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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-12 · Heft 46 (12.11.1855) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 46 (12.11.1855)
Date
1855-11-12
Page
Seite 584 (sequence 2)
Language
German
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584 wäre die Zahl der „Hofjuden" Legion gewesen... Wir blicken vielmehr zurück auf das verflossene Jahrhundert. Damals wirkten Mendelssohn, Wessely, Euchel rc. schon; aber damals war noch der Leibzoll auf den Juden gelegt, und an die Stelle der grausamen Verfolgung war die drückendste Ausschließung aus Wissenschaft, Kunst, Gewerbe und die schneidendste Verhöhnung getreten. Sehen wir jetzt in die Höhe. Wir können auftecht stehen. Wir vermögen Jedem ins Angesicht zu sehen. Nicht Jemandes Drohung haben wir zu furchten. Irgendwer niederschmetternde Miene können wir verlachen. Wir haben nur das Gesetz zu fürchten und dessen Verletzung zu scheuen. Aber das ist allein das Negative. Wir haben in Wissenschaft, Kunst, Industrie Fuß gefaßt, uns darin heimisch gemacht — und stets ist eine neu erwachte, lang geschlummerte Kraft hoch zu halten. Es ist kein Menschliches Gebiet, dem wir nicht einige hochklingende Namen geliehen. Aber auch das ist nicht Alles. Es ist eine Zeit wieder, wo der jüdische Stamm durch Emsigkeit, Gewandtheit, Geistesschärfe, unbeirrt von romantischen Grillen, unaufgehalten durch alte verjährte Ideen, Bedeutung gewinnt im Schooße der Menschenwelt. Nicht etwa, wie man so häufig voraussetztc, durch irgend eine Cameraderie die findet wahrhaftig! nicht statt — hat doch die Neuzeit den Verband der Juden um Vieles eher gelockert als befestigt! Nicht etwa in einen! bewußten, durch Generationen hindurch verfolgten Gedanken. Der jüdische Stamm läßt sich vielmehr historisch tragen, als daß er bewußt Historie machen je gewollt. Sondern allein durch die ihm einwohnendcn Eigenschaften der Nüchternheit, Lebendigkeit, des Scharfblicks und der Ausdauer. Wir brauchen die Momente, auf die wir hier uns stützen, nicht erst herzuzählen. Wir sehen Juden in der untersten Stadtgasse wie in der obersten Staatsregion thätig, von Einfluß, in Geltung, die Blicke ihrer Kreise auf sie gezogen. Und dabei saget, daß sie irgendwo ihren Einfluß mißbrauchen? daß sie irgendwo Sclaven oder Leibeigene schaffen? daß sie irgendwo todte Güter häufen? Im Gegentheil, das Capital überall in Fluß zu bringen, zur Beftuchtung der Arbeit zu verwenden, dem Proletariat durch Speculation die Stockungen und Krisen vorüberzuführen — dies gehört zur Ausgabe, welche einflußreiche Juden überall verfolgen. Die wirkliche Herrschsucht, der gefährliche Ehrgeiz, die wahre Anmaßung, der enorme Egoismus, diese find den Juden — alle Thatsachen erweisen es — völlig fremd. Wir schreiten weiter — nicht zu irgend einer Herrschaft, sondern zu Nutzen schaffendem Einflüsse! Aphorismen. Es ist nicht zu übersehen, daß sich jetzt inmitten der pietistischen Richtung der protestantischen Kirche eine Partei bildet, welche man als „judenfteundlich" bezeichnen kann. Man weiß, wie es gerade die pietistische Richtung der protestantischen Kirche war und ist, die die Ausschließung der Juden aus dem Staate verlangt, aus der Gesellschaft wünscht, aus dem Gewerbe sucht, die sie gern wieder in die Ghetti verschließen möchte, die eigentlich nur Juden in langen Kaftans und mit großen Bärten anerkennen will. Wie so Vieles diese Richtung wünscht, aber nicht erreicht, kommt sie auch hierin nicht zum Ziele, da ihre gelobte Zeit des Mittelalters sich einmal nicht wieder Herstellen läßt. Wie sie aber dennoch im Einzelnen Vieles erlangt, hat sic uns mit Wort und That schon Schaden genug gethan. Desto erfteulicher ist es, wenn gerade mitten aus dieser Richtung neuerdings Stimmen ertönen, welche die Juden in ihrem weltgeschichtlichen Werthe anerkennen, und die ihrem Menschenrechte das Wort reden. Sie werden wenigstens Manchem aus dieser Partei den Mund verschließen, der schon zu Schmähung und Verfolgung geöffnet war. Wir haben jüngst Stellen aus einer Predigt des Consist. Appuhn mitgethcilt. Heute haben wir dergleichen aus der schon in diesen Blättern erwähnten Predigt des vr. bl. Zille in Leipzig hinzuzufügen. Denn in welchem Ruhme der Humanität auch Herr vr. Zille steht, so gehört er doch seinen Lehrmeinungen nach der pietistischen Richtung an, und wird dies auch selbst nicht verneinen. In seiner Predigt „heiliger Geist und christlicher Glaube (Leipzig 1855)" sagt vr. Zille: „Du eiferst. Du Gläubiger, um Deines Glaubens willen und blickst mit Verachtung auf die Nichtgläubigen oder die Nichtrcchtgläubigen! Du Heuchler, den Glauben hüllst Du um Dich als Deckmantel Deines Stolzes, Deiner Hoffart. Du erhebst Dich gern über Andre und siehst gern Andre unter Dir; da Du dies nun thun kannst mit Hülfe des Glaubens, so. hältst Du Dich für berechtigt, und Dein fiegestrunkner Stolz erhebt sich um so übermüthiger. Ein Glaube aber, der Andre verachten

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