht zur Hand habe. Jedenfalls aber dürste der Inhalt des Briefes den Lesern der Allg. Zeit. d. Judenth. von hohem Interesse sein. vr. H. Jolowicz. Weimar, den 31. December 99. Ich will dieses Jahr mit keiner Schuld beschließen, die ich tilgen kann. Meine Sommerreisen und Herbstarbeiten haben mich bisher von der schönen Stunde entfernt, liebenswürdiges Paar, worin ich mit Ihnen sprechen wollte. Gerade der entdeckte Unterschied unserer Religion, wenn es noch einer ist, gab mir eine Freude mehr, und eine noch größere Achtung für Sie, weil Sie mehr Voruriheile zu besiegen haben, um uns, als wir, um Sie kennen und lieben zu lernen. Der Verstand Ihrer Nation wird einen immer reiner» und höhern Weg nehmen; aber wie fich das Herz derselben warmer und heiliger bilde, ist schwer zu prophezeien, da zu dieser Bildung immer eine äußere Forui — die der Regierung, der Religion rc. — gehört. Die jetzige ist die ungünstigste, die des kleinen Handels. Unser ganzes Jahrhundert, zumal in England, trinkt aus dem merkantilischen Giftbecher; was aber ein Volk am tiefsten zerrüttet hat, war die Nothwendigkeit, weniger des Handels, als deS kleinen, und die eines gegen Ich habe einen Freund unter Ihrer Nation, Eman u e l in Bayreuth, mit dem ich wenige Freunde aus der meinigen vergleichen kann, moralisch vollendet, stark und weich, thärig und denkend, unerschütterlich und tolerant, für die Erde und den Himmel gemacht. Seine Liebe für sein Volk hatte, da er Ihre lieben Briese sah, viel An, theil an der zweiten Antwort darauf. Leben Sie getröstet, vor dem dunkeln Anblick der Zeit, und stellen Sie fich vor, um es zu werden, daß das Jahrhundert nur eine Stunde in der Erdenzukunft macht; und dann wird Sie eine flüchtige Wolke, die über die Erde wegzieht, weniger irren. Antworten Sie mir wieder und lieben Sie einander unverändert fort, dann brauchen Sie keinen Wunsch im neuen Jahrhundert! I. P. F. Richter. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 13. November. (Privatmitth.) Es ist zu bewundern, daß Fräulein Julienne Bloch in Paris in ihrem schönen Briefe an Herrn Eugen von Mirecourt sich über die aufgewärmre alte Malice ereiferte, nach welcher die Jüdin Rachel Felir durch den Anblick ihrer Diamanten und dergleichen vom Tode inS Leben zurückgerufen wird. Dieser Witz ist von Voltaire, aber nicht gegen Jüdinnen, sondern gegen die Bürgerinnen der sehr christlichen Stadt Gens gerichtet (lla Genevois vsut dix Juifs, sagt ein in Frankreich bekanntes Sprüchwori). Er erzählt nämlich in sehr schönen Versen, wie eine Dame auf öffentlicher Straße für todt hinfinkt und ein vorübergehender Cavalier, der ihre Herkunft erfahrt, mit dem Rufe „Elte est Genevoise!“ ihr einige Goldstücke in die Hand drückt, worauf sie ganz munter und gesund wieder auffteht. Ich weiß den Augenblick die Stelle nicht anzugeben, wo die Anekdote steht, allein Herr von Mirecourt, der sie so schön ä nos depens — möglicherweise jetzt auch ä ses propres depens — nachgebildet hat, ist vielleicht so liebenswürdig, das Citat nachzuweisen. Jedenfalls ist eS nützlich, zu erfahren, daß die französischen Herren Modeschriftsteller, die jetzt ihr Chriftenthum so energisch durch Epigramme gegen die Juden documentiren, doch noch ihren Voltaire nicht vergessen haben! Dieser hat übrigens die Geschichte wohl nur erzählt, um Rousseau zu ärgern; eS scheint jedoch nicht, daß Jean JacqueS fich darüber formalifirt habe. Diesem Beispiel sollten wir immer nachahmen. UebrigenS wollen wir eS unsem Gegnern überlassen, ungerecht uud unbillig zu sein, und der Wahrheit gemäß zugeben, daß ungeachtet gesetzlicher bürgerlicher Befähigung ein sehr großer Theil der Juden