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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-11-05 · Heft 45 (5.11.1855) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 45 (5.11.1855)
Date
1855-11-05
Page
Seite 580 (sequence 10)
Language
German
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58V Vorstellung seiner bewunderungswürdigen Kunststücke . den erwähnten Hinterlassenen der an der Cholera gestorbenen armen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zuwandte. Wir haben in Herrn Professor Hermann den liebenswürdigen Künstler geschätzt, wir lernten in ihm auch den edelmüthigen Menschen kennen. Die durch seltenen Wohlthätigkeitssinn ausgezeichneten Damen Johanna und Marie MiseS beschäftigen sich jetzt mit der Ausspielung von Gegenständen, die sie selbst unter der Gemeinde gesammelt. Den Ertrag der verkauften Loose haben sie für daS israelitische Spital bestimmt. Gott gebe ihrem Werke Fortgang und Gedeihen; der Lohn so edelmüthigen ThunS bleibt nicht aus. Z. Belgien. Aus Belgien, im October. (Privatmitth.) Sie haben in Nr. 22. v. I. über Ihre erfreulichen Erfahrungen in Brüssel referirt, und des scharfblickenden und warm empfindenden Vice-Präsidenten unseres Eonsiftoriums, des Herrn Joseph Oppenheim, erwähnt; es geschah dieS im Hinblicke auf das lebhafte Interesse und die Thätigkeit, welche Herr Oppenheim den speciell-jüdischen Angelegenheiten widmet. Nun wird es aber für Sie und Ihre Leser nicht uninteressant sein, eine Auszeichnung dieses edlen Mannes zu vernehmen, welche mehr seinen staatsbürgerlichen Tugenden gilt. Herr Oppenheim ist Direktions-Mitglied der Eisenbahn zwischen Antwerpen und Gent, und hat diesem Institute eine so schöpferische Thätigkeit gewidmet, daß in deren Anerkennung der König von Belgien ihm den Leopolds- Orden verliehen har. Um der Bescheidenheit deS Herrn Oppenheim nicht zu nahe zu treten, muß ich übrigens bemerken, daß hier in Belgien, wo die staatliche Gleichberechtigung der verschiedenen Confesfionen in alle Muskeln des Staatslebens längst verwachsen ist, dergleichen Distinctionen unter Juden keine Seltenheit sind; und lege ich daher bei meiner Mittheilung den Hauprwerth darauf, unseren Glaubensgenossen in Deutschland, wo sie neuerd'.ngS mittelalterlichen Beschränkungen und Jgnorirungen auSgesctzt sind, einen Trost auS der Ferne zu reichen. Wo immer die Sonne aufgeht, ihre Strahlen senden Licht und Warme überall hin, wo immer die Humanität und das Recht eine Freistätte gefunden, es schöpfen daraus auch Diejenigen Muth und Hofftmng, welche jener erhabenen Güter noch entbehren müssen. Frankreich. Aus dem Elsaß, 25. October. (Privatmitth.) Es wird Ihnen wohl schon bekannt sein, daß sämmtliche Groß-Rabbiner durch das Central-Konsistorium nach Paris berufen worden; man kennt im Publikum weder die Motive dieser Versammlung, noch den Gegenstand der Berathung. Man setzt voraus, daß eS die Reglementirung des öffentlichen CultuS gilt. Italien. Turin, im October. Wegen vielfach bewiesener Wohlthätigkeit hat der König den Banquier Vitta in Casale zum Baron ernannt. Vor Kurzem hatte er den im Orient befindlichen sardiniscben Truppen 20,000 Lire zum Geschenk gemacht. Turin, im October. Der Educat. israel. enthält ein Circulairschreiben deS fardinischen Ministers der Justiz, de Foresta, über die Form deS EideS, welchen Israeliten zu schwören. Nachdem er auf die Lücke hingewiesen, welche im Gesetzbuche über eine, dem Geiste desselben angemessene EideSform für die Israeliten, seitdem die der Katholiken verändert worben, bestehe, und nachdem die israelitischen Gemeinden und einige Rabdinen deS Staates befragt worden, und diese die folgende Form vorgeschlagen: der Israelit solle den Eid am Gerichtshöfe stehend mit bedecktem Haupte, die Hand auf daS 20. Capitel deS 2. DuchS MosiS gelegt, mit den Worten schwören: „Ich schwöre, anrusend Gott zum Zeugen der Wahrheit k.", wozu daS Exemplar der hebräischen Bibel als autorifirt vom Rabbiner deS OrteS durch Beifchrift am Rande des gedachten CapitelS bezeichnet sei, — so haben alle Gerichte die beschriebene Eidesform vorkommenden Falles anzuwenden.*) *) Dem Artikel S. 309. in dem Lüne, israel. gegenüber, bemerken wir, daß der Herr Oberrabbiner Mortara zu Mantua in seinem Schreiben vom 30. Mai c. durchaus nicht den Wunsch ausgesprochen, daß ich seinen Brief abdrucken lasse, daß es daher ganz fteier Eni-

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