Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1855)
- Date
- 1855-11-19
- Page
- Seite 598 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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598 Bis Lberfluthet Meer und Sand Des Lichtes jauchzt von Strand zu Strand!.... Bevor um Sinai der Morgen prangte. Bevor das Wort an Israel gelangte: Stand Nacht des Heidenthums auf den Nationen, Und tiefer Schatten deckte die Millionen; Kühn schweift der Traum und bildet die Gestalten, Die lächelnd bald, noch öfter schreckend walten. In Wohllust jetzt, im Rachegrimm bald lodern Des Menschen Blut auf die Altäre fodern; Es beugt das Knie der Mensch vor Wahngebilden, Vor Stein und Thier, zu sänstigen die wilden — Wo ist da Recht? wo Lieb' in Menschenmitten? Wo Heiligung in Gottgefäll'gen Sitten? Der Mächt'ge tritt dem Schwachen auf den Rücken, Der Sclave zittert vor des Herren Blicken, Es heißet groß, wer Vielen Ketten schmiedet. Stark, wem die Wuth der Leidenschaften siedet. Und ob sie tief, die weisen Denker, dachten. Die hohen Künstler ew'ge Werke brachten. Ob sie des Wissens Reich zu Fernen dehnten, Mit duft'gem Lorbeer ihre Schläfen krönten, Ob sie das Schwert bis zu den Meeren trugen, Was widerstand, in tapftem Kaurpfe schlugen — Dock» stand die Nacht auf aller Völker Häupten, Bis sie im tiefen Schatten all' zerstäubten.... Doch ob der Tag um Sinai längst prangte. Zu denen heut' das Wott noch nicht gelangte: Sie wallen heut' noch in den Finsternissen Des Heidenthums, in ihrem Geist zerrissen; Ob sie auf Sina's Fluren, Japan's Höhen, Am Jndusstrom, wo würz'ge Lüste wehen, Sckon früh der Künste goldne Früchte brachen. Die Sterne maßen, in die Meere stachen. Erschlafft, entnervt, ermangelnd der Erhebung, Verdammt zur Ohnmacht, ohne Kraft und Strebung!- Doch siehst Du hin auf jener Völker Blühen, In denen hoch der Menschheit Flammen glühen. Mit der erwachenden Erkenntniß Strahlen Die dunklen Wolken rosig sich ummalen. Wo das Bewußtsein eines ew'gen Rechtes Aufgeht dem Geist des Herren und des Knechtes, Das Gottesrecht um einst'ge Herrschaft ringet Und tiefer, tiefer in das Leben dringtt: Die Völker sind es, denen aufgegangen Des Horeb's Licht in ihrer Nächte Bangen, Dahin das Wort an Israel ertönte, Den Widerstreit des Geistes leis' versöhnte, Den Grundstein gab zum kühnen Bau des Lebens — Die Völker find's vor kräftigen Erhebens!.... Noch war es Dämmrung selbst um Israel, Als es der Sttahl des Frühroths grüßte; Lang war der Kampf, und schmerzhaft büßte Es oft genug das Schwanken und den Fehl; Hinausgeschleudett ward's auf Babel's Strand, Bis, unter Fremder Joch, es selbst sich fand. Die Menschheit ging indeß den freien Pfad, Entwickelnd was sie barg im Marke; Doch war gereift die Frucht, die starke. Fiel sie verwesend ab, früh oder spat. Und neue trieb sie frisch zu Blürh' und Laub Stets herrlicher — denn nur der Staub wird Staub. Da ward es Zeit — und aus dem Lichtmeer drang Von Israel ein Strahl, ein Leuchten, Die vor sich her die Wolken scheuchten. Und es begann des schwersten Kampfes Gang: Denn Licht und Nacht, sie rangen fort und fort. Bald siegt das Licht, bald weicht's von Ort zu Ort. Da mischt sich Beides in der Völker Blick, Der noch nicht ttägt die ganze Wahrheit, Im West ein Glüh'n von Nacht und Klarheit, Im Ost ein Dämmern vorwärts und zurück — Doch immer Heller steigt herauf der Tag — Der Wächter ruft's — nur ruhig, nicht verzag'! Und daß dem Licht die Zeugen überall. Ergreift Dich, Juda, Gottes Wille, Und streut Dich auf die Landcrfülle Und durch der Zeiten starken Schwall — Steh fest und kühn, des Adlers Schwinge webt Gewaltig um Dein Haupt — Dein Leben lebt! So stehe, Nacht, noch dort auf den Nationen, Umwalle, Dämmrung, hier die Millionen, Da drüben steige, Frühroth, glänzend auf, Und hüben, lichter Tag, heb' an den Lauf — Es ist das Lickt von Israel gekommen. Und nie verlischr'S, wo'S einmal ist entglommen!