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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-12 · Heft 46 (12.11.1855) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 46 (12.11.1855)
Date
1855-11-12
Page
Seite 589 (sequence 7)
Language
German
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589 Mann, der die Mysterien Jbn Esra'S, die Mystik des NachmanideS und die Philosophie Spinoza's zu ergründen versteht, der mit großem Tiefsinn Gabirol'S Philosopheme darftellte, hungernd in den Straßen Berlins umherging und vielleicht nahe daran war, fein qualvolles Dasein zu enden! Vielleicht kann auch das von Ihnen geschaffene „Institut" diesen Mann nützlich beschäftigen oder unterstützen. — Lassen Sie mich nun zu etwas Erfreulicherem übergehen. Die hiesige Gemeinde soll das erste Legat erhalten von dem am ersten Tag Rösch Ha-Schana gestorbenen Herrn Samson Fleischl, der mehrere Jahre Synagogenvorsteher war und dessen ältester Sohn eine Nichte der edlen Frau Herz in Wien zur Frau hat. Der sel. Fleischl war sehr fromm und gläubig, und hatte manche Verdienste um die junge Gemeinde. — Zu der Feier deS dritten Jubiläums des Religionsfriedens, die am 31. October in der Universitäts-Aula begangen wurde, erhielt auch der Prediger der Gemeinde, der in seiner Weihrede dieses Freudenfestes gedachte, eine specielle Einladung. Allerdings ist auch der bisherige Recror der Universitär, Professor Erd mann, unter welchem Jellinek einst studirt hatte, ein sehr freisinniger, humaner, liebenswürdiger Mann, der voriges Jahr gegen deS Berliner Stahl'S „Umkehr" feine RectoratSrede gerichtet hatte. — Der hiesige Schillerverein schickte eine Deputation an Jellinek mit der Bitte, daß er die Festrede an Schillers Geburtstagsfeier halten möchte, was er aber wegen überhäufter Arbeiten nicht Zusagen konnte. Betrachten Sie diese Thatsachen als einen Beitrag zur Geschichte des fortschreitenden Humanismus. Noch will ich hinzusügen, daß der Stadtverordnete Jakob Nachod einige Stimmen bei der letzten Stadtrathswahl erhielt. Mil Recht sang I)r. Zille bei dem Festmahl der Tempelweihe: „Stoßt an! Leipzig soll leben, hurrah hoch! Seine Bürger sind Bürger der Stadt und der Welt, Von Pfählen ist nimmer ihr Geist umstellt. Leipzig, Glück auf!" Preußen. Schweidnitz, im October. (Privatmitth.) In Nr. 40. der „Zeitung des Judenthums" wurde von Aachen berichtet, daß in dortiger Straf- und CorreclionSanstalt dem Rabbiner nur in Gegenwart von Beamten gestattet fei, mit den jüdischen Gefangenen die geistliche Pflege zu üben. Es dürfte daher nicht ohne Interesse sein, den Lesern dieser Zeitung von hier auS das Gegentheil mitzutheilen. In dem hiesigen Königlichen Correctionshause ist der Prediger und Religionslehrer hiesiger israelitischen Gemeinde, Abr. Seeligsohn, auf Antrag der CorrectionShauS-Direction von der Königlichen Regierung zu BreSlau als „Lehrer und Seelsorger für die Gefangenen jüdischen Glaubens" in gleichmäßiger Stellung, wie die christlichen Prediger, gegen ein jährliches Honorar angestellt. — Demselben werden von Zeit zu Zeit die Acten eines jeden Sträflings zur Begutachtung über die religiöse und Schulausbildung, so wie über Betragen vorgelegt und kann er, so oft er will, seine gefallenen Glaubensgenossen — ohne Aussicht eines Beamten — besuchen, sprechen und belehren. In der Anstalt selbst ist weder eine Bevorzugung, noch irgend eine Zurücksetzung irgend einer Consession erlaubt und die Direction hat auf Antrag des jüdischen Predigers mehrere israelitische Gebet- und Religionsbücher, Bibel und ein Eremplar „Predigt- und Schul-Magazin 2. Auflage von Rabbiner vr. Philippson" für die jüdischen Gefangenen angeschaffr. An Sabbath- und Festtagen, in den Nachmittagsstunden, versammeln sich die Gesungenen in einem zu diesem Zweck eingerichteten Locale, wo ihnen das heilige Gotteswort gepredigt und wo sie ungestört zum Vater der Liebe und der Versöhnung beten können. Die hiesige israelitische Gemeinde, die, wo es sich um non handelt, niemals zurücksteht, läßt die Sträflinge alljährlich ztny und b^b speisen und — stirbt einer von ihnen, wird die Leiche auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe auf Kosten der Gemeinde würdig bestattet. Von unserm hiesigen Gemeindewesen kann ich, Gott sei Dank, das Beste berichten; Gottesdienst und Religionsschule machen die erfreulichsten Fortschritte; die Gemeinde lebt mit ihrem Cultusbeamten im besten Einverständniß und so bewährt sich immer mehr der Ausspruch unserer Weisen: r:r> -ps /tjh nVx 8.n. Paderborn, im October. (Privatmitth.) Es ist schon früher in diesen Blattern die Rede davon ge-

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