Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1855)
- Date
- 1855-11-19
- Page
- Seite 602 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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602 neuer Abhandlungen zehren eher die noch vorhandenen Mittel und Kräfte für die hebräische Lircratur auf, als sie sie nähren und Pflegen. Möchte es einem so befähige ten Manne, wie Herr Senior Sachs ist, vergönnt sein, seine Muße auf ein großes und bedeutendes Ziel, auf die Lösung einer größern, systematischen Arbeit zu stellen! — Wir kommen zunächst zu einigen lcricographischen Schriften, und hier hätten wir aufmerksam zu machen auf die Broschüre: ■pEP-rrn d. i. Beitrag zur Chaldäisch-rabbinischen Lericographie (Talmud, Midraschim re.), zugleich kritische Bemerkungen über die neuesten Leistungen in diesem Fache von I. Böhmer. Berlin, 1855. Allein, namentlich auf Grund dieser mit eben so vieler Sachkenntnis wie Witz verfaßten, sich circa über 100 Wörter auslasscnden Schrift ist uns ein ausführlicher Artikel von fachkundiger Hand über die neuesten lericographischcn Arbeiten versprochen, worauf wir hiermit schon jetzt verweisen. — Hieran knüpfen wir aber die Erwähnung eines Werkes, dessen in dieser Zeitung noch nicht gedacht worden, welches von entschiedenem Wcrthe, aber aus Ungunst der Umstände schon nach der zweiten Lieferung ins Stocken gerathen ist. Wir meinen: yra"?, d. i. Wörterbuch, enthaltend hebräische Wörter und Redensarten, die sich im Talmud befinden. Gesammelt, hebräisch erläutert und ins Deutsche übersetzt von David Löwy aus Dub, Rabbiner zu Amschelberg. Prag, 1845. Der deutsche Titel ist etwas ungelenk, indem nicht die Erläuterung ins Deutsche übertragen ist, sondern nur die deutsche Bedeutung der Wörter angegeben wird. Zu jedem hebräischen Worte nämlich sind alle die Bedeutungen, in welchen es sich im Talmud findet, aufzcführt, kurz und prägnant erläutert und mir Stellen belegt. Es ist dies für Sprachvergleichung und Sprachgeschichte des Hebräischen von großem Gewinn, indem man mit einem Blicke die Entwickelung der Bedeutung der hebräischen Wörter bis in die talmudischcn Ausläufe und bei der großen talmudischcn Verarbeitung überschaut. Der Verfasser hat mit großer Umsicht und Sachkenntniß gearbeitet, wenn auch die innere Aneinanderknüpfung, die logische und historische Genesis der verschiedenen Bedeutungen Vieles zu wünschen übrig läßt. Leider! gehen die beiden Lieferungen (98 S.) nur bis “na, wir wollen aber nicht die Hoffnung aufgebcn, bas Werk fortgesetzt zu sehen. Wir hätten hinsichtlich der Ausstattung, die sonst ganz vortrefflich ist, gewünscht, daß die Seite! nicht gespalten sei, weil die Stellung der deutschen Wörter innerhalb der hebräischen allzuoft unbequem dadurch Vor uns liegt nun noch eine Reihe belletristischer Schriflchcn und Ucbcrsetzungen in der alten heiligen Sprache. der Dcnunciant. Eine jüdische Begebenheit aus neuerer Zeit von W. Tugendhold. 2ns Hebräische übersetzt von M. Ben versöhn. (Grodno, 1847.) Das Original wurde seiner Zeit in diesen Blättern besprochen, die Ucbcrsctznng ist fließend und correcr. — yirrN, Amnon, der Märtyrer und Verfasser des Uns;mne Tokef, eine jüdische Legende aus den Stufen-Gesängen des Rabbinen L. Stein. 2ns Hebräische übersetzt von M. Schwarz, isr. Lehrer. Ostrowo, 1854. Eine hebräisch geschriebene Einleitung über Amnon, bann . das Original und die hebräische Ucbcrsetzung in Stanzen, und zwar im besten, gewandtesten Style, treu, und dabei koch acht hebräisch. — c-tro mrss rr : rr p, d. i. die philosophischen Briefe von Schiller, übertragen ins Hebräische von Salomo Rubin aus Dolina. Lemberg, 1851. Das Heft beginnt mit einer Lobschrift auf Schiller von Herrn Mendel Mohr, der auf charakteristische Weise von Schiller nicht blos „König aller Sänger, Krone der deutschen Dichter" sagt, sondern: sma vtoe bs-.ca nsE rmrrE, dessen Gedichte schon zwei, drei Male zumeist von hebräischen Sprachkennern ins Hebräische übersetzt seien. Welche Schwierigkeiten diese Briefe nun bei der Uebertragung machten, da, wo entweder der Kantianer Schiller scharf definirt, oder der noch jugendliche Dichter überschwenglich schwärmt! Jndcß ist für Galizien die ziemlich günstige Ucbcrwindung derselben noch immer von großer Bedeutung für die geistige Entwickelung unsrer dortigen Glaubensbrüder. — Von dem gedachten Herrn M. Mohr haben wir auch (Lemberg. 1853) 'zibrwr, 2nn, d. i. eine hebräische Lebcnsgeschichte Napoleons III., die der begeisterte Verehrer dieses Monarchen in blühender Sprache verfaßt hat. — Ferner eine höchst witzige Streitschrift hirp E-aHEntt von Tobijahu Feder gegen Mendel Santob, von Mohr herausgezebcn. Es werden freilich die Geister Mcndclssohn's, Luzzatto's, Wessely's, Euchel's, Joel Bril's und Bcnseb's incommodirr, z;m ihren Zorn und Unwillen auszulasscn. — Um aber noch mit recht Erfreulichem zu schließen, enden wir diesmal mit -11:22, d. i. hebräische Gedichte von I. I. Unger, Candidat der Theologie. Frankfurt a. M., 1854. Wenn ausgezeichnete Sprachgewandtheit, Herrschaft über die bi-