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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-19 · Heft 47 (19.11.1855) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 47 (19.11.1855)
Date
1855-11-19
Page
Seite 600 (sequence 4)
Language
German
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600 wendig, daß das Leiden ein größeres sei? Die Personen, welche die Clasfiker gelesen haben, erinnern sich jener alten Römer, welche unter der Tyrannei der Kaiser, da sie die Wahl ihrer Todesart hatten, sich die Adern öffnen ließen, in der Meinung, daß dies die weniger schmerzhafte Todcsart wäre. Die dem Lord-Mayor über diesen Punkt gegebenen Gutachten lassen ein sehr weites Feld für zwei geradezu entgegengesetzte Hypothesen. Der Doctor Pavcy, Professor der Chirurgie am Hospital von Grcy, behauptet, daß das Einschneiden der Kehle von einem Zustande von Synkope gefolgt wird, daß aber nachher ein anderer Bluterguß und heftige Zuckungen stattfinden, während welcher das Thier seine Scnfibilität wieder zu erlangen scheint. Der Doctor Lloyd, Oberarzt der ko^al vispeosat^, glaubt, daß bei dem christlichen Verfahren der Tod statt hat, sobald das Gchirnmark berührt wird. — Man behauptet, daß die Zuckungen der nach jüdischer Weise getödteten Thiere sehr schmerzlich seien, und daß die Zuckungen nach christlichem Verfahren cs nicht seien. Es sind dies aber nur einfach Voraussetzungen. Die gelehrten Doctoren wissen nicht aus Erfahrung, welches die wahre Lösung der Frage ist. Nur die Geister der getödteten Thiere könnten ein sicheres Zeugniß über den Gegenstand geben. Doch ernstlich, so ist es unmöglich, den Bericht über den gestrigen Proceß zu lesen, ohne zu bemerken, daß die Gesellschaft bemüht war, die Leiden der nach christlicher Weise getödteten Thiere zu vermindern und die nach der jüdischen Weise zu übertreiben. Von diesem Gesichtspunkte aus ist nichts gerechter, als die Entscheidung des Lord-Mayors. Dieser glaubte nicht, daß die dem jüdischen Verfahren gemachten Vorwürfe von der Narur wären, um Maßregeln zu rechtfertigen, welche nur ein sehr ärgerlicher Eingriff des Gesetzes in die Gewissensftciheit einer sehr großen Anzahl unserer Mitbürger sein könnten. Setzen wir einen Augenblick voraus, daß die Gesellschaft Recht habe. Warum greift sie dann gerade die Juden an, welche hierin durch ihre religiösen Ueberzeugungen gebunden find, während sie zuläßt, daß gleiches Verfahren auch unter den Christen eristirt? Diese tödten die Schafe und die Schweine in derselben Weise, wie die Juden dieOchsen. Hat die Gesellschaft nur Sympathien für das Ochsengeschlecht? Wir wissen, daß fast überall man die Gewohnheit hat, den Schweinen die Kehle zu stechen und sie dann um die Schlachtbank herumgehen zu lassen, bis sie vor Erschöpfung niederfallen. Der Doctor Lloyd hat noch gesagt, daß die jüdische Methode die Arterien der Wirbelsäule unberührt lasse und daß hieraus ein Bluterguß in den Kopf stattfinde. Mit einem Worte, eine Apoplexie. Dasselbe begegnet den Gehenkten. Warum bewahren denn die humanen Mitglieder der Gesellschaft ihre Sympathien allein für die Thiere? Warum bestehen sie nicht darauf, anstatt die Verbrecher zu hängen, solle man die Menschlichkeit haben, ihnen den Schädel mit einer Keule zu zerschlagen und dann das Gehirn mit einem Stocke zu bewegen? In Summa, die Verfolgungen, deren Gegenstand die jüdischen Fleischer so eben gewesen find, fanden unter Umständen statt, welche keinen andern Boden haben, als Muthmaßungen und Voraussetzungen. Hingegen haben sie allzusehr den Anschein, nichts anderes als ein Versuch zu sein, unsere jüdischen Mitbürger dem Haffe der Masse auszusetzen. Zur Zeit Chaucer's hetzte man die Menge gegen die Juden auf, indem man sie anklagte, Kinder zu tödten; cs ist ein trauriges Zeichen der Abnahme unserer Einbildungskraft, daß wir zu gleichem Zwecke nichts Schrecklicheres zu ersinnen vermögen, als daß sie sich grausam gegen die Ochsen zeigen. Literaturbericht. VIII. tSchluß.) Unsere Leser werden sich erinnern, daß die Frage nach dem Alter des S o h a r die neueren Forscher viel beschäftigt hat. Ein „Anhang" in Jellinek's Bet hamidrasch lll. bringt folgenden Beitrag zur Entscheidung, den wir hierherstcllen: „Da cs noch manche Gelehrte giebt, die diesem Buche ein sehr hohes Alter vindicircn, so will ich das Datum 22. August 1280 in demselben Nachweisen. Wir lesen nämlich Sohar UI, 212. b.: nbovr asab rfhpn pat ppr pasm Vs «aarn icr»sp «saa in nxrnrrbi pnaa V r-.-a yQxrra-'i ypn rnsaasts rraa p-irra nsmno «avai par V r^nbi “rns «tvn p:“in« Kava «asm rtsrnna Kr.T'b par1 rfaa 'nnn"» Kn-ips ■’Tnrp natanp sar* *par» V rpob »mp ennrra psba p-rro V pbcr sar> xinm ••am mo’1 «mp sonr-n sa^boi bis:** ks-q-i Nb=pm •’ai-rt d. h. „Gott ist bereit, Jerusalem zu erbauen und einen wunderbar glänzenden Stern sichtbar werden zu lassen, der 70 Tage leuchten wird. Freitag, den 25. Elul, wird er gesehen werden, und Sonnabend am Ende der 70 Tage wird er untergehen. Am ersten Tage (d. h. am 25. Elul) wird er sich in Rom zeigen, und an demselben Tage werden drei hohe Mauern und ein großer Tempel in Rom ein-

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