Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1855)
- Date
- 1855-11-12
- Page
- Seite 587 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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587 ihr Dasein mehr ahnen als sichern ließen, ihre Beschaffenheit nur gemuthmaßt werden könnte, ja die meisten daraus erhaltenen Wörter nicht einmal verstanden würden — und Niemand könnte sagen: die Bildhauerkunst ist eine Kunst der Babylonier, Griechen und Römer. Immerfort hinweisend auf das musikalische Moment des israelitischen Lebens, müssen wir doch jenen Anspruch aufgeben. Hier nun noch eine Anfrage. Obgleich das deutsche Chasanut vom polnischen in seiner ganzen Färbung verschieden ist, jenes deutsch, dieses slawisch fich charakrerifirt: so find fie doch in ihren Grundtypen vielfach gleich, wir hören hier, wir hören dort dieselben Kaddisch, dasselbe Borchu, nur mir anderen Trillern und Schnörkeln u. s. w. So fand ich es, und Sachkundige bestärkten mich darin. Ist dies nun so, und finden wir gleiche Melodieen, z. B. an in den portugiesischen, italienischen und orientalischen Synagogen? Wir möchten dies in bestimmtester Fassung von Ohrenzeugen und Sachverständigen wissen. Zeitungsnachrichten. Palästina. Magdeburg, 6. November. Wir erklären hiermit für jetzt unsre Sammlung für die Armen in Palästina für geschlossen; den Rest unsrer Sammlung werden wir durch Herrn Dr. Ludwig August Frankl in Wien bei seiner bevorstehenden Reise nach Jerusalem eigenhändig zurDertheilung bringen. Die Redaction. Breslau, 5. November. (Privatmitth.) Ich ersuche Sie, folgendes Schreiben, das mir auS der authentischesten Quelle zugekommen, in der Allg. Zeit. deS Judenth. zu veröffentlichen. LI. H. Jerusalem, 6. Ellul 5615. Geehrtester Herr! Ich habe mit meinem Schreiben an Sie bis jetzt gewartet, um in den Stand gesetzt zu werden, Ihnen etwas Ausführliches über daü Wirken des edlen Sir Moses Monrefiore in der heiligen Stadt mittheilcn zu können. Sie müssen jedoch nicht erwarten, daß ich Ihnen alle Details seiner ununterbrochenen Thätigkeit, oder seiner unbegreiflich großen Aufopferung, die jeder Anwesende an ihm bewunderte, geben werde, dazu würde der Raum dieses Blattes zu beschränkt sein, ich müßte Ihnen eine ganze Broschüre senden. Die heilige Mission dieses großen Mannes in Israel wird von allen Sachverständigen hier als eine vollkommen gelungene, und höchst gesegnete anerkannt. Cs sind jetzt mehrere Hundert Israeliten in Palästina mit dem Ackerbau beschäftigt und der beste Schutz ist ihnen von Seiten der Regierung sowohl als von Seiten der verschiedenen Ortsbeamten vollkommen gesichert.— ES ist eine Mädchen-Schule in Jerusalem eröffnet, deren Einrichtung einer ähnlichen Anstalt in Paris Ehre machen würde. — Der Grundstein zu dem Bau eines Hospitals ist gelegt, und zwar auf einem Platze, der groß genug ist, viele Israeliten mit dem Ackerbau noch zu beschäftigen. — Die Bücher aller WohlthätigkeitS-Anstalten, die er ins Leben gerufen hat, find nun eraminirt, und wo nothwendig, auch besser regulirt worden. — In Jaffa (wo mehrere Israeliten bereits mit dem Ackerbau beschäftigt find) hat er einen herrlichen Garten und mehrere Felder gekauft, um mehreren unserer Glaubensgenossen einen NahrungSzweig zu sichern. Bei der Einrichtung deS Schulhauses find nicht weniger als 35 jüdische Handwerker beschäftigt worden, und jetzt bei dem Bau der Mauer ringsum den großen Platz für das HoSpital werden einige 40 Israeliten ihren täglichen Unterhalt verdienen. nh war diesmal ein großer, freudenvoller Tag für unS. DeS Morgens fand die Einweihung der Mädchen-Schule statt. Die Ausführung deS feierlichen Actes wurde dem Herrn vr. L. Loewe übertragen. Nachdem sich 84 Schülerinnen mit ihren Lehrerinnen, alle Aufseher, Beamte und mehrere Gäste in dem Schulhause (welches eines der schönsten im jüdischen Stadtviertel ist) eingefunden hatten, bestieg er den Catheder, sprach ein solennes hebräisches Gebet, und hielt eine Rede in spanischer Sprache, in welcher er den Anwesenden den segensreichen Erfolg, den man von solch einem Institute zu erwarten hat, deutlich auseinandersetzte, und ermahnte die Schülerinnen, in allen ihren Handlungen dem edlen Beispiele der gottesfürchtigen Jehudit zu folgen. Zum Schlüsse folgte ein Gebet für Sir MoseS und Lady Montefiore, worauf die ganze Versammlung ein herzliches Amen sprach. Erfrischungen aller Art wurden nun herumgereicht; die Mäd-