Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1855)
- Date
- 1855-10-29
- Page
- Seite 564 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225976--14921-3300616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
564 sandtS"? Hat wohl Herr Vr. Sachs daran gedacht, daß die fromme Partei ihn angreifen werde? Wien, 19. October. (Privatmitth.) Gestern hielt in der Akademie der Wissenschaften Herr Lieben, Sohn des Großhändlers I. Lieben, ein noch ganz junger, aber strebsamer Mann, einen Vortrag über Milchzucker. ES war dieser Vortrag von außerordentlichem Erfolge begleitet und der junge Mann ward von allen Seiten mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Herr Lieben geht morgen nach Heidelberg, um seine Studien fortzusetzen. Wird sein Vaterland einst ein Plätzchen an einer Universität für den strebsamen Geist finden? — Magdeburg, im October. Wie wir schon oft erklärt haben, ist eS unmöglich, über die Einweihung von Synagogen ausführlich berichten zu lassen, da jetzt allenthalben neue Gotteshäuser sich erheben, die Feier aber überall dieselbe ist. Wir müssen unS begnügen, aus unS zugekommenen Berichten hervorzuheben: I In Pohrlitz, einem Städtchen unweit Brünn in Mähren, fand am 1. October die Einweihung eines prachtvollen Tempels statt. Die frühere Synagoge soll nach der Sage und nach Münzen, die man im Baugrund gefunden, die älteste in Mähren gewesen sein. Obgleich die Gemeinde nur 110 Familien zählt, hat sie doch 30,000 Fl. für ihren Tempel verwendet. Dazu kommen die reichsten Spenden, z. B. ein Vorhang für 1900 Fl. von Herrn M. Frischauer, der ZünglingSverein ein Tabernakel von Marmor mit Thüren von Mahagoni. Die größten Verdienste hat sich der israelitische Bürgermeister Herr Beit Schnabl erworben. Die Einweihung geschah durch Herrn Rabbiner Schmiedl in eindringlichster und würdigster Weise. Es waren viele Fremde herbeigeströmt, aber diese mußten sich den Eintritt — mit Geld erkaufen. Der Herr Bezirksvorsteher, der die Tempelpforten öffnete, hielt erst eine kräftige Anrede, in welcher er der Gemeinde den Dank der Regierung für ihre Leistungen sagte. Bekanntlich besitzt Pohrlitz auch eine vortreffliche Schule unter Leitung des Herrn Bondy. Frankreich. Paris, im October. (Nach den Arcb. israel. de Fr.) Herr Leopold Söe, Capitain der Zuaven, ein Glaubensgenosse aus dem Elsaß, hat so eben die Ehrenlegion für in der Krim bewiesene Tapferkeit erhalten. — Vor Anfang des Gottesdienstes am Col- Ridre wurde eine Sammlung veranstaltet, um Rabbinen zur Krim-Armee zu senden, zur Seelsorge für die Soldaten israelitischen Bekenntnisses. Man hofft von ihrer Anwesenheit im Oriente auch einigen Erfolg für die jüdische Bevölkerung überhaupt, da der Einfluß der Chachamim bis jetzt alle gute Absichten der türkischen Regierung paralysirt. — Leon Halevy, Bruder deS Componisten, hat von der Academie francaise eine Medaille von 2000 FrcS. für seine letzte Fabelsammlung erhalten. — Im Elsaß sind viele Israeliten zu Stadträthen erwählt worden: Herr Achille Ratisbonne und vr. Rueff in Straßburg, Tuchfabrikant Aron Blin in Bischweiller, Joachim! Eisenmann, Eigenthümer, in Hagenau; im Dorfe Quatrenheim gar fünf. Herr Achille Ratisbonne ist auch zum Präsidenten des ConsistoriumS gewählt worden. — Großbritannien. London, im October. Ein großer Streit ist vor dem Citygericht zur Verhandlung und einstweilen auch zur Erledigung gekommen. Der Anti-Thierquäler- Verein hatte eine Klage gegen den jüdischen Schächter eingebracht, daß er das Vieh beim Schlachten unnöthig leiden lasse. Es wurden Zeugen für und wider, darunter Aerzte, Fleischer, Physiologen verhört; sie Alle stimmten darin überein, daß ein nach talmudischem Recepte geschlachteter Ochse im Durchschnitt 4—5 Minuten länger zu leiden habe, als fein Nachbar im Stall, der das Glück hat, einem nichtmofaifchen Fleischer anvertraut zu werden. Trotzdem wieS der Richter die Klage ab, weil die bezügliche Parlamentsacte bloS gegen muthwillige Thierquälerei gerichtet sei, in diesem Falle die Quälerei nicht auS Muthwillen herrühre, sondern auf religiösen Dogmen beruhe. Die Kläger geben sich nicht zur Ruhe und wollen appelliren. (Man erinnere sich, daß vor einiger Zeit eine ähnliche Anklage in der Schweiz erhoben worden und zurückgewiesen ward. Redact.) London, im October. Der Gemeinderath der City von London hat mit 30 gegen 6 Stimmen be-