Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1855)
- Date
- 1855-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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19. Jahrgang. JW 46 Allgemeine Zeitung -es Audcnthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner L-i». Ludwig Philrppfo« in Magdeburg. Leipzig, den 12. November 1855. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montag«, nnd wirv jährlich 78 Bogen in Quart incl. de« Titel«. Register», n. s. w. umfassen. Za Gemäßheit de» Zwecke«, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Tblr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Rgr. <1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Vs Rgr. (18 8®r.) für das Vierteljahr augesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung» - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptspeditiou für beide Letztere hat sich die köuigl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Don der Wichtigkeit der Juden. — Aphorismen. Zeitungsnachrichten: Paläüina: Magdeburg, Breslau. Deutschland: Leipzig. Preußen: Schweidnitz. Paderborn, Berlin. Oesterreichischer KaiserKaat: aus Ungarn. Frankreich:Magdeburg. Großbritannien: London. Syrien: Damaskus. Literarische Nachrichten: aus Mähren (Schluß). Correspondenz: Meine Reisen in Rußland. Don vr. Lilienthal in Cincinnati. IX. Leitende Artikel. Magdeburg, 5. November. Von der Wichtigkeit -er Juden. In dem ungeheuren Zeitraum, den der jüdische Stamm bereits durchlaufen, gab es gewisse Perioden, in welchen er, mitten aus den Ausschließungen der Welt heraus, zu großem Einfluß, zu großer Bedeutung auch für die allgemeine Menschenwclt gelangt ist. Wir sprechen hier natürlich nicht vom Zudenthume selbst, von dessen hochheiligem Inhalt, von dessen menschengeschlechtlicher Misston — wir reden nur von den Juden selbst. Es ist eine schone Lehre, welche die göttliche Vorsehung der Menschheit gegeben, daß fie den Quell aller Religionen nicht in den Prachtbrunnen, in daS stolze Brunnengewölbe einer großen politischen Macht oder eines reichen, Meere beherrschenden Handelsvolkes gefaßt, sondern in die bescheidene Wüstencisterne eines kleinen, politisch unbedeutenden Völkchens. Vielleicht würde der Quell unter den Trümmern des einstürzenden Prachtbaues verschüttet worden sein! Dennoch aber hat es dieser Stamm immer verstanden, fich Bahn zu brechen durch die ungünstigsten, feindseligsten Verhältnisse und fich eine Bedeutung zu erobern, welche seine Gegner zähneknirschend gewahrten. Juda hatte seine Zeit in Alcrandrien, wo es an der Spitze der ptolemäischen Heere, auf den Lehrstühlen der ägyptischen Hörsäle — man denke nur an daS „entweder Plato philonifirt, oder Philo platonifirt" — in der Beherrschung deS alerandrinischen Marktes fich befand. Juda hatte seine Zeit in Rom, wo die römischen Saryriker die Tausende von Römlingen mit bitterm Hasse verhöhnten, welche zum Judenthume übergingen. Juda hatte seine Zeit bei den spanischen Moslem und Christen, wo es in deren Rathe saß, die Leitung des Staates thcilte, die Sitze der Weisheit inne hatte. Nun, eine solche Zeit der Bedeutung ist ihm vielfach wiedergekommen. Wir weisen jene verdammenswerthe Zeit von uns, in welcher man unsre Väter verurthcilt hatte, allen ehrenhaften Gewerben zu entsagen, und in den Schuldbriefen der Großen die einzigen — ach! oft nur zu verrätherischen Bürgen ihrer Sicherheit zu haben — das war keine Zeit des Einflusses, und