Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1855)
- Date
- 1855-10-29
- Page
- Seite 561 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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561 wenn man an den christlichen Glauben bürgerliche Rechte und Vorrechte knüpfe und auf diese Weise weltliche, äußerliche Vortheile mit dem himmlischen, tief innerlichen Glauben verbinde. Diese, übrigens auf dem Boden deS geltenden oder kirchlichen ChristenthumS ruhende Predigt, die durchaus nicht in die Richtung der vagen freien Gemeinden fällt, soll auch im Drucke erscheinen, worauf Ihre Leser aufmerksam gemacht werden. Ehre dem Manne, der ein guter, edler Christ, ein musterhafter Menschenfreund und ein reichbegabter Schriflsteller ist. Von ihm besitzen wir auch eine metrische Bearbeitung der Psalmen. Preußen. Berlin, 23. October. (Privatmitth.) Die Vertretung der hiesigen Gemeinde hat vor einigen Tagen einen Beschluß gefaßt, welcher bei allen Parteien die freudigste Ueberraschung bewirkt, und von welchem zu erfahren Ihren Lesern angenehm sein wird: Den Beschluß, Zunz einen würdigen Ruhegehalt zu zahlen. Zunz, der schon im Jahre 1819 Beamter der Gemeinde war, konnte, außer den Ansprüchen seiner wissenschaftlichen Stellung, erwarten, daß die Gemeinde seine langjährigen Dienste wenigstens durch eine ehrenvolle Pension belohne, dennoch behandelte ihn der Vorstand von 1849 — 54 nicht viel besser wie die andern Lehrer, obgleich er mit ihm auf dem Wege der Neuorthodorie liebäugelte, und es war dem jetzigen Vorstande Vorbehalten, das Unrecht zu sühnen. Der bei der Abstimmung der Repräsentanten über den vom Vorstande eingebrachten Beschluß an den Tag gelegte Geist bietet die erhebende Erscheinung, daß um den Namen Zunz sich alle Parteien der Versammlung achtungsvoll einten, und selbst der einzige auS der gestürzten Verwaltung unter die Repräsentanten gedrungene A. H. Heymann sprach mit Huldigung sein „Für". Sein Volum verdient als Episode in der Wandelbarkeit der Zeiten und als Zug aus dem Charakter neuorlhodorer Persönlichkeiten eine öffentliche Aufbewahrung: Herr Hey mann sprach ungefähr: „Meine Herren! Zunz ist Zunz, und weil Zunz Zunz ist, braucht eS keiner weitern Erklärung, die beantragte Summe zu bewilligen." Sprachs und ruhte aus! Ein boshaftes Mitglied der Versammlung soll dem Nachbarn inS Ohr geflüstert haben: ■p» j-t:?*» nrro Vaa an “jaö». Aber viele andere Mitglieder konnten sich mit noch legitimerem Staunen fragen: Ist Zunz denn erst jetzt Zunz geworden, und war er es nicht unter dem Vorstände von 1849— 54, dessen Vorsitzender A. H. Heymann hieß? Oder war dieser Vorstand so beschaffen, daß unter seiner Verwaltung selbst ein Zunz aus seinem Charakter heraustreten konnte?! Jedenfalls war daS Votum deS Herrn H. kühn im Zusammenhänge mit der Verwaltung seines Urhebers, und die Kühnheit erscheint noch intensiver, wenn man folgende Thatsache weiß: Zur Zeit der communalen Allgewalt des Herrn A. H. H. und Consorten machte ihm der Dr. 33 — I. Vorwürfe darüber, daß der Vorstand dem Seminarlehrer L. Gehalt und Pension entzieht, worauf Herr H. sagte: „wenn man L. eine Pension giebt, kommt Zunz auch und will eine haben!" Ist dieses Factum gegenüber dem obigen Votum nicht ein schöner Beitrag zur Kenntniß der Charaktere der gestürzten Partei? Berlin, 22. October. (Privatmitth.) In den christlichen Kreisen feierte man in den letzten Tagen den Religionsfrieden, daher, um das Aergerniß einer Beobachtung von ripn fern zu halten, feierten unsre „Frommen" durch Inserate in der Vossischen Zeitung das Gegentheil eines Religionsfriedens. Der Minorität des RabbinatS - Collegiums wird gesagt, sie sei noch Schulknabe gewesen, als die Majorität schon den Vorsitz führte, eS wird ihr ferner Heuchelei, Schwenkung und ein Pelzanzug vorgeworfen und endlich der unedle Mißbrauch, den sie von den ihr zur Verfügung stehenden homiletischen Waffen mache. Dafür werden vom Lager der Minorität herüber Kraftausdrücke geschleudert, die nicht ohne Wirkung aus diejenigen Leser bleiben können, welche sich erinnern, daß man noch vor einiger Zeit denselben Gemeindetheil „Kern der Gemeinde" genannt, welchen man jetzt „Pöbel" nennt. Dieser „Pöbel", vormals „Kern", ist aber eine Fusion der, Orthodoxie und der Neuorthodorie, trägt demnach durch die unreine Composition der letztem den Keim der Erfolglosigkeit in seinem Streben, und gerade weil die Opposition den Abfall der Neuorthodorie in sich ausgenommen, kämpft sie unter übler Vorbedeu-