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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-12 · Heft 46 (12.11.1855) · p. Seite 586

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 46 (12.11.1855)
Date
1855-11-12
Page
Seite 586 (sequence 4)
Language
German
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586 maurerthum ist, so brauchen doch die Logen sich nicht daran zu halten, sie können aus schließen Juden, Türken, Heiden — dann wären sie „christliche Logen" und ständen mit dem Christenthume nicht in Widerspruch. Gegen dieses Christenthum der Vosfischen Zeitung werden gewiß alle aufrichtigen Christen protestiren — die Einen, welche sagen werden: wir bedanken uns für Euer Christenthum, das allein im Ausschluß der Juden, Türken und Heiden besteht, und in nichts weiter; die Anderen, welche sagen werden: wir danken, denn das Christenthum besteht ganz und gar nicht im Ausschließen, und Ihr trügt, wenn Ihr sagt: Ausschlicßen sei das, „was in seinem Geiste wirkt." (Worte der Vosfischen Zeitung.) Gegen dieses „Logenthum" erhebt Ihr aber selbst den Stein, indem Ihr vorher das „Freimaurerthum" so zeichnet, daß das „Logenthum" der baare Gegensatz wäre — welche Begriffsverwirrung! welche Dreherei, Sophisterei und Trugschmiederei, nur — um , weder das Eine, noch das Andre aufrichtig zu wollen, um Freimaurer zu sein, aber auch Christ, um „alle Menschen ohne Unterschied der Nationalität und des religiösen Bekenntnisses zu verbrüdern", nebenbei aber „Juden, Türken und Heiden auszuschließen", die freilich — nur ein höchst kleiner Bruchtheil der Menschheit find.' Nein, nein — daraus folgt nur: daß Ihr weder Christen, noch Freimaurer seid, sondern Berliner Pfahl- und Weißbierbürger, die fich nebenbei „Logenbrüder" nennen mögen, als welche fie, wie ich weiß, sehr gut essen und trinken, auch spielen und tanzen, was fie sonst noch thun, weiß ich nicht, es kann sehr Heilsames sein, aber ich weiß es totaliter nicht!.... In diesen Blättern hat fich jüngst ein — wenn auch ganz harmloser — Streit über die Bezeichnung der Musik „als einer jüdischen Kunst", gegenüber der Bildhauerkunst als heidnischer und der Malerei als christlicher Kunst, erhoben. Wenn dieser Stteit nichts weiter als den schönen Artikel unsres Hamburger Correspondenten in Nr. 43. S. 548. Sp. 2. ff. hervorgerufcn hätte, wäre er schon verdienstlich. Dennoch kommen wir noch einmal darauf zurück, weil uns die Sache noch lange nicht präcifirt erscheint. Unser Correspondent hat mit vielem Geiste auf die außerordentliche Bedeutung hingewiesen, welche die Mufik im alten Israel eingenommen, und welche Ausbildung dieser Kunst schon durch die Umfänglichkeit der Chor- und Orchesterglieder vorausgesetzt werde. Er hätte die Züge noch vermehren können. Hält es doch unsre heilige Schrift für wichtig genug, uns den ersten Erfinder der Mufik, Jubal, und seine Genealogie im sechsten Gliede von Kajin zu nennen, und ihn als „Vater aller Spieler der Cither und Schalmei" zu feiern (1 Mos. 4, 21.). Wird doch der erste Sieg Israels schon, am Ufer des rothen Meeres, durch ein „Lied" gefeiert, das Moscheh anstimmte, die Männer sangen (s. *2>m 2 M. 15, 21.), die Frauen mit den Tambourins in Wechselchören erwiederten, und so fort. Demungeachtet können wir die Mufik nicht eine „jüdische Kunst" nennen. Zwar, wenn wir anführen, daß die Mufik auch schon bei älteren Völkern in großer Blüthe war, daß namentlich die Aegypter viel Mufik trieben, indem alle ägyptischen Tempel Sängerfamilien hatten, und Lobgesänge auf Götter und Könige, daß, nach Hcrodot, die Aegypter ganz eigenthümliche Weisen gehabt und fremde nie zugelassen, noch mehr daß bei den Aegyptern die Mufik auch bei den geselligen Vergnügungen gepflegt wurde, daß bei jedem Gaftmahle Tänzer und Mufikbanden von Männern und Frauen mit Harfen, Cithern, Pfeifen und Tambourins zugegen waren, und die ganze Gesellschaft sang und tanzte; wir haben in unsrem Didelwerke nicht allein viele und schöne ägyptische Instrumente von den ägyptischen Monumenten mitgethcilt, z. B. Bd. III. S. 87. 88. 89., sondern auch die Abbildung eines ägyptischen Concerts, namentlich von Frauen, wozu welche mit den Händen den Tact klatschen, das. S. 83. — könnte unser Freund einwenden, nicht darauf, sondern auf die Fülle der Entwickelung mW das Tiefeingreifende als Lebensmoment kommt es an, und darauf, daß die päpstliche Capelle, der Hauptfitz der mittelalterlichen Mufik, sich rühmt, die Melodieen aus dem Tempel in Jerusalem erhalten zu haben, also auf die Wurzel der modernen Mufik im Tempel zu Jerusalem. Wir müssen dies zurückweiscn. Denn erstens ist diese Tradition doch eine sehr vage und unsichere, um fie als mehr denn ein historisches Apercu gelten zu lassen. Zweitens kommt es hierauf noch gar nicht an, sondern: daß ein Volk oder eine Geistesrichtung solche Meisterwerke hervorzubringen vermag und der Menschenwelt dauernd zu übergeben das Glück hat, daß damit die Ausprägung deS Gedankens in dieser Kunst für die Welt auf immer gewonnen, das Höchste in derselben geleistet worden und zu immer wiederholter Freude und Belehrung stets genossen werden kann. Denken wir uns, daß alle plastischen Meisterwerke des Alterthums so verloren gegangen, wie die mufikalischen Produktionen unsres Volkes, so daß nur die Combinationen des Geistes und eine dürre Sage

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