Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1855)
- Date
- 1855-10-29
- Page
- Seite 563 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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563 Jahre werden hingehen, ehe unsere Gemeinde wieder daS Glück haben wird, sich deS Besitzes eines solchen Lehrers rühmen zu können. Möge sein Name, damit schloß die Leichenrede, noch recht lange zum Segen im Munde seiner zahlreichen Schüler sortleben! Möge seine Asche in Frieden ruhen! Viersen, 14. October. (Privatmitth.) Wie eine gebildet sein wollende Gemeinde daS Andenken ihres LehrerS feiert, möge folgende Thatsache zeigen. Als am 9. dieses der Lehrer LiffgenS gestorben war, versammelte der Vorstand am 13. die Gemeinde, um durch Abstimmung entscheiden zu lasten, ob man der Familie des Dahingeschiedenen das Gehalt auch für Monat October auszahlen solle. Das Resultat der Abstimmung, wobei der Vorsteher seine Stimme suspendirte, war, obschon der selige Liffgens bis zum 8. Abends feine Pflichten erfüllt hatte, für October Nichts zu zahlen. Die in diesem Beschlüsse liegende Humanität ist in die Augen springend, bedarf daher nicht der Auseinandersetzung. G Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 10. October. (Privatmitth.) Der Leitfaden beim Religionsunterrichte vom Herrn ReligionSlehrer Breuer ist bereits in zweiter Auflage erschienen. Dieselbe ist ganz umgearbeitet, und ist die Anordnung deS Materials anders als früher. Diese Auflage ist zugleich vermehrt durch die mosaische Pflichtenlehre. Wie ich höre, hat die Gemeinde in Görz hier angesucht, daß der Name des verewigten Gelehrten Herm Reggio im „Seelengedachtniffe" ausgenommen werde; doch dürfte dieses kaum möglich sein. Wien, 18. October. (Privatmitth.) Ich bin wieder in der Lage, Ihnen von einer Stiftung mirzutheilen, die zu Gunsten der hiesigen israelitischen Gemeinde gemacht wurde. Herr Anselm Baron Rothschild, der Chef des hiesigen Hauses Rothschild, hat zum Andenken seines jüngst verstorbenen Vaters, deS Herrn Salomon Freiherrn v. Rothschild, die hiesigen WohlthätigkeitSanstalten der Gemeinde mit 16,000 Fl. bedacht. Und zwar erhält daS Spital 4000 Fl., der Handwerksverein, die Kinderbewahranstalt und der Frauenverein je 2500 Fl., das Taubstummeninstitut 2600 Fl., die Chevra-Kadischa und der Pensionsfond je 1000 Fl. und der Kreuzerverein 500 Fl. — Die Stadt erhielt 10,000 Fl. für christliche Anstalten. Die Predigerfrage schreitet vorwärts. Dem Vernehmen nach ist jüngst beschlossen worden, daß ein Cvmitö, gebildet aus dem Gemeindevorstande, die Vorarbeiten übernehme, und zunäcdst Diejenigen unter den Candidaten auSscheide, für die im Vorhinein keine Chancen sind. AuS den Würdigen soll eine kleine Anzahl herauSgehoben werden, wenn ich recht unterrichtet bin, drei bis sechs, welche in Vorschlag gebracht und zu Probepredigren eingeladen werden. Wie ich ferner vernehme, soll Herr Vertreter Joseph Wertheimer den Vorsitz in diesen Comstöberathungen führen und Herr Prediger Mannheimer den Sitzungen als berathend beigezogen werden. — Da die hiesige Gemeinde im stetigen Wachsen begriffen ist — eS kommen in einem Jahre 300 Geburten vor — so muß man auch daran denken, den Gottesacker zu erweitern. So tritt Alles hier aus den engen Grenzen heraus und nimmt weite Dimensionen an. Möge mit dem Wachsthume der Gemeinde auch die innere Kraft sich stählen, so daß irr« L1PL2 rsbvwi nnn seien. Frau Louise Edl. v. Wertheimstein, Vorsteherin der Kinderbewahranstalt, ist jetzt ausgetreten und an ihre Stelle wurde Frau Louise Beyfuß geb. Jacques gewählt. Zugleich aber wurde Frau Elise Herz geb. Edl. v. Lämel mit als Vorsteherin ernannt. Man wollte der Dame dadurch eine besondere Aufmerksamkeit erweisen, und so ist dieselbe Vorsteherin der Kinderbewahranstalt hier und in Prag. Zum Schluffe erlaube ich mir, Ihre Aufmerksamkeit auf das so eben erschienene Concordat zwischen dem kaiserlich österreichischen Hose und dem pabftlichen Stuhle zu lenken. ES ist der Kirche dadurch eine ungeheure Macht eingeraumt. Hoffen wir, daß dieselbe nicht gegen den Staat und nicht gegen uns Juden gerichtet wird. —. In der k. k. Schulbücheradministration ist das zweite Sprach- und Lesebuch für israelitische Volksschulen erschienen. ES sind die rein christlichen Lesestücke auSgeschieden und dafür jüdische gesetzt worden. A propos. Sie kennen ja die jüdischen Gemeinden, wie die eigene Tasche, waS ist das für ein schmähliches Treiben in Berlin mit den „Einge-