Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1855)
- Date
- 1855-11-12
- Page
- Seite 592 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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folgendes Imprimatur vom Jahre 1613 vor: Visto per me Camillo Jaghel 1613; wären nun beide Personen identisch, wie man gewöhnlich annimmt, so müßte Ab. Jaghel als Knabe den Lekach Tob verfaßt haben, da er noch 71 nach der Editio princeps als Censor ftmgirt hat, was gewiß sehr unwahrscheinlich ist. Vergl. Kraft und Deutsch, Katalog der jüdischen Handschriften der kaiserlichen Bibliothek S. 49., wo ebenfalls das Imprimatur des Camillo Jaghel beim Maftheach des R. Niffim angeführt ist, aber ohne Angabe des Jahres. — Vielleicht könnte ein Mitarbeiter dieser Zeitung etwas Näheres über die Edilio princeps deS Lekach Tob mittheilen, da mir die bibliographischen Werke von Wolf und Fürst nicht zugänglich find. Ein wahres glänzendes Verdienst endlich hat fich Reggio erworben mit der unternommenen Herausgabe des weitläufigen Commentars zur Genefis, vonR. NafthaliHerz Wessely, -isv by *>i»2, nach einem Autograph deS Verfassers, das er von der Tochter deffelben, Frau Heinriette Wessely in Hamburg, erhalten und auf eigene Kosten hestweise zu ediren begonnen hat. Bereits find, wie ich glaube, da ich das Werk nur eine kurze Zeit in Händen gehabt, zwei Hefte davon erschienen und wahrscheinlich wird die Veröffentlichung des ganzen Werkes, mit dem ein besonderes Mißgeschick obwaltet, da man schon seit 20 Jahren damit umgeht, das Opus poslhumum des gefeiertetsten Dichters der Neuzeit und eines, nächst Mendelssohn, der größten Männer Israels des 18. Jahrhunderts, herauszugeben, ohne zum Ziele zu kommen, wiederum durch den Tod des Herausgebers einen Ausschub erleiden, wo nicht gar völlig unterbleiben. Lange ftüher ist unter dem Titel 'brir>2 mbbiy in Hamburg (?) ein Heftchen, die ersten drei Cayitel der Genefis, die Schöpfungsgeschichte enthaltend, veröffentlicht worden und Reggio har seine Edition mit Capitel 3. begonnen. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß man die Fortsetzung nicht fallen ließe, und wenn ein Wiener Buchhändler das Unternehmen in die Hand nehmen möchte, da dieser Commrntar eine prächtige Beigabe zu den häufigen Wiener Ausgaben deS sogenannten Mendelssohn'schen Bibelwerkes wäre. — Von den andern Novitäten der hebräischen Literatur ist besonders hervorzuheben: prüf ^2212. Eine Sammlung hebräischer Aussätze, literarischen und poetischen Inhalts, herausgegeben von M. E. Stern, Wien 1855, wovon das 20. Heft vor Kurzem erschienen. DaS letzte Heft bringt den Schluß einer sehr schön geschriebenen Biographie des gelehrten Rabbiners Hirsch ChajeS in Kalisch, ftühern Kreisrabbiners in Zolkiew, von I. Bodek. Daß Rabbiner Hirsch Chajes den S. Oktober in Lemberg gestorben, werden die Leser wohl schon erfahren haben — und Jeder, der das immense, gründliche talmudische Wissen in seinen verschiedenen Werken zu bewundern Gelegenheit hatte, muß dessen ftühzeitigen Tod tief beklagen. Chajes ist 1806 geboren und ist im rüstigsten Alter der Wissenschaft, die noch so Vieles von ihm zu erwarten berechtigt war, entrissen worden. Dessen Biographie von Bodek überströmt von überschwenglichen Lobeserhebungen und der Biograph ist bemüht nach ächt polnischer Manier, Chajes, der wirklich außerordentliche Talente besessen, die ftühzeitig fich entwickelten, — er wurde, kaum 22 Jahre alt, Rabbiner in Zolkiew — zu einem wahren Wundermanne, zu einem sogenannten „Jlui" zu machen. Zu den vielen Uebertreibungen, die fich Herr Bodek erlaubt, gehört auch die falsche Angabe, daß Jost den *m:bnn »122 von Hirsch und Fürst dessen rmp2 m*K übersetzt haben, da die Genannten die erwähnten Werke im „Orient", Jahrg. 1845, blos angezeigt und sehr günstig recenstrt haben. Die Werke deS sel. Chajes find sehr lehrreich, obwohl nicht immer kritisch genug und nicht immer ftei von der mehr auf Witz als auf Wahrheit ausgehenden pilpulistischen Richtung. -Eine besondere rühmliche Erwähnung und Empfehlung verdient auch das unterhaltende Schriftchen: srynsya ■’nb', Jalde Schaaschuim. Eine Sammlung hebräischer, meist geistreicher (200) Sinngedichte von Marcus Boß, Wien 1855. Das Epigramm ist das Lieblingsgenre der neuern hebräischen Dichter und Herr Boß hat fich auch mit Glück darin versucht. — Eines seltenen Erfolges hat fich das Werk des Herrn Rabbiner L. Löw: Hamastheach, *) praktische Einleitung in die heilige Schrift und Geschichte der SchriftauSlegung, zu erfteuen, das in kurzer Zeit fast ganz vergriffen wurde. — Die Leser dieser Zeitung kennen bereits diese Schrift durch die gelehrte Anzeige vom Herrn Redacteur in Nr. 20. — Herr Rabbiner Fasse! hat den „Manen seiner guten, verklärten (vor wenigen Monaten verstorbenen) Gattin" eine Trauer- und Dankrede, die Epidemie, ein beredter Bote des Herrn (gehalten den 5. August 1855 in der Synagoge zu Groß-Kanischa) gewidmet — und den Ertrag zu einer Stiftung für daS Seelenheil seiner Gattin bestimmt. Möge Herr Fasse! in seinem ftommen Vorhaben allgemeine Unterstützung *) Die Wahl 'hebräischer Titel bei deusschen Werken ist eine wahre Marotte der neuern jüdischen Literatur!!